Do., 19.05.2016

Bohrstelle Herbern 58 in Nordick Wolfgang Clement greift zum Schalthebel

Auf dem Kommandostand der Bohrstelle griff Wolfgang Clement selbst zum Schalthebel.

Auf dem Kommandostand der Bohrstelle griff Wolfgang Clement selbst zum Schalthebel. Foto: hbm

Ascheberg - 

Der frühere Ministerpräsident Wolfgang Clement hat auf der Bohrstelle Herbern 58 selbst zum Schalthebel gegriffen. Als Daldrup-Aufsichtsrat warb er beim tatsächlichen Start für das Projekt.

Von Theo Heitbaum

Dem offiziellen folgte am Donnerstag der tatsächliche Start. Die Bohranlage auf dem Feld „Herbern 58“ in Nordick durchbrach den Boden. Am Hebel: Wolfgang Clement, früherer Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen und Aufsichtsrat bei Daldrup und Söhne. „Wenn wir schon bei Proben aufgeben, dann gibt die Industrie sich selber auf“, warb er für das Projekt in Nordick.

Starke Industrienationen, so Clement, zeichneten sich dadurch aus, dass sie immer einen Sockel der benötigten Energie selbst gewännen. Das Gas strebe ohnehin nach oben, es gewinnen zu wollen, sei eine Selbstverständlichkeit. Durch das unkontrollierte Austreten trage es stärker als Kohlenstoffdioxid zur Erderwärmung bei. Deshalb: „Wir müssen alle Möglichkeiten nutzen, die Deutschland bietet. Das hier ist eine davon.“ Er begrüße, dass mit dem Bohrprojekt in Nordick geprüft werde, welche Beschaffenheit das Gas habe, in welcher Menge es im Boden liege und ob es wirtschaftlich zu fördern sei. Noch gehe es ja nicht darum, Gas zu gewinnen, sondern nur um das Prüfen, ob sich das Gewinnen lohne. „Ich sehe auch keinen Grund, damit zu warten“, erklärte Clement zu Protesten, dass mit dem Fördern von Gas die Energiewende unterlaufen werde.

Zu den heftigen Protesten stellte der frühere Ministerpräsident fest: „Es braucht die Bereitschaft sich überzeugen zu lassen, denn alle Vernunft spricht dafür, das Projekt zu starten.“ Sorgen, Ängste und Protest fußten oft auf Unwissenheit. Was in Nordick passiere, sei ein kleiner Nadelstich für die Erde, um zu prüfen, ob man Gas fördern könne. Die Arbeiten selbst seien Schritt für Schritt zu verfolgen, der Bohr-Prozess sei zigmal fachmännisch und problemlos an anderer Stelle erfolgt. Die gesetzlichen Regeln in Deutschland setzten zudem enge Grenzen. „Wir regulieren alles bis zum Anschlag, mehr darf nicht kommen“, stellte Clement in Richtung Düsseldorf fest. Denn NRW sei auf die Industrie angewiesen. Auf den letzten Platz in Sachen Wirtschaftswachstum zurückgefallen, müsse es sehen, wieder nach vorne zu kommen. Bei den erneuerbaren Energien empfahl er die Geothermie. Sie sei 24 Stunden am Tag nutzbar, aber man benötige ewig, um das zu begreifen. Die Industrie benötige mehr Spielräume, gerade auch in Richtung Innovation: „Wir dürfen nicht unsere Neugier verlieren“, mahnte Clement.

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In Nordick führe sie dazu, dass man wissen wolle, ob das Flözgas sich wirtschaftlich fördern lasse: „Wir werden beim Erkunden alle Gesetze beachten, auch jene Gesetze, die aus unserer Sicht falsch sind“, stellte der Daldrup-Aufsichtsrat fest.

Der Bohrprozess wird vier Wochen dauern, weitere zwei Monate müsse ausgewertet werden, erklärte Daldrup-Vorstand Andreas Tönies zu Zeitplan. Rolf Presse von Auftraggeber HammGas arbeitet aktuell am Betriebsplan für eine zweite Probe in Hamm. Angestrebt wird, dass in etwa einem Jahr eine Aussage getroffen werden kann, ob es Sinn macht, Flözgas zu fördern.

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