Di., 10.05.2016

Ackerrandstreifen Gesetzesbruch am Wegesrand?

Kornblumen sind eine Alternative für die Nutzung von Ackerrandstreifen: Sie sind nicht nur hübsch anzusehen, sondern sind auch für Bienen und andere Insekten eine willkommene Nahrungsgrundlage.

Kornblumen sind eine Alternative für die Nutzung von Ackerrandstreifen: Sie sind nicht nur hübsch anzusehen, sondern sind auch für Bienen und andere Insekten eine willkommene Nahrungsgrundlage. Foto: colourbox.de

Kreis Steinfurt - 

Werden hunderte Hektar Ackerrandstreifen im Kreis Steinfurt illegal bewirtschaftet? Das behaupten die Grünen im Steinfurter Kreistag und verweisen auf den Kreis Coesfeld, wo sich ein entsprechender Verdacht bestätigte. Aufklärung soll jetzt die Kreisverwaltung bringen.

Von Achim Giersberg

Werden im Kreis Steinfurt Ackerrandstreifen in einer Größenordnung von knapp 400 Hektar von Landwirten „illegal“ genutzt? Die Grünen-Fraktion im Steinfurter Kreistag ist ziemlich sicher, dass dem so ist und bittet nun die Kreisverwaltung um Aufklärung und genaue Zahlen.

Jan-Niklas Gesenhues, Sprecher der Grünen-Fraktion, bezieht sich sich auf Zahlen aus dem Kreis Coesfeld. Dort hätten Kreis und Kommunen eine Flächenkulisse für die Eigentumsverhältnisse ermittelt und festgestellt, dass die Landwirtschaft kreisweit rund 212 Hektar öffentlichen Grundes auf „illegale“ Weise nutze. Das entspreche der Fläche von fünf durchschnittlich großen Betrieben im Kreis Steinfurt.

Hochgerechnet auf die Größe des Kreises Steinfurt, käme man, so Gesenhues, auf knapp 400 Hektar und neun Durchschnitts-Betriebe. Er habe keine Zweifel, dass der Kreis Steinfurt grundsätzlich von der Problematik ebenso betroffen sei wie der Kreis Coesfeld: „Das sieht man doch, dass überall dicht an die Wege geackert wird.“

Das habe „historische Gründe“, erläutert Gesenhues, der auch Vorsitzender des Umweltausschusses ist. Schon im alten Preußen sei bei der Planung von Wegen immer eine Reserve-Fläche für einen späteren eventuellen Ausbau berücksichtigt worden. Oft sei aber gar kein Ausbau erfolgt.

Diese Flächen lägen jedoch definitiv im Eigentum der öffentlichen Hand. Viele Landwirte nutzten sie dennoch, quasi aus einer Art Gewohnheitsrecht. „Ich unterstelle den Landwirten ja gar keinen Vorsatz oder Absicht“, meinte Gesenhues, aber: „Da gehen ein, zwei Meter drauf und niemand interveniert, und dann macht man es eben.“ In Ordnung sei das aber nicht: „Geltendes Recht wird hier nicht durchgesetzt.“

Der mit öffentlichen Mitteln geförderte Schutz von Ackerrandstreifen werde durch diese Praxis konterkariert, meint der Grünen-Sprecher. Es müsse im Interesse des Kreises sein, die „illegal“ genutzten Flächen für den Naturschutz, den Erhalt der Artenvielfalt und die Naherholung zu nutzen.

Dass die Bauern den Kommunen die Pflege der Randstreifen ersparen, sieht Gesehues nicht so. Man könne mit den Bauern Bewirtschaftungsverträge schließen oder Flächen tauschen oder über eine Verpachtung nachdenken, dessen Erlöse dann an anderer Stelle dem Naturschutz zu Gute kämmen. Auch könnten Kommunen die Pflege der betroffenen Flächen selber übernehmen. In Dülmen, wo bereits über 300 solcher „Übernutzungen“ festgestellt worden seien, habe die Stadt die Flächen-Grenzen durch rot-weiße Pflöcke markiert.

Erörtert wird das Thema in der öffentlichen Sitzung (17 Uhr, Kreishaus Steinfurt) des Umweltausschusses am 8. Juni.

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