Di., 17.05.2016

Suche nach Gas in Ascheberg „Fracking ist definitiv ausgeschlossen“

Vom 22 Meter hohe Bohrturm aus wird das Bohrgestänge rund 1000 Meter tief in das Erdreich getrieben.

Vom 22 Meter hohe Bohrturm aus wird das Bohrgestänge rund 1000 Meter tief in das Erdreich getrieben. Foto: sff

Ascheberg - 

In der Ascheberger Bauerschaft Nordick hat die Daldrup & Söhne AG im Auftrag der Hammgas mit der Erkundungsbohrung nach Kohleflözgas begonnen. Dazu wird die sogenannte Tektomechanik genutzt – ein Verfahren, das laut Unternehmen ohne Fracking auskommt. Proteste konnte das freilich nicht verhindern.

Von Siegmar Syffus

Grüne Wiesen, Felder und Wäldchen prägen Nordick. Mittendrin ein orange-roter Koloss: Schon von Weitem sichtbar ist der 22 Meter hohe Bohrturm, der die erste Erkundungsbohrung für die vorgesehene Förderung von Kohleflözgas in der Bauerschaft anzeigt. Im Auftrag der Hammgas treibt das Ascheberger Unternehmen „Daldrup & Söhne“ in den kommenden Wochen einen Bohrkopf rund 1000 Meter in die Tiefe. Denn Hammgas hofft, so Geschäftsführer Ralf Presse, für die kommenden 20 bis 30 Jahre auf eine sowohl wirtschaftliche als auch „umweltfreundliche Gewinnung von heimischem Kohleflözgas ohne Einsatz von Fracking“.

Dazu nutzt das Unternehmen die sogenannte Tektomechanik. Nach Aussage von Hammgas eine „deutschlandweit einmalige Analyse- und Aufsuchungsmethode“, die ohne den Einsatz schädlicher Chemikalien auskomme. „Das Gas ist im vernetzten, natürlichen Kluftsystem unter Tage vorhanden. Es will nach oben. Wir rechnen damit, dass es von selbst ausströmt. Fracking ist definitiv ausgeschlossen“, betont auch Andreas Toenies, Vorstand von „Daldrup & und Söhne“.

Erfahrung und neue Erkenntnisse

Die Tektomechanik kombiniere jahrzehntelange Erkenntnisse des Bergbaus und neue wissenschaftliche Untersuchungen und setze da an, wo lohnende Flözgasvorkommen mit größter Wahrscheinlichkeit anzutreffen seien. „Es wird eine Fördermethode gestartet, die auf lange Sicht eine Alternative zum Gasimport aus Russland sein könnte“, beurteilt Andreas Toenies das neue Verfahren. „Voraussichtlich schon in einem Monat können Aussagen über die Menge und die Qualität des vorhandenen Gasvorkommens getroffen werden.“

Aktionsbündnis protestiert gegen Bohrungen

Ganz anders beurteilt ein Aktionsbündnis aus mehreren Bürgerinitiativen das Vorhaben, das zum Startschuss der Erkundungsbohrung am Dienstagmittag mit fünf Vertretern vor Ort war. „Wir wollen hier keine Industrieregion, sondern ein kleinteilige Landwirtschaftsregion“, erklärte Jürgen Blümer. Aus Sicht des Sprechers des Klimabündnisses Hamm werden durch die Bohrungen und die spätere Förderung, „das Grundwasser gefährdet und das Erdbebenrisiko erhöht“. Ferner widerspreche die weitere Verwendung fossiler Brennstoffe den Zielen der Energiewende. Für den kommenden Sonntag (22. Mai) kündigte er eine Sternfahrt aus sechs Orten mit anschließender „Menschenkette“ am Untersuchungsgelände an.

Ein Erdbebenrisiko durch die Bohrungen schließt Andreas Toenies aus. Das Grundwasser werde an vier Messstellen ständig überwacht, betont Ralf Presse. „Die Werte werden zu Beginn der Bohrung und beim Abschluss dokumentiert.“ Erdreich sowie Grundwasser würden durch eine gas- und flüssigkeitsundurchlässige zementierte Verrohrung geschützt. Das Grundwasser sei „mehrfach abgesichert“. Über die Kosten der Aufsuchungsbohrung wollte der Hammgas-Geschäftsführer keine Angaben machen.

Weiterer Standort in Planung 

„Neben dem Start der ersten Aufsuchungsbohrung planen wir eine zweite im Hammer Süden. Dort werden wir voraussichtlich Anfang Juni die Bürger im Rahmen einer Informationsveranstaltung über das Vorhaben informieren“, kündigte Presse an. Das für die Bohrung vorgeschriebene Genehmigungsverfahren sei allerdings noch nicht eingeleitet worden.

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