Sa., 07.05.2016

Vogel könnte vergiftet worden sein Wanderfalke tot auf dem Gelege

Ein Jungvogel aus dem vergangenen Jahr musste in einer dramatischen Rettungsaktion aus dem Fallrohr gerettet werden.

Ein Jungvogel aus dem vergangenen Jahr musste in einer dramatischen Rettungsaktion aus dem Fallrohr gerettet werden. Foto: Axel Roll

Borghorst/Münster - 

Die Nikomedeskirche als Familienhort für den seltenen Wanderfalken – das war einmal. Das Weibchen, das im vergangenen Jahr erstmalig vier Junge in dem Nistkasten hoch oben über den Dächern von Borghorst groß gezogen hat, ist tot. Hubert Große Lengerich, der die Falken im weiten Umkreis für den Naturschutzbund betreut, fand den weiblichen Vogel bei einem Kontrollbesuch leblos auf dem Nest liegend. „Das Tier war schon stark verwest“, so der Greifvogelexperte. Woran der Wanderfalke gestorben ist, kann Große Lengerich jetzt noch nicht sagen. „Wir haben den Kadaver dem Veterinäramt zur Untersuchung übergeben. Das Ergebnis steht noch aus.“

Von Axel Roll

Für den Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Wanderfalke im Nabu ist klar, dass das Weibchen „nicht einfach so“ auf dem Nest verendet ist. „Vergiften könnte ein Möglichkeit sein“, so Große Lengerich. Solche Fälle habe es schon häufiger gegeben: Gefieder von lebenden Lockvögeln werde mit Gift getränkt. In Baden-Württemberg sollen auf diese Weise Falken zu Tode gekommen sein.

Dass die Greifvogel-Gegner in den Kirchturm geklettert sind, das schließt Hubert Große Lengerich eigentlich aus. „Der Turm ist immer verschlossen, einen Schlüssel haben nur wenige.“

Im vergangenen Jahr hatte das Wanderfalkenpärchen zum ersten Mal auf dem Borghorster Kirchturm gleich vier Jungen groß gezogen. Dabei wäre eines der Jungtiere fast im Fallrohr der Dachrinne verendet, wenn nicht die Feuerwehr mit einem Drehleiter-Einsatz den übermütigen Vogel aus seinem Gefängnis befreit hätte (die WN berichteten). Der Vater der Vierlinge kommt aus Rheine, ist an der dortigen Basilika 2012 flügge geworden. Große Lengerich geht davon aus, dass er Borghorst treu bleibt und sich ein neues Weibchen suchen wird. Die Brutmöglichkeiten an der Kirche sind nach Einschätzung des Nabu-Aktivisten optimal. Nicht nur wegen der Brutkiste, die im vergangenen Jahr sofort von dem jungen Paar für den Bau des Nestes genutzt wurde.

Hubert Große Lengerich musste inzwischen sowohl in Rheine als auch in Münster den Verlust jeweils eines Geleges feststellen. „Wir hoffen jetzt, dass wenigstens in Neuenkirchen die Jungen schlüpfen werden.“

Die Rückkehr des seltenen Vogeljägers, der in Nordrhein-Westfalen noch vor wenigen Jahren so gut wie ausgestorben war, wird nicht überall beklatscht. So haben örtliche Brieftaubenzüchter einen Brief an die Pfarrgemeinde geschrieben, den Kasten oben im Turm doch wieder zu entfernen. Wie Pfarrer Markus Dördelmann bestätigte, „haben wir danach alle an einen Tisch geholt, um uns die unterschiedlichen Meinungen anzuhören“. Dabei die Züchter, der Nabu, ein Vertreter des zuständigen Landesministeriums und die Pfarrgemeinde. Dördelmann konnte noch nicht sagen, wie sich der Kirchenvorstand positionieren wird: „Wir haben das Thema bei unserer nächsten Sitzung auf der Tagesordnung.“ Dort werde die Pro­blematik beraten und dann eine Entscheidung gefällt. Die Sitzung findet am 18. Mai statt. Danach werden die Beteiligten informiert.

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