Sa., 14.05.2016

Kardinal wird emeritiert Verabschiedung von Karl Kardinal Lehmann

Er gilt als „Mann des Dialogs“: Karl Kardinal Lehmann  wird am Pfingstmontag 80 Jahre alt und damit als Bischof von Mainz emeritiert.

Er gilt als „Mann des Dialogs“: Karl Kardinal Lehmann  wird am Pfingstmontag 80 Jahre alt und damit als Bischof von Mainz emeritiert. Foto: dpa

Mainz/Münster - 

Sein letzter Tag im Bischofsamt steht bevor: Am Pfingstmontag, 16. Mai, wird Karl Kardinal Lehmann 80 Jahre alt. Das Bistum Mainz wird seinen verehrten Bischof feiern und zugleich verabschieden. Mit 80 Jahren ist auch für den erst spät, 2001, zum Kardinal erhobenen Professor für Dogmatik und ausgewiesenen Ökumeniker unwiderruflich Schluss. Papst Franziskus wird sein Rücktrittsgesuch annehmen.

Von Johannes Loy

33 Jahre hat Karl Lehmann als 87. Bonifatius-Nachfolger auf dem Bischofsstuhl von Mainz gedient, seine Meinung gesagt, stets abgewogen, mit dem Für und Wider eines auch unter Karl Rahner ausgebildeten Theologen. Die Assistentenzeit führte Lehmann kurzzeitig nach Münster.

Es war kein Zufall, dass ihn seine Mitbrüder 1987 als Nachfolger von Joseph Kardinal Höffner zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz wählten. Lehmann galt mit Blick auf viele seiner Kollegen als theologisch-intellektuell turmhoch überlegener Kopf. In gut zwei Jahrzehnten an der deutschen Kirchenspitze erwarb sich der gebürtige Sigmaringer den Ruf, in dem er bis heute steht: ein „Glücksfall für die deutschen Katholiken“ zu sein, ein „Brückenbauer“, ein „Mann des Dialogs“, ein „Mann von unerbittlicher Friedfertigkeit“.

Als solcher führte Lehmann nach dem Fall der Mauer die Katholiken aus Ost- und Westdeutschland zusammen und trat unermüdlich für den Schutz des Lebens ein. Manchen ultrakonservativ orientierten Kirchenkreisen galt er nicht als romtreu genug. Das Wort von der „Lehmann-Kirche“ machte die Runde, böse Zungen sprachen gar von einer „dialogbesoffenen“ Kirche. Um Dialog bemüht war Lehmann in der Tat, aber nicht aus Schwäche, sondern aus der Stärke intellektueller Redlichkeit heraus. Denn der Glaube ist, wie einmal ein kluger Mann im Vatikan sagte, „nicht simpel“, sondern anspruchsvoll und lebt vom Gespräch vieler, die Wahrheit suchen. Was Bischöfe wie Johannes Dyba und Joachim Meisner zuweilen verbal-medial zertrümmerten, das musste Karl Lehmann mühsam kitten.

Den 2001 erfolgten kirchlichen Ausstieg aus dem staatlichen System der Schwangerschaftskonfliktberatung konnte der Mainzer Bischof trotz taktischer Finessen, für die er kritisiert wurde, nicht verhindern. Was ihn und andere Bischöfe antrieb, war der Versuch, in Beratung und Lebensschutz „wirksam“ zu bleiben und nicht den Eindruck zu erwecken, die Kirche ziehe sich aus schwierigem Terrain zurück. Ob es eine derart schroffe Frontstellung zwischen den Befürwortern einer durch Schein nachgewiesenen Beratung und den Gegnern einer „Tötungslizenz“ heute unter Franziskus noch gäbe?

Lehmann wird nun mehr Muße finden, nachzudenken, Bücher zu schreiben und wissenschaftliche Vorträge zu halten. Sein Wort wird Gewicht behalten.

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