Do., 19.05.2016

Dagmar Jochheim aus Lüdinghausen 57 Kilo abgenommen – und jetzt der erste Marathon

Dagmar Jochheim mit einer Hose aus dem Jahr 2012, als sie 125 Kilogramm wog.

Dagmar Jochheim mit einer Hose aus dem Jahr 2012, als sie 125 Kilogramm wog. Foto: mib

Lüdinghausen - 

Ende 2012 brachte Dagmar Jochheim 125 Kilogramm auf die Waage. Sie nahm ihr Schicksal in die Hand. Heute wiegt die Athletin vom Lauftreff Lüdinghausen 68 Kilo – und absolviert ihren ersten Marathon. Eine beeindruckende Geschichte.

Von Michael Beer

Wie schafft man es, sein Gewicht von 125 auf 68 Kilo – das sind stolze 57 Kilo – innerhalb von gut drei Jahren zu reduzieren? Und dann noch den Mut zu fassen, sich für einen Marathonlauf über 42,195 Kilometer anzumelden? Das ist nur mit ganz viel Willenskraft, Disziplin, einer richtigen Ernährung und noch mehr Trainingsfleiß möglich, wie Dagmar Jochheim vom Lauftreff Lüdinghausen zu erzählen weiß.

20 Jahre hat die 37-Jährige ein hohes Gewicht mit sich herumgetragen, da sie Pro­bleme mit Essen kompensierte. Jetzt erlebt sie plötzlich ein ganz neues Lebensgefühl.

Neues Essverhalten

„Als ich Ende 2012 125 Kilo auf die Waage brachte, nach einem Treppengang in die nächste Etage außer Atem geriet und mir meine Schuhe kaum noch zubinden konnte, hat es ,Klick’ bei mir gemacht. Es musste sich etwas ändern“, sagt Jochheim. „Die Krankenkasse hat mich bei einer Ernährungsberatung unterstützt. Ich musste ein ,normales Essverhalten’ erst lernen. Das hat geholfen, doch ohne Sport ist eine so große Gewichtsabnahme nicht möglich.“ So startete sie im Fitnessstudio des Lüdinghauser Hallenbades ihr Vorhaben, zunächst mit Schwimmen und dem Cross-Trainer.

„Laufen durfte ich erst, als ich unter 100 Kilo wog, wegen der zu hohen Belastung der Gelenke. Die Knieprobleme, eine beidseitige Hüftdysplasie und geschädigte Bandscheiben in der Lendenwirbelsäule habe ich dank der Gewichtsabnahme und der Hilfe eines guten Physiotherapeuten in den Griff bekommen“, erzählt Jochheim. „Als ich dann im zweistelligen Gewichtsbereich war, begann ich mit 4:30 Minuten Walken und 30 Sekunden Joggen. Schnell bemerkte ich, wie sich die Kondition verbesserte.“

Laufziel angepeilt

Dagmar Jochheim hat sich 2013 von drei Kilometer im März bis auf zehn Kilometer gegen Ende des Jahres gesteigert und dieses Niveau konstant ein Jahr durchgehalten. Das gab ihr im Fe­bruar 2015 den Mut, ihren Cousinen (beide sind Marathonläuferinnen) zu erzählen, dass sie gerne einmal einen Halbmarathon laufen möchte. Mit 82 Kilo nahm sie im Mai 2015 am Vivawest-Halbmarathon in Gelsenkirchen teil, für den sie 2:26:29 Stunden benötigte. „Da ich bis dahin immer allein trainiert hatte, kam ich dann mit dem Lauftreff Lüdinghausen in Kontakt. Ich wurde gleich sehr freundlich aufgenommen, auch wenn ich längst nicht so schnell wie die anderen war. Es war aber immer jemand da, der mit mir gelaufen ist“, lobt Jochheim.

„Die Schnelligkeit und der Ehrgeiz der anderen Läufer, immer schneller zu werden, haben mich beeindruckt. So habe ich meine Zeit um über eine halbe Stunde innerhalb von neun Monaten auf 1:52:45 Minuten verbessert – was auch an den vielen Tipps lag, die mir die Läufer gaben, um mein Training effizienter zu gestalten. Auch die Kontakte sind schön, mit denen man sich beim Lauftreff über das Hobby austauschen kann.“ Zuletzt hat sie sich mit einem wöchentlichen Trainingsumfang von 70 bis 100 Kilometern auf ihren ersten Lauf über gut 42 Kilometer am kommenden Sonntag (22. Mai) beim Vivawest-Marathon vorbereitet.

Rückschläge sind eingeplant

„Ich habe etliche Diäten hinter mir und kann – vor allem bei hohem Übergewicht – nur dazu raten, sich bei einer Ernährungsberatung Hilfe zu holen. Übergewicht hat meistens Gründe, die alleine nicht in den Griff zu bekommen sind. Hier lernt man, sich ausgewogen zu ernähren“, rät Jochheim. „Das Ganze soll ja nicht für eine gewisse Zeit, sondern ein ganzes Leben halten. Wenn ich früher Probleme hatte, halfen eine Tafel Schokolade oder eine Tüte Chips. Jetzt schnüre ich meine Laufschuhe und laufe mir den Kopf in der Natur frei. Auch mit Rückschlägen werde ich leben müssen.“

Dagmar Jochheim sagt schmunzelnd: „Und nach einem Lauf schaue ich mir die Abnehmsoap ,The biggest Loser“ am Fernseher an und esse Chips.“

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