Fr., 20.05.2016

FH-Studie Damit das Dorf lebenswert bleibt

Hembergen bei Emsdetten ist ein Dorf, wie es im Buche steht. 600 Menschen leben dort.

Hembergen bei Emsdetten ist ein Dorf, wie es im Buche steht. 600 Menschen leben dort. Foto: Wilfried Gerharz

Münster - 

Sorgenkind ländlicher Raum? Dem Landlust-Ideal zum Trotz ist das wohl so. In einem Gemeinschaftsprojekt sucht unter anderem die Fachhochschule Münster jetzt nach Lösungen, wie eine Landflucht vermieden werden kann. Was in Deutschlands Osten oft schon Alltag ist, soll im Münsterland nie Wirklichkeit werden.

Von Elmar Ries

Das Leben auf dem Lande wird weit mehr geliebt als gelebt. Immer mehr Menschen zieht es in die Städte, Dörfer bleiben auf der Stre cke. Landflucht, Überal­te­rung, Wegbrechen der In­fra­struktur: Was in Deutschlands Osten oft schon Alltag ist, soll im Münsterland nie Wirklichkeit werden.

Wie aber kann man einer solchen Entwicklung Einhalt gebieten? Noch steht am Ende dieses Satzes nur ein Fragezeichen. Praktische Antworten suchen jetzt Wissenschaftler der Fachhochschule Münster, der Hochschulen Arnheim und Nimwegen, der Hochschule Rhein Waal zusammen mit der Handwerkskammer Münster und der Kreishandwerkerschaft Borken. Sie nehmen 40 Dörfer unter die Lupe. „Krake“ heißt das Projekt, eine Abkürzung für „Krachtige Kernen/Starke Dörfer“. 3,7 Million Euro stellt die Europäische Union auf drei Jahre gestreckt dafür zur Verfügung.

Nun ist Dorf nicht gleich Dorf. „Darum können wir am Ende auch keine Blaupause vorlegen“, sagt Rolf Laakmann, der als Trans­ferbe­ra­ter das Pro­jekt aufseiten der Fachhochschule begleitet. Es gebe „jedoch ei­ne Schnittmenge an gemeinsamen Herausforderungen“. So sei es rund um Münster weniger problematisch, junge Leute für ein Leben jenseits der Stadt zu begeistern, als im Grenzraum zu den Niederlanden. Ein generelles Problem des ländlichen Raumes sei es aber, „die Infrastruktur vor Ort zu halten“, den Arzt, den Handwerker, den Pflegedienst.

40 typische Dörfer haben sich die Wissenschaftler ausgesucht. Der Schwerpunkt auf deutsche Seite liegt auf dem nördlichen Teil des Kreises Kleve und dem Kreis Borken.

Dörfer als Labor: Dort Prozesse in Gang zu setzen, Veränderungen herbeizuführen, das geht natürlich nur, wenn die Bevölkerung wo möglich sensibilisiert, wo nötig qualifiziert, kurzum: mitgenommen wird. „Letztlich“, sagt Laakmann, gehe es darum, „vor Ort genügend Einwohner zu finden, die bereit sind, sich zu engagieren“. Und Strukturen zu schaffen, die auch dann noch tragen, wenn die externen Experten nicht mehr vor Ort sind.

Sechs Themenbereiche haben sich die Wissenschaftler als Experimentierfelder ausgesucht, die sogenannten „Communities“. Dabei handelt es sich um die Schwerpunkte: Gesundheit/Live­style, Familie, Wohnen, Service, Pflege und, eine Meta- Community, die griffige Antworten auf die zentrale Frage sucht, was ein Dorf eigentlich ausmacht.

Der Bezugspunkt ist immer die Lebenswirklichkeit. Meint beispielsweise: Lassen sich bürgergetragene Pflege konzepte verwirklichen? Wie können leer stehende Gebäude konkret genutzt werden? Wie müssen kinderfreundliche Angebote aussehen, die junge Familien attraktiv finden – und annehmen?

Wichtig ist den Krake-Experten, bestehende Strukturen zu nutzen und vorhandene Initiativen einzubinden. „Wir sehen uns in einer unterstützenden Rolle“, sagt Laakmann. Wenn etwas Neues auf Vorhandenem aufbaue, „hat es größere Chancen, umgesetzt zu werden“.

Größere Chancen soll auch der grenzüberschreitende Ansatz bieten. „Die Pro­bleme auf beiden Seiten sind identisch“, erklärt der FH-Transferberater. Deutsche und Niederländer gingen sie aber unterschiedlich an. „Genau hier liegt der große Vorteil, voneinander zu lernen.“

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