Mi., 18.05.2016

Kaum Chancen für Gaffer Besonnene Autofahrer

Guido Roters, 

Guido Roters, 

Altenberge - 

Bei Unfällen auf der B 54 haben es Gaffer schwer. Oft wird die Straße dann komplett gesperrt. Falls es der Polizei aber doch mal zu „bunt“ wird, kann sie Platzverweise erteilen.

Von Martin Schildwächter

„Es kommt immer mal vor, dass Fotos gemacht werden“, sagt Guido Roters. Der Leiter der Altenberger Feuerwehr kann sich noch an einen schweren Unfall auf der B 54 erinnern, der sich vor eineinhalb Jahren ereignet hatte. Da die Straße komplett gesperrt wurde, hatten sich Gaffer auf eine nahe liegende Brücke gestellt und von dort aus Fotos gemacht. „Das geht natürlich gar nicht“, stellt Guido Roters klar. Aber: „Das ist nicht die Regel“, betont der Feuerwehrchef und freut sich zugleich über das in der Regel besonnene Verhalten von nicht direkt an Unfällen beteiligten Personen.

Dennoch kann Guido Roters die Initiative der niedersächsischen Landesregierung verstehen, die einen Gesetzesentwurf in den Bundesrat einbringen wird, damit Gaffer leichter bestraft werden können. Das Land Niedersachsen möchte unter anderem einen neuen § 115 StGB, um das Behindern von Feuerwehren oder Rettungsdiensten bei Unglücksfällen bestrafen zu können.

Zurück nach Altenberge. Wenn der Verkehr auf der B 54 nach einem Unfall zum Erliegen kommt, gebe es immer Pkw-Fahrer, die aussteigen und zur Unglücksstelle kommen. Die Standardfrage lautet nach Auskunft von Guido Roters: „Wie lange dauert es noch?“ Doch das sei meistens nur ein Vorwand, um näher an den Unfallort zu kommen.

Edgar Reifig kann sich über Gaffer nicht beklagen. „Das ist kein großes Problem“, so der Rotkreuzleiter und mitverantwortlich für die Sanitäter vor Ort. Aber: Bei medizinischen Notfällen werden die DRK-Kräfte immer wieder gefragt, „was denn los ist“, so Edgar Reifig. „Natürlich erfahren die Leute nichts von uns.“ Oft werde dem DRK auch Hilfe angeboten, zum Beispiel beim Absperren. Reifig: „Unsere Erfahrungen sind eher positiv.“

Rund 170 bis 200 Mal rücken die Sanitäter vor Ort pro Jahr aus, um bei notärztlichen Einsätzen Hilfe zu leisten, berichtet der Rotkreuzleiter. Insgesamt gehören 18 Altenberger dem Team der Sanitäter vor Ort an.

„Richtig große Probleme“ erkennt Polizeipressesprecher Reiner Schöttler beim Thema Gaffer nicht. Gleichwohl sei es durchaus präsent. Bei einem Großbrand in Rheine vor etwa drei Jahren seien die Rettungskräfte behindert worden. In solchen Fällen spreche die Polizei dann auch Platzverbote aus, erläutert Schöttler. Grundsätzlich appelliert er an alle Autofahrer, an Unfallstellen „konzen­triert weiterzufahren“, so dass Auffahrunfälle vermieden werden. Dass Fotos mit dem Handy gemacht werden, dafür hat der Polizeipressesprecher „kein Verständnis“. Bei schweren Unfällen auf der B 54 hätten es Gaffer ohnehin schwer. Meistens werde die Straße dann komplett gesperrt – kaum Chancen für Voyeure.

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