Di., 17.05.2016

Wirtschaft kreativ: Albaad Deutschland Auf der Suche nach dem besonderen Vlies

Das besondere Vlies, aus dem Reinigungstücher aller Art hergestellt werden, zeigt Wolfgang Tenbusch, Geschäftsführer der Albaad Deutschland GmbH aus Ochtrup.

Das besondere Vlies, aus dem Reinigungstücher aller Art hergestellt werden, zeigt Wolfgang Tenbusch, Geschäftsführer der Albaad Deutschland GmbH aus Ochtrup. Foto: Wilfried Gerharz

Ochtrup - 

Wer auf dem Klo feuchtes Toilettenpapier benutzt, hat vermutlich ein Produkt aus dem Münsterland in der Hand. In Ochtrup werden pro Jahr 250 Millionen Feuchttücher-­Packungen aller Arten hergestellt.

Von Martin Ellerich

Da können sie in der Albaad-Entwicklungs­abteilung noch so lange grübeln – beim Kunden heißt es nach Gebrauch nur: ab­spülen und vergessen. Aber die Ochtruper sind gut im Geschäft rund um das „saubere Geschäft“. „Wenn Sie in einem deutschen Supermarkt, beim Discounter oder in einer ­Drogerie eine Packung feuchtes Toilettenpapier aus dem Regal nehmen, haben Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit eines unserer Produkte in der Hand“, sagt Wolfgang Tenbusch, Geschäftsführer (CEO) der Albaad Deutschland GmbH in Ochtrup. Die ist nach eigenen Angaben in Europa Marktführer für feuchtes Toilettenpapier und produziert noch jede Menge andere feuchte Einmal­tücher – vom Deotüchlein bis zum Abschmink-Utensil, vom Boden-Wischtuch bis zum Ceranfeld-Reinigungsläppchen oder Anti-Insekten-Pflegetuch fürs Pferd.

Rund 300 verschiedene Produkte, 250 Millionen ­Packungen im Jahr – doch kaum ein Verbraucher weiß, dass er ein Stückchen aus Ochtrup in den reinigenden Händen hält. Rund zwei Drittel produziert Albaad als Handelsmarken, ein Drittel als Kontrakthersteller großer Drogeriemarken.

Albaad Deutschland GmbH

Auf der Fußmatte bei Albaad steht nicht nur „Willkommen“ und „Welcome“. Da steht auch „Shalom“ – und das ist kein Zufall. Seit 2002 gehört die ehemalige FHW der israelischen Albaad-Gruppe. Die AG wiederum ist aus einem Kibbuz hervorgegangen. Und dort habe es anfangs „erbitterte Diskussionen“ darüber gegeben, ausgerechnet ein deutsches Unternehmen zu kaufen. „Mittlerweile weht dort auch die deutsche Flagge, wenn ich dort hinkomme“, sagt der CEO Wolfgang Tenbusch.Mit 470 Mitarbeitern produziert die Albaad Deutschland GmbH im Jahr 250 Millionen Packungen Feuchttücher vom feuchten Toilettenpapier bis zum Möbel-Tuch. Der Umsatz lag2014 bei 162 Millionen €, angepeilt ist es, die 200-Millionen-€ -Grenze zu knacken.

Feuchtes Toilettenpapier – was Anfang der 90er, als die Produktion als Feucht-Hy­giene-Werk GmbH (FHW) in Ochtrup gegründet wurde, noch kaum jemand kannte, liegt heute in vielen deutschen Badezimmern. Und landauf, landab klagen nun die Klärmeister. Sie sind wenig begeistert von dem, was ihnen an Tüchern angeschwemmt wird und ihre Pumpen und Rechen verstopft. Einen der verzwirbelten Klumpen, die Klärwerker aus ihren Pumpen gezogen haben, hat Tenbusch einmal auseinanderpflücken lassen. „Unter dicken Geruchs­masken“, erinnert er sich.

Das Ergebnis? Nur vier Finger und drei saubere ­Tücher braucht Tenbusch, um zu erklären, dass seine Toilettentücher – richtig verwendet – nicht das Problem seien. Das erste, dünne Tuch lässt sich federleicht zer­pflücken. „Das zerfällt nach 30 Minuten im Wasser“, erklärt Tenbusch. Stolz schwingt mit, wenn er über das „Hydrofine“-Toilettenpapier redet. „Die Vliesfasern sind so konstruiert, dass sie sich durch die Wasser­verwirbelungen in der Kanalisation auflösen.“ Das zweite Tuch reißt bei wenig mehr Kraftaufwand. „Das zerfällt nach zwei bis drei Tagen“. Aber das dritte Tuch: Es lässt sich mit den Fingern nicht zerreißen. Selbst zwischen zwei Fäusten wird es nur länger und länger – andere Verarbeitung, anderes Ma­terial. „Das gehört nicht in die Toilette, sondern in den Windeleimer“, sagt Tenbusch. Es ist kein feuchtes Toilettenpapier wie die ersten beiden, sondern ein ­Baby-Reinigungstuch.

Sein feuchtes Toilettenpapier selbst mache im Kanal kaum Probleme, sagt Tenbusch. Aber wenn es sich dort mit Babytüchern, Tampons, Papierwindeln, Tempos oder Tüchern von der Haushaltsrolle vermischt . . . Und er räumt ein: Selbst im eigenen Bekanntenkreis hat er schon die falschen Tücher auf dem stillen Örtchen gefunden.

Apropos „reißfest“. Im Grunde versuchen die Entwickler bei Albaad völlig gegenteilige Eigenschaften in ihren Toilettentüchern zu vereinen: Sie sollen nicht reißen, obwohl sie feucht sind. Weshalb der Nutzer Wert auf diese sogenannte „Durchstoßfestigkeit“ legt, liegt auf der Hand. Zugleich aber sollen sich die Papiere nach Gebrauch schnell auflösen. Schnell benutzt, schnell vergessen eben.

Google-Anzeigen
Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4010537?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947630%2F