Di., 24.05.2016

Demonstration in Herbern 250 Menschen sagen „Nein“ zum Gasbohren

Der Drensteinfurter Jürgen Blümer (gelbes T-Shirt) gehörte am Sonntag zu den Organisatoren des Protests.

Der Drensteinfurter Jürgen Blümer (gelbes T-Shirt) gehörte am Sonntag zu den Organisatoren des Protests. Foto: -sibe-

Herbern - 

250 Gasbohr-Gegner haben am Bohrplatz in Nordick demonstriert. Und das nicht nur mit einer Menschenkette.

Von Simon Beckmann

Sie wollten ein Zeichen setzten – ein Zeichen gegen Gasbohren und für die Energiewende: Deswegen blockierten etwa 250 Gasbohr-Gegner am Sonntagnachmittag für kurze Zeit mit einer über 200 Meter langen Menschenkette die Zufahrt zur Bohranlage auf dem Feld „Herbern 58“ in Nordick. Dort sind in der vergangenen Woche die Probebohrungen für die vorgesehene Förderung von Kohleflözgas gestartet.

„Wir sind heute hier, weil wir das Gasbohren – egal ob in Nordick, Hamm oder sonst wo auf der Welt – verhindern wollen. Wir wollen die Energiewende. Heute ist unser Tag – wir leisten Widerstand und jeder kann etwas tun“, eröffnete Jürgen Blümer aus dem Organisationsteam des landesweiten Aktionstages unter dem Motto „Wir kieken auf den Kraft-Turm“ die Kundgebung, die im Vorfeld der Menschenkette auf dem Hof Huhn in der direkten Nachbarschaft zum Bohrturm stattgefunden hatte.

Dirk Hanke von der BIGG Hamm forderte die anwesenden Protestanten auf, die Energiewende in die eigene Hand zu nehmen: „Der Stadtrat in Hamm kämpft weiter gegen die Energiewende. Zeigt, dass ihr was verändern wollt und wechselt den Anbieter.“

„Die Stadt Hamm hat sich lieber für Gas als für erneuerbare Energien entschieden“, fügte Ingo Sander von der Windenergiegesellschaft Ameke/Hölter noch hinzu. Letztendlich könne jeder selbst entscheiden, ob er hier lieber Gasbohrtürme oder Windkraftanlagen haben möchte. Michael Thon vom „Forum für Umwelt und gerechte Entwicklung“ in Hamm betonte: „Wenn die Menschen vor 30 Jahren auf uns gehört hätten, dann wären uns Kosten in Millionenhöhe und Kosten zu Lasten der Umwelt erspart geblieben.“

Jochen Rölfing, vom „Verein erneuerbare Energien Ahlen“ bemerkte zudem, dass sich die Politik mit fragwürdigen Methoden zur Energiegewinnung beschäftige. „Die Energiewende wird so nicht ausgebremst, sondern zu Grabe getragen“, machte er klar. In einem Grußwort des „Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz“ hieß es: „Den Profit machen die Unternehmer. Die Zeche zahlen die Menschen vor Ort. Die Bohrfirmen bereichern sich auf Kosten der Bürger und der Umwelt.“ Ebenso wurde in dem Schreiben hervorgehoben, dass „wir nicht zulassen dürfen, dass rückwärtsgewandte Personen unsere Zukunft und die unserer Kinder zerstören“.

Im Anschluss an die Kundgebung konnten die Demonstranten, die aus allen Himmelsrichtungen – teilweise im Rahmen einer Fahrrad-Sternfahrt aus Drensteinfurt, Ahlen, Hamm, Werne, Nordkirchen und Ascheberg – angereist waren, rote und grüne Hände aus Pappe beschreiben und so ihre persönlichen Gründe aufzählen, warum sie gegen Gasbohren sind (rot) und warum sie die Energiewende möchten (grün).

„Ich bin gegen Gasbohren, weil das zum Stillstand in der Entwicklung der Energiewende führt. Ich habe die Befürchtung, dass Menschen durch die ganzen giftigen Stoffe plötzlich krank werden. Da sind wir einfach ausgeliefert“, erzählte Barbara Kuhlmann aus Drensteinfurt. Ebenso ergänzte sie, dass ihr die Bewahrung der Natur und die Nachhaltigkeit wichtig seien. Auch Willi Meise aus Walstedde sieht die Gefahren des Gasbohrens für die Menschen und die Natur und möchte dagegen ein Zeichen setzen.

„Gasbohren halte ich für gefährlich. Wenn das Grundwasser vergiftet wird, kann man das nicht rückgängig machen. Das ist für uns schädlich und hat Folgen für nachfolgende Generationen“, äußerte sich Karin Fante aus Werne. Genauso sieht das auch Heidi Paschen aus Hamm: „Hier wird ein großer Fehler gemacht und über unsere Köpfe hinweg entschieden. Wir müssen an unsere Kinder und Enkelkinder denken.“

Auch Susanne Sendermann aus Herbern befürchtet, dass die Natur zur Industrielandschaft werde und sorgt sich um das Grundwasser. „Was hier passiert, wollen wir nicht hinnehmen“, sagte sie. Corina Goldscheck aus der direkten Nachbarschaft des Bohrturms stimmt ihr zu: „Wir haben Brunnenwasser und befürchten, dass das bald schon nicht mehr nutzbar sein wird. Deswegen sind wir gegen Gasbohren.“

Vom Hof Huhn machten sich die etwa 200 Gasbohr-Gegner im Anschluss an die Kundgebung auf zum Bohrturm, um dort eine Menschenkette zu bilden. „Es hat nicht geregnet und alles war friedlich. Es war alles perfekt. Das einzige, was gestört hat, war der Bohrturm“, zog Blümer nach Ende der Veranstaltung Bilanz.

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