Do., 19.05.2016

17-jährige Sendenerin getötet Kein Mord: Staatsanwaltschaft fordert siebeneinhalb Jahre

Prozess Senden. Foto: Peperhowe

Siebeneinhalb Jahre soll die Angeklagte (r.) ins Gefängnis, weil sie ihre Exfreundin getötet hat. Foto: Jürgen Peperhowe

Senden/Münster - 

Die Staatsanwaltschaft hat siebeneinhalb Jahre Haft und die anschließende Unterbringung in eine Psychiatrie für die 18-jährige Angeklagte gefordert, die im Oktober 2015 ihre 17-jährige Freundin in Senden getötet hat.

Von Hanno Ewald

Für die Angeklagte, die ihre 17-jährige Freundin im Oktober 2015 in Senden getötet hat, hat die Staatsanwaltschaft eine siebeneinhalbjährige Freiheitsstrafe und die Einweisung in die Psychiatrie gefordert. „Es ist ein zutiefst erschütterndes Verbrechen, was in der Geschichte des Strafverfahrens in Münster so ohne Beispiel ist“, resümierte Staatsanwalt Ralf Hinkelmann am Donnerstag in seinem Schlussvortrag. Er plädierte auf eine Verurteilung wegen Totschlags. Die Voraussetzungen für eine Verurteilung wegen Mordes reichen nach Ansicht der Staatsanwaltschaft nicht aus. Die Angeklagte hatte im Prozess zum Teil ein glaubhaftes Geständnis abgelegt.

Schonungslos, aber sachlich, schilderte der Staatsanwalt das Drama, das mit der Ankündigung der Getöteten, ihre Beziehung zu der Angeklagten zu beenden, seinen Anfang nahm. Die 17-Jährige hatte davon geschwärmt, einen Mann zu finden und Kinder zu haben. Für die Angeklagt war dies ein Schock, der sie zutiefst aufwühlte. Denn Zuneigung hatte die 18-Jährige, die zuvor in Dortmund wohnte, von ihren Eltern nie erfahren. Ihr Heranreifen war durch Perspektivlosigkeit gekennzeichnet. Schon als Zehnjährige hatte sie aus eigenem Antrieb die Familie verlassen.

Am Morgen des 17. Oktober 2015 kam es in Senden zu der tödlichen Tortour. Die Angeklagte traktiert das Opfer mit massivster Gewalt. Die Gerichtsmediziner stellten zahlreiche Stichverletzungen, darunter 17 beziehungsweise 14 in Umgebung der Augen, weitere stumpfe Gewalteinwirkungen am Hinterkopf, eine hochgradige stumpfe Gewalteinwirkung gegen den Oberbauch und weitere Verletzungen fest. „Als letzter Todesakt hat das Würgen eingesetzt“, so der Staatsanwalt. Weil die Angeklagte den Anblick der Getöteten nicht mehr ertragen könnte, bedeckt sie ihr Gesicht mit einem Shirt. Dann benachrichtigt sie über Telefon zuständige Stellen: Sie habe jemanden gefunden, der nicht mehr lebt. Wie es der Angeklagten gelungen ist, das Opfer in einen Kellerabgang zu bringen, blieb ungeklärt.

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Das Landgericht will das Urteil am Mittwoch (25. Mai) verkünden.

„Es gibt nichts Schlimmeres, als ein Kind durch solch eine Tat zu verlieren“, sagte die Nebenklagevertreterin. Auf Wunsch der Mutter der Getöteten verzichtete sie auf weitere Ausführungen in ihrem Plädoyer.

Ihre Mandantin habe das Unfassbare gestanden und viel Leid zugefügt, sagte die Verteidigerin. Auch sie schloss sich – wie die Nebenklagevertreterin – den Forderungen des Staatsanwalts an.

Fotostrecke: 17-Jährige in Senden getötet - 18-Jährige legt Geständnis ab

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