Mi., 11.05.2016

Der Trick mit dem Klick: Frühstart auf dem Erdbeerfeld Fliegende Erntehelfer aus dem Netz

Volles Programm: Azubi Benedikt Ruxel mit fleißigen Bienen bei der Erdbeerernte. Drinnen sind sie schon rot, draußen stehen sie erst in Blüte.

Volles Programm: Azubi Benedikt Ruxel mit fleißigen Bienen bei der Erdbeerernte. Drinnen sind sie schon rot, draußen stehen sie erst in Blüte. Foto: Ulrich Gösmann

Ahlen - 

Dass Erdbeeren auf dem Hof Schulze Rötering schon jetzt reifen, ist dem sprichwörtlichen Bienenfleiß zu verdanken. Landwirt Martin Schulze Rötering hat über das Internet Hummeln in seine Folientunnel geordert. Mit sichtbarem Erfolg.

Von Ulrich Gösmann

Kein Simsalabim: Der Trick mit dem Mausklick hat Kraft der Natur wieder funktioniert, um feurige Farbe an frühe Früchte zu bekommen. Ohne Erdbeere wäre das Hoffest Pfingsten auf Hof Schulze Rötering ein blasses. Doch der Hauptakteur leuchtet jetzt zu Tausenden in den Tunnelanlagen, weil fleißige Hummelvölker daran gearbeitet haben. Über das Internet bestellt, helfen sie der Natur auf die Sprünge – und das jetzt schon im zwölften Jahr. Der Gewinn: ein Monat Gaumenfreude extra!

Rote Farbtupfer im Tunnel, weiße Blüten draußen auf dem Feld: Der Unterschied könnte an diesem vorsommerlichen Dienstag kaum deutlicher sein. Früchte aus dem Freien? „Noch nicht eine“, sagt Martin Schulze Rötering – und sieht sich wieder einmal bestätigt. Dafür laufe es drinnen um so besser, nachdem Sonne und Wärme in den vergangenen Tagen den besonders betreuten Pflanzen des Direktvermarkters alles gaben, was ihnen noch fehlte. Energie.

Früher Spargel, frühe Erdbeeren: Weil es dem Konsumenten nicht mehr früh genug sein kann, um in den Genussgang zu kommen, helfen die Schulze Röterings nach. Einstige Versuchsfelder sind zu festen Konstanten im Jahresgeschäft geworden. Vor zwölf Jahren testweise geordert, haben sich die Hummelvölker, die der Landwirt im März über das Internet aus Stuttgart mit einem einfachen Mausklick zu sich an den Prozessionsweg orderte, als verlässliche Erntehelfer etabliert. Das Prinzip – ein einfaches: „Wir täuschen frühe Vegetation vor.“ Auf zwei Hektar Anbaufläche stehen neun Folientunnel, in jedem ein weißer Pappkarton, der es in sich hat. Ein Volk mit zunächst nur 50 Hummeln und einer Königin, dessen Bestand sich binnen kürzester Zeit aber dank unzähliger Eier verzehnfacht. Schulze Rötering: „Sie vermehren sich rasant.“

Treibt die behütete Folienluft erste Blüten, sind die Flieger auf Position und beginnen mit dem Bestäuben. Vier Wochen nach dem Blütenkontakt ist die Frucht da. Das Wachsen unter Folie – einerseits eine aufwendige Sache, wie der Geschäftsmann betont. Frei von Tau und Wind stehe am Ende aber hohe Qualität. Und Früchte, so wie sie der Kunde haben wolle. Hellrot und kraftvoll, frei von feinen Rissen und Anschlagstellen.

Ist die Arbeit unter Folie getan, zieht es die fliegenden Erntehelfer raus in die nähere Umgebung – zu Blüten auf Feldern, an Hecken oder Bäumen. Ihrer neuen Heimat bleiben die Saisonkräfte aus Stuttgart aber auch über den Sommer treu, suchen sich an Bäumen oder im Boden ihr Quartier, ehe die, die die Winterpause überleben, pünktlich zum nächsten Frühjahr frei durch die Ahlener Feldflur schwirren. Die Arbeit in den Tunnelanlagen übernehmen dann andere – nach einem Klick für den Erntetrick.  

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