Do., 05.05.2016

Diözesangericht annulliert Ehen „Der Weg ist nicht einfach“

34 Jahre hat Pfarrer Hubert Ewelt aus Gievenbeck im Diözesangericht in Münster über Ehe-Anullierungsanträge mit entschieden.

34 Jahre hat Pfarrer Hubert Ewelt aus Gievenbeck im Diözesangericht in Münster über Ehe-Anullierungsanträge mit entschieden. Foto: Annegret Lingemann

Münster-Gievenbeck - 

Wie können in der katholischen Kirche geschlossene Ehe annulliert werden? Mit dieser Frage hat sich Pfarrer Hubert Ewelt aus Gievenbeck jahrelang befasst – als Richter am Diözesangericht.

Von Annegret Lingemann

Hubert Ewelt war 34 Jahre lang als Diözesanrichter in Münster fast ausschließlich mit Eheannullierungsverfahren befasst. „Eine moralische Bewertung wurde nicht vorgenommen“, sagt er.

Wenn ein harmonisches Zusammenleben von Eheleuten nicht mehr möglich ist, ist eine Scheidung heute kein ungewöhnlicher Weg. Sollte das Paar allerdings katholisch getraut worden sein, haben beide Partner spätestens dann ein Problem, wenn sie erneut mit kirchlichem Segen heiraten möchten.

In der Katholischen Kirche ist das Eheversprechen ein Sakrament und nicht zurückzunehmen, es sei denn, die Ehe kann annulliert und das Sakrament damit für ungültig erklärt werden. Das geschieht beim Offizialat, dem kirchlichen Gericht einer Diözese.

Dort war Hubert Ewelt, nachdem er 1982 aus gesundheitlichen Gründen seine Pfarrstelle in Ibbenbüren–Dörenthe aufgeben musste. Seit Ende 2015 gibt es - von Papst Franziskus beschlossen - eine Vereinfachung im Eheannullierungsverfahren, wodurch sich auch die Zahl der Diözesanrichter (in Münster gab es bis dahin 25) reduziert.

Waren sonst zwei Instanzen für die Urteilsfindung vorgeschrieben, ist es jetzt – sofern kein Einspruch erhoben wird – nur noch eine. Auch die Gründe, weshalb eine Ehe für nichtig erklärt werden kann, haben sich im Laufe der Zeit geändert. Hubert Ewelt erinnert sich: „Früher waren Willensmängel ein Beweisgrund. Wer keine Kinder wollte, die Treue nicht für geboten hielt, die Unauflöslichkeit der Ehe anzweifelte oder zur Heirat gezwungen wurde, konnte die Auflösung der Ehe erwirken. Heute wird eher die psychische Eheunfähigkeit als Grund anerkannt, also Persönlichkeitsstörungen, totale Unreife oder Suchtverhalten.“ Dazu sei ein psychiatrisches Gutachten erforderlich und das Zusammentragen von Beweisen, oft zöge sich das über Jahre hin.

„Schwer verständlich für den Laien,“ sagt er. „Aber für viele ist es sehr wichtig, um eine zweite Ehe eingehen zu können. Einfach ist der Weg nicht“. So habe er sich nicht nur für den rechtlichen sondern auch immer für den seelsorgerischen Bereich verantwortlich gefühlt.

Dass er, wie alle Diözesanrichter, die Ehe nicht aus eigenem Erleben kennt, spielt für ihn keine Rolle. „Nach über dreißig Jahren habe ich einen Einblick, was alles in der Ehe passieren kann,“ sagt der 79-Jährige aus seiner Erfahrung. „Ich sehe heute manches anders als früher.“ Vielleicht weniger streng.

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