Mi., 11.05.2016

Industrie-Standorte Münsterland kann nicht alle Regionen aus der Krise ziehen

 Während die Zechen im Ruhrgebiet und die Stahlbranche rund um Dortmund seit Jahrzehnten in der Krise stecken, profitiert das Münsterland (das Bild zeigt den Anhängerhersteller Schmitz Cargobull in Altenberge) von seiner ausgeprägten mittelständischen Struktur.

 Während die Zechen im Ruhrgebiet und die Stahlbranche rund um Dortmund seit Jahrzehnten in der Krise stecken, profitiert das Münsterland (das Bild zeigt den Anhängerhersteller Schmitz Cargobull in Altenberge) von seiner ausgeprägten mittelständischen Struktur. Foto: dpa

Münster/Düsseldorf - 

Die Wirtschaftsentwicklung in NRW verläuft stark unterschiedlich. Das Ruhrgebiet mit seinen Traditions­industrien wurde längst vom Münsterland mit seiner modernen, mittelständischen Industrie abgehängt.

Von Jürgen Stilling

Teure Rohstoffe und die Energiewende machen Nordrhein-Westfalen mehr zu schaffen als den anderen deutschen Bundesländern. „Vorleistungsindustrien prägen NRW“, weiß Matthias Mainz. Der Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammern in Nordrhein Westfalen (IHK NRW) sieht vor allem die chemische Industrie entlang des Rheins und im nördlichen Ruhrgebiet von den gestiegenen Beschaffungspreisen auf vielen Rohstoffmärkten stark betroffen.

Hinzu komme, so Mainz, dass Energieriesen wie Eon und RWE ihren Sitz in NRW hätten. Damit treffe auch die Energiewende Nordrhein-Westfalen stärker als andere Regionen.

Innerhalb des Bundeslands verläuft die Wirtschaftsentwicklung aber gravierend unterschiedlich. Während beispielsweise die Arbeitslosenquote im Kreis Coesfeld lediglich bei 3,6 Prozent liegt, erreichte sie in Gelsenkirchen im April dieses Jahres einen Wert von 14,9 Prozent. Die Unterscheide scheinen sich zu verfestigen.

Das Ruhrgebiet mit seinen Traditions­industrien wurde längst vom Münsterland mit seiner modernen, mittelständischen Industrie abgehängt. So ist im Bezirk der IHK Nord Westfalen (Münster) der Kreis Steinfurt mit einem Industrieumsatz von insgesamt 8,5 Milliarden Euro (2015) der Industriestandort Nummer eins. Der Kreis Recklinghausen folgt mit 7,7 Milliarden Euro lediglich auf Rang drei.

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Auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hat das Ruhrgebiet als großen strukturellen Verlierer des vergangenen Jahres ausgemacht. Im IW-Ranking aller Kreise und kreisfreien Städte lagen auf den letzten zehn von insgesamt 402 Plätzen fünf Ruhrgebietsstädte: Hamm, Oberhausen, Herne, Gelsenkirchen und als absolutes Schlusslicht: Duisburg.

Zuvor hatte die Helaba in ihrer NRW-Studie für 2014 gezeigt, dass die Industrie im Regierungsbezirk Münster im Münsterland wächst, im Ruhrgebietsteil, also der Emscher-Lippe-Region, aber spürbar um 3,3 Prozent geschrumpft ist.

Doch nicht nur das Münsterland gehört zu den erfolgreichen Regionen in Nordrhein-Westfalen. „Es gibt durchaus auch starke Indus­triekerne entlang des Rheins, im Sauerland und im Siegerland“, betonte Mainz gegenüber unserer Zeitung. Die immensen regionalen Unterschiede dokumentierte Mainz mit dem unterschiedlichen Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, das beispielsweise in der Stadt Düsseldorf zuletzt bei 215 Prozent des Bundesdurchschnitts lag und in Bottrop lediglich bei 65 Prozent.

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