Mo., 23.05.2016

Premiere des Kinderstückes Jeder Tag ist eine Chance

Lotta Krane glänzt als kleiner Tag. Die erst elfjährige Hauptdarstellerin zieht das Premierenpublikum mit ihrer starken Bühnenpräsenz in ihren Bann.

Lotta Krane glänzt als kleiner Tag. Die erst elfjährige Hauptdarstellerin zieht das Premierenpublikum mit ihrer starken Bühnenpräsenz in ihren Bann. Foto: Heidrun Riese

Reckenfeld - 

„Der kleine Tag“ erwies sich bei seiner Premiere am Sonntagnachmittag als Paradebeispiel für ein Familienstück. Für die gelungene Inszenierung, die vor allem durch die große Spielfreude des starken Ensembles bestach, gab es am Ende tosenden Applaus.

Von Heidrun Riese

Wenn die Münsterländische Freilichtbühne etwas für Kinder zeigt, dann sollen auch die Erwachsenen ihren Spaß daran haben. „Der kleine Tag“ erwies sich bei seiner Premiere am Sonntagnachmittag als Paradebeispiel für ein Familienstück. Das Musical aus der Feder von Wolfram Eicke, Hans Niehaus und Rolf Zuckowski begeisterte mit seiner leicht verständlichen und gleichzeitig tiefgründigen Geschichte sowie den mitreißenden Liedern sowohl die kleinen als auch die großen Zuschauer. Für die gelungene Inszenierung, die vor allem durch die große Spielfreude des starken Ensembles bestach, gab es am Ende tosenden Applaus.

Die Ränge waren zwar nicht voll, aber dennoch gut besetzt – vor allem angesichts der Wettervorhersage. Wer trotz des angekündigten Schauers den Weg zur Freilichtbühne gefunden hatte, wurde mit einem kurzweiligen Theaternachmittag belohnt und blieb dabei sogar weitestgehend trocken. Während dieser ersten Vorstellung fielen nur ein paar Tropfen. Erst im Anschluss, als die Premierenrosen an alle Beteiligten verteilt waren, regnete es sich ein.

Das von Klaus-Dieter und Tabea Niepel inszenierte Musical unter musikalischer Leitung von Mariele Albermann sprach indes für sich. Die Zuschauer unternahmen zunächst eine Reise in die fantasievoll gestaltete Lichterwelt, in der vergangene Tage mit ihren bedeutenden Ereignissen prahlten, von der Entdeckung Amerikas bis zur Erfindung des Reißverschlusses. „Uns wichtige Tage aus der ersten Reihe hat man nicht vergessen, wir stehen sogar im Lexikon“, musste sich der kleine Tag anhören, der doch so gerne dazugehören wollte. Verkörpert wurde er bei der Premiere von Lotta Krane, die sich die Hauptrolle mit Noah Berger teilt. Die Elfjährige riss das Publikum mit ihrer Ausstrahlung und Präsenz vom Hocker. Als endlich der 23. April kam und der kleine Tag seine Reise auf die Erde antrat, gehörte die Bühne ganz allein der in ein silber-rotes Kostüm gewandeten Nachwuchsdarstellerin – und ihrem Song „Das Dunkel und ich“, den sie voller Inbrunst vortrug.

Was dann auf der Erde passierte, war das ganz normale Leben. Der kleine Tag wurde Zeuge ganz wunderbarer, aber auch durchwachsener Momente. Er sah mit an, wie sich ein gestresster Vater beim Umzug seiner Familie mit dem rockigen „Wahnsinn“ den Frust von der Seele sang: „Es ist verrückt, ich werd erdrückt!“ Wie sich eine genervte Nachbarin mit ihrer Rap-Einlage wegen eines Stromausfalls mit einem Bautrupp stritt. Wie eine verlegte Bushaltestelle für Aufregung sorgte. Und wie ein Junge beim Ausprobieren seiner neuen Gitarre mit seinem erbosten Vater aneinander geriet.

Doch auch all diese Ereignisse hatten ihre schönen Augenblicke. Und die nahm der kleine Tag mit in die Lichterwelt, wo er voller Begeisterung von seinem Tag schwärmte. Ein verliebtes Paar, das sich geküsst hat, oder eine Familie, die ein spontanes Picknick genossen hat, empfanden die anderen Tage jedoch nicht als wichtig genug. Sie lachten den kleinen Tag aus und verbannten ihn in die letzte Reihe.

Ein Jahr später stellte sich dann heraus, dass es doch ein besonderer Tag war, nämlich der friedlichste Tag aller Zeiten. Damit bekam der kleine Tag zum Schluss seine verdiente Anerkennung.

Und die Zuschauer nahmen neben nicht nur Ohrwürmer und Eindrücke mit, sondern auch ein paar Gedanken. Behutsam und doch eindringlich vermittelte „Der kleine Tag“ eine Botschaft: Jeder Tag ist ein neuer Tag und kann ein wundervoller Tag werden, wenn man das Beste daraus macht und dabei den Blick für die kleinen Dinge und schönen Momente bewahrt.

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