Do., 19.05.2016

„Der einsame Hof“ Drama aus Dülmen bei den Filmfestspielen in Cannes

Bauer Hans Her­ber­holz ist verzweifelt. In seinem Film „Der einsame Hof“ lässt Christian Zipfel den Landwirt in Abgründe blicken...

Bauer Hans Her­ber­holz ist verzweifelt. In seinem Film „Der einsame Hof“ lässt Christian Zipfel den Landwirt in Abgründe blicken... Foto: Team

Dülmen/Köln/Cannes - 

Von Köln nach Cannes: Christian Zipfel hat es geschafft. Der Absolvent der Internationalen Filmschule hat seine Abschlussarbeit „Der einsame Hof“ jetzt beim Filmfestival in Cannes gezeigt. „Nicht im Wettbewerb“, sagt der 24-Jährige am Telefon, sondern in einem sogenannten „Short Film Corner“. Das ist so etwas wie die zweite Reihe. Ein Markt, auf dem Dutzende Filme präsentiert werden, für die noch kein roter Teppich ausgerollt wird. Immerhin: „Als Werbeplattform hat das funktioniert“, sagt Zipfel. Ein Wettbewerb-Veranstalter aus Spanien ist auf den jungen Mann aufmerksam geworden. Und möchte dessen Streifen demnächst präsentieren.

Von Elmar Ries

Zufall oder Fügung: Der Bauern-Film des Jung-Regisseurs wurde auf eben jenem Hof in der Bauerschaft Rödder bei Dülmen gedreht, den auch der niederländische Filmemacher Ludi Boeken 2008 für die Verfilmung der Marga-Spie­gel-Erinnerungen „Un­ter Bau­ern“ mit Veronica Ferres und Armin Rohde ausgewählt hatte. „Es gibt kaum noch authentische alte Bauernhöfe“, sagt Zipfel. Der Filmservice Münsterland war dem Wahl-Kölner zuvor bei der Suche behilflich gewesen.

Knapp 30 Minuten dauert der Streifen. Und die haben es in sich. Bauer Hans Her­ber­holz kehrt 1873 nach ei­ner Krankheit auf seinen Hof zurück, der in der Zwischenzeit geplündert wurde. Seine Frau ist tot, das Vieh verschwunden. Am Ende stellt sich heraus: Der fiese Nachbar ist für die Missetaten verantwortlich. Dennoch muss der Hofbesitzer seine Tochter, die vom Knecht schwanger ist, mit dem Übeltäter verheiraten, um zu überleben. Ein echtes Drama in Dülmen.

Fotostrecke: Der Film "Der einsame Hof"

Wobei solche Bedingungen nicht unwirklich waren, sagt Zipfel. Das habe er online nachgelesen, in den Archiv-Beständen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Was heute dramatisch klinge, sei damals schon alltäglich gewesen. Wenn­ gleich die kurzatmige Häufung der Heimsuchungen vermutlich der Tatsache zuzuschreiben ist, dass sie alle in einem Kurzfilm Platz finden müs sen. Gleichwohl: „Ich wollte zeigen, dass Schicksalsschläge damals nicht als unlösbare Probleme gesehen wurden“, sagt der in Hattingen geborene Filmschul-Absolvent.

„Der einsame Hof“ muss überzeugt haben. Sowohl die Film- und Medienstiftung NRW, die die Produktion der Internationalen Filmschule finanziell gefördert hat, als auch die Verantwortlichen in Cannes. Beim Filmfestival hatte Zipfel ihn eingereicht. Tausende bewürben sich dort, eher wenige würden angenommen. Der 24-Jährige hatte Glück. Wobei der „Short Film Corner“ auch in Cannes eher nüchtern und definitiv frei von Glamour sei. „Das ist mehr eine Industrieveran staltung“ ohne Kino-Aha und Promi-Wow.

Aber eben eine nützliche Erfahrung. So wie die Teilnahme an den Kurzfilmtagen in Oberhausen. Dort hatte Zipfel seinen Film kurz zuvor präsentiert. Prämiert wurde er dort nicht, „dafür ist er super angekommen“.

Und nun? Der Filmemacher hofft auf weitere Wettbewerbe. Nicht als Selbstzweck, sondern eher, weil‘s wichtig ist fürs Renommee. Im Herbst will er weiter studieren und seinen Master machen. Wo, ist noch offen. Vielleicht in Prag, sagt er. Jedenfalls hat er von der dortigen Film-Schule schon mal eine Zusage.

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