Di., 17.05.2016

Udo Lindenberg wird 70 Zum Geburtstag gibt es „Udopium“ für alle

Prost! Udo Lindenberg mit einem Gläschen des von ihm so geliebten Eierlikörs.

Prost! Udo Lindenberg mit einem Gläschen des von ihm so geliebten Eierlikörs. Foto: dpa

Gronau/Hamburg - 

Kein Larifari und kein lauer Spruch, um es auf „Lindenbergisch“ zu formulieren, sondern klare Ansage an die Konkurrenz: Rockmusiker Udo Lindenberg ist mit 70 wieder voll am Start. „Geilomatik!“

Von dpa-Korrespondentin Dorit Koch

„Udopium – geiles Wortspiel, ne?“, sagt Udo Lindenberg und grinst. „Deutschland nimmt wohl eine neue Droge“, erklärt er sich das, was um ihn herum gerade passiert. Unter dem Einfluss jenes Udopiums könnten Partys lange dauern – gefühlt hat der Musiker seit Wochen Geburtstag.

Seit er sein Werk „Stärker als die Zeit“ vorgelegt hat, wird er nicht nur von Fans gefeiert. Mit Volldampf rast er seit Ende April durch die Medienkanäle, in den Charts platziert er sein drittes Nummer-Eins-Album, und er selbst glaubt, eine Rakete gefrühstückt zu haben, weil alles so „geilomatik“ nach oben „zischt“.

Während die einen ihn zu Deutschlands einzigem wahren Rockstar ernennen, befassen sich andere mit dem Phänomen des Panikrockers. Warum ihn plötzlich (fast) alle lieben? „Weil ich geile Sachen mache“, sagt er. Heute wird Udo Gerhard Lindenberg nun tatsächlich 70 Jahre alt.

Fotostrecke: Udo Lindenberg - eine Karriere in Bildern

Was sich an jenem 17. Mai 1946 in Gronau ereignete, besang er einst so: „Ich fiel direkt vom Himmel auf ein D-D-Doppelkornfeld.“ Auch was danach geschah, verraten seine Lieder. Über seinen frühen Wunsch etwa, Enge und Tristesse zu entfliehen: „Eine Sache war für mich schon damals völlig klar: Wenn ich später groß bin, fahr’ ich nach Amerika. Bestimmt warten die da schon auf meines Vaters attraktiven Sohn. Und dann werd’ ich was Berühmtes und zu Hause hör’n sie alle davon.“

Für ihn war klar: „Und wenn wir jetzt auch noch nicht wissen, wohin, unser Leben muss ganz anders laufen als stupide abrackern und sich abends vor der Glotze besaufen.“ Er wollte sich nicht fragen müssen: „Wie komm’ ich raus aus diesem Wartesaal mit tiefgefrorenen Träumen im Kühlschrank?“

Am Anfang stand eine Art „Masterplan“, den der Sohn des Installateurs Gustav und der Hausfrau Hermine bis ins Detail ausgeheckt hatte – getrieben vom Wunsch, „reich und berühmt“ zu werden. Seit Ende der 60er-Jahre lebt er bevorzugt in Hamburg.

Eigentlich erfolgreicher Schlagzeuger, kam Lindenberg Anfang der 70er-Jahre in den Vordergrund. Nach dem Vorspiel – vom „Auftritt“ als Knirps in der Stammkneipe des Vaters über die Trommelei im Hühnerstall bis hin zu Engagements bei Jazz-Größen wie Klaus Doldinger – trat er als Sänger ins Scheinwerferlicht.

Panischer Schulausflug

Udo Lindenberg hat alle Schüler und Lehrkräfte seiner ehemaligen Schule zur Generalprobe seiner  Stadionshow eingeladen. Am 18. Mai – einen Tag nach Udos 70. Geburtstag – darf die Schulgemeinschaft der Fridjof-Nansen-Realschule in Gelsenkirchen ihn und sein Panikorchester live erleben.

„Keine Panik auf der Titanic, jetzt trinken wir erst mal einen Rum mit Tee“, sang er 1972 in „Hoch im Norden“, im Jahr darauf gelang ihm mit „Alles klar auf der Andrea Doria“ endgültig der Durchbruch.

Die Deutschen horchten auf: Das klang anders als alles, was bis dahin aus den Radios dröhnte. Das Album „Ball Pompös“ brachte Gold, Tourneen wie „Dröhnland“ unter der Regie von Peter Zadek wurden zu Meilensteinen. Und Udo Lindenberg hat Geschichte(n) geschrieben – in Songs und Statements: wenn er zu Zeiten der deutschen Teilung über das „Mädchen aus Ost-Berlin“ sang, dort im Palast der Republik auftrat, mit dem „Sonderzug nach Pankow“ musikalisch durch die Mauer preschte oder mit DDR-Staatschef Erich Honecker Lederjacke gegen Schalmei tauschte. Sein fast 35 Jahre altes Lied „Wozu sind Kriege da?“ – eine zeitlose Anti-Kriegs-Hymne. Und immer wieder Rock gegen Rechts für eine Bunte Republik Deutschland.

Irgendwann aber sah man „Uns Udo“ mehr auf dem Barhocker als auf der Bühne. Abgeschrieben an Alkoholexzesse, kein angemessenes Alterswerk in Sicht. Der Alkohol, dem schon sein Vater zugeneigt war – auch in seinem Leben und Werk sehr präsent, bis hin zu mit Schnapsfarben gemalten und patentierten „Likörellen“.

Fotostrecke: Denkmal für Udo Lindenberg

Andere hätte das aus der Bahn geworfen, Lindenberg aber hat die Kurve gekriegt. Mit dem Comeback vor acht Jahren gelang ihm das erste Nummer-Eins-Album seiner Karriere, nach „MTV Unplugged“ (2011) platziert er nun mit „Stärker als die Zeit“ sein drittes. Mit 70 Jahren ist er fitter denn je, rockte bei den ersten Proben für seine Tournee fast drei Stunden lang in seinen neongrünen Socken über die Bühne. Denkmäler wurden für ihn errichtet, darunter in Gronau, wo ihm die Ehrenbürgerschaft angetragen wurde – und er hat sie sich selbst gesetzt, nicht nur mit seinen Songs, auch mit einem eigenen Musical. Nach mehr als fünf Jahren in Berlin wird es bald in Hamburg zu sehen sein: „Hinterm Horizont“.

Doch erst einmal steht die Tour mit 14 Konzerten an. Was danach passiert? „Dann fährt der Abenteurer weiter Richtung neue Horizonte“, sagt er. „Aber erst einmal gibt es die letzte volle Ladung Udopium fürs Panik-Volk.“

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