Do., 12.05.2016

Sendener Mordprozess Angeklagte könnte dauerhaft in geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden

Sendener Mordprozess : Angeklagte könnte dauerhaft in geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden

Die Angeklagte im Sendener Mordprozess könnte einer Gefängnisstrafe entgehen: Foto: Jürgen Peperhowe (Archiv)

Senden/Münster - 

Die wegen Mordes an einer 17-jährigen Sendenerin Angeklagte wird eventuell dauerhaft in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen. Aus Sicht der Gutachter liegt bei der 18-Jährigen eine „schwere seelische Abartigkeit“ vor.

Von Klaus Möllers

Im Fall der getöteten 17 Jahre alten Schülerin aus Senden ( wir berichteten) könnte die mutmaßliche Täterin im Fall ihrer Verurteilung dauerhaft in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht werden. Darauf hat die zuständige Strafkammer des Landgerichts hingewiesen.

Bei der Fortsetzung der Verhandlung am Donnerstag hatten eine Psychologin und ein Psychiater als Gutachter die wegen Mordes angeklagte 18-Jährige als persönlichkeitsgestört eingestuft. Die junge Frau, die ihre ein Jahr jüngere Ex-Freundin mit zig Messerstichen, Tritten und Würgen in Senden umgebracht hat, habe bei Untersuchungen „ein hohes Maß an Egozentrismus“ und einen „Mangel an Empathie“ gezeigt, berichtete die Psychologin. Eine „schwere seelische Abartigkeit“, die gesetzliche Voraussetzung für eine verminderte Schuldfähigkeit und für eine Unterbringung in der Psychiatrie ist, sei erreicht.

Fotostrecke: 17-Jährige in Senden getötet - 18-Jährige legt Geständnis ab

Als die Angeklagte von ihrer Tat erzählte, sei „an keiner Stelle eine emotionale Regung“ erkennbar gewesen. „Sie hat keine Reue und kein Bedauern geäußert“, erklärte die Psychologin. Vielmehr habe die 18-Jährige dem Opfer sogar die Schuld am eigenen Tod zugeschrieben und sei „erleichtert“ gewesen.

Während der Ausführungen waren die Mutter und die Schwester des Opfers im Saal zugegen, ebenso – eine Stuhlreihe entfernt – die Mutter der Angeklagten. Die Psychologin griff Schilderungen der Schwester der Angeklagten auf, die als Zeugin von Gewalt und emotionaler Verwahrlosung durch die gemeinsamen Eltern gesprochen hatte. „Die Angeklagte hat keine verlässliche Bindung zu den wichtigsten Bezugspersonen – den Eltern – erfahren“, so die Gutachterin. Als die Beziehung und dann die Freundschaft zur Ex-Freundin endeten, habe sie „Mordfantasien“ entwickelt. Der Psychiater schätzte die Gefahr einer Wiederholungstat in einer anderen Beziehung als gegeben ein.

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