Mi., 11.05.2016

Ehemaliger Polier erinnert sich an die Anfänge des FMO „Das war meine schönste Baustelle“

Ehemaliger Polier erinnert sich an die Anfänge des FMO : „Das war meine schönste Baustelle“

Auf dem Weg zum Verkehrsflughafen: Mit der Errichtung der ersten befestigten Start- und Landebahn auf 1000 x 20 Metern wurde der Grundstein für den späteren FMO gelegt. Foto: privat

Greven/Borghorst - 

Wer auf den Straßen im Kreis Steinfurt unterwegs ist, wird hier und da über ein Bauwerk von Albert Koch rollen. Als Polier im Straßenbau hat er Hunderte Kilometer Wege und Straßen in der Gegend gebaut. seine schönste Baustelle sei aber die erste Startbahn des FMO gewesen

Von Linda Braunschweig

Wer auf den Straßen im Kreis Steinfurt unterwegs ist, wird hier und da über ein Bauwerk von Albert Koch rollen. Als Polier im Straßenbau hat er Hunderte Kilometer Wege und Straßen in der Gegend gebaut – aber exakt 1000 Meter sind ihm besonders gut in Erinnerung geblieben: die erste befestigte Start- und Landebahn des Flugplatzes in der Hüttruper Heide in Greven. Praktisch der Grundstein für den Bau des späteren FMO. „Das war meine schönste Baustelle“, sagt Koch heute.

Schon in den 1930er Jahren sind die ersten Maschinen in der Heide gestartet. Fliegerfreunde gründeten die Luftfahrtvereinigung Greven, bauten Vereinsheim und Hallen, aber über Jahrzehnte hoben die Flugzeuge von der Grasnarbe ab und landeten dort auch wieder. Das sollte sich Anfang der 60er Jahre ändern. Der Ausbau der Geschäftsfliegerei von Greven aus machte es nötig. Die Firma Schulte Dyckhoff investierte 250 000 Mark, wenig später finanzierte das Land die notwendige Aufrüstung für schwere Maschinen und eine Befeuerung der Strecke.

Damals war Albert Koch, der gebürtig aus Niedersachsen stammt, gerade in der Firma Dreckmann in Horstmar angefangen. Sie hatte den Zuschlag für den Unterbau der Start- und Landebahn erhalten. Mit zehn Arbeitern rückte Koch in der Heide an. 20 Meter breit, einen Kilometer lang, schnurgerade – so lautete der Plan. Es musste abgeholzt und planiert werden. Außerdem brauchte die Strecke eine Drainage. Schotter kam aus Ibbenbüren. Der Raupenfahrer – Walter Makowski, den Namen hat Koch nie vergessen – musste genau arbeiten. „Damals gab es noch keine Lasertechnik. Der Fahrer musste das quasi mit dem Hintern fühlen“, erzählt der 86-Jährige grinsend. Die Bahn musste hohe Lasten aushalten. Das sei vor allem auf den letzten 20 Metern schwierig gewesen, denn dort war der Boden moorig. Koch ließ tiefer ausheben und mehr Schotter einfahren. „Das klappte wunderbar“, sagt Koch. Ein knappes halbes Jahr dauerten die Arbeiten, erinnert er sich. Die Asphaltdecke lieferte eine andere Firma.

Koch ist die Start- und Landbahn als besonderes Projekt in Erinnerung geblieben. „Da konnte man eben sehen, was man gemacht.“ Später ist auch er von dort einmal abgehoben, mit dem damaligen Vorsitzenden der Luftfahrtvereinigung, Heino Cordes. Damit war Koch durch den Straßenbau zu Lande und in der Luft unterwegs, nachdem seine Berufstätigkeit zu Wasser begonnen hatte. Als jüngster von fünf Söhnen in Einbeck geboren, arbeitete er schon als Kind in der Landwirtschaft, bevor er mit 15 Jahren eine Fähre in Holzminden steuerte. „Da war ich der jüngste Fährmann“, erinnert sich Koch.

Anschließend wurde er Binnenschipper. Acht Jahre lang transportierte er Schüttgut ebenso wie Care-Pakete über die Flüsse und Kanäle zwischen Bremen und Heidelberg. Mit 23 Jahren entschied er sich für eine Umschulung zum Straßenbauer, heuerte bei verschiedenen Firmen an, baute Autobahnzubringer und Wirtschaftswege. „Ich war ein guter Malocher“, sagt Koch. Aber so ganz reichte ihm das nicht. Nebenbei tüftelte er an neuen Baumethoden, entwickelt unter anderem einen Flügel, der, an einen Bagger montiert, Gräben zog. „Damit konnte man in drei Minuten machen, wofür wir sonst einen halben Tag brauchten.“ Auf einen Steintrenner hat Koch sogar ein Patent. „Das System wird heute noch angewendet“, sagt er. Wegen solcher Erfindungen hatte er seinen Spitznamen unter den Kollegen schnell weg: Albert Einstein.

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Albert Koch ist auf der Suche nach historischen Fotos zum Flugplatz-Bau aus den 60ern. Wer Motive hat, kann sich an die Redaktion wenden: E-Mail redaktion.gre@zeitungsgruppe.ms

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