Di., 24.05.2016

Geschäft Gassel ist in Borghorst Familientradition endet nach 122 Jahren

Freuen sich auf den Ruhestand: Christiane und Franz-Josef Gassel.

Freuen sich auf den Ruhestand: Christiane und Franz-Josef Gassel. Foto: Linda Braunschweig

Borghorst - 

Das Geschäft Gassel ist in Borghorst wohl so ziemlich jedem ein Begriff. Nähmaschinen, Kinderwagen, Fahrräder, Elektro-Groß- und Kleingeräte, Haushaltswaren, Porzellan, Besteck und zum Schluss vor allem Geschenkartikel und Leuchten: Das Sortiment hat sich immer mal wieder gewandelt. Stets hat sich Franz-Josef Gassel bemüht, den Kunden auch die Dinge zu besorgen, die sie woanders vielleicht umsonst suchten.

Von Linda Braunschweig

Eines ist schon mal klar: Auch in Zukunft werden Franz-Josef und Christiane Gassel viel auf Achse sein. Das Borghorster Paar hat die Welt schon kreuz und quer bereist, aktuelles Lieblingsziel: Kuba. Der nächste Flug ist bereits gebucht. Die Reise werden die Borghorst dann als Ruheständler antreten: Voraussichtlich am 30. Juli schließen sie ihr Geschäft in der Münsterstraße – das Ende einer 122-jährigen Familientradition.

Eine große Bandbreite anzubieten, war Franz-Josef Gassel stets wichtig, ebenso wie die Beratung. „Das ist das A und O“, sagt der heute 72-Jährige, der auch als Beinahe-Pensionär noch über jedes Birnchen in seinem Geschäft genau Bescheid weiß.

Konkurrenz aus dem Internet

Umso mehr ärgert es den Fachmann, wenn die Kunden sich im Einzelhandel beraten lassen – und im Internet kaufen. Das Netz als Schicksal des Einzelhandels hat sich laut Gassel vor allem in den vergangenen zwei bis drei Jahren zum großen Konkurrenten entwickelt. „Wir sind teilweise nur Ersatzteillieferant für im Internet gekaufte Artikel“, so Gassel. Seitdem war die Freude am Geschäft gedämpft. Die Jahre zuvor – mit guten Umsätzen und vielen Stammkunden – hätten Spaß gemacht, zieht Gassel Bilanz und kann so einige Anekdoten erzählen.

Schon früh hat er auf LED-Technik gesetzt. „Mir war rasch klar, dass das Leuchtmittel der Zukunft ist, weil es so sparsam ist“, erklärt der Borghorster. Wenn er daneben auch auf die Zukunft des Einzelhandels blickt, so ist er sich sicher: „Irgendwann wird es wieder kommen.“ Dann würden die Leute die Beratung und Qualität vor Ort wieder mehr zu schätzen wissen und hätten die „Nase voll“ von der billigen Massenware.

Erst Räumungsverkauf, dann Reisen

Der Elektromeister und seine Frau freuen sich nun auf eine unbeschwertere Zeit, denn nach mehr als 40 Jahren im Laden werden sie künftig eine bislang nicht gekannte Freiheit genießen. Sie sei froh, nicht mehr ständig nach der Uhr leben zu müssen, sagt Christiane Gassel. Sie hat sich in den vergangenen vier Jahrzehnten vor allem um den Papierkram gekümmert – und „nebenbei“ drei Töchter groß gezogen. Inzwischen sind vier Enkel hinzugekommen.

Trotzdem hatten die Gassels stets Gelegenheit, ihrem Fernweh nachzugeben. Sie hätten sie „100-prozentig“ auf ihre zwei Angestellten verlassen können, sagt Franz-Josef Gassel. Das ermöglichte es, das Geschäft für ein paar Wochen im Jahr hinter sich zu lassen, „um einfach mal was anderes zu sehen“. Und um zu angeln. Sein Hobby führte den passionierten Petri-Jünger schon an viele Ort auf der Welt. Und so einige sollen nun noch hinzukommen.

Bis dahin sind es noch ein paar Wochen, in denen der Räumungsverkauf läuft. Was mit den 220 Quadratmetern Verkaufsfläche oder langfristig auch mit der gesamten Immobilie geschieht, steht noch nicht fest. Eventuell bleibt ein deutlich kleinerer Verkaufsraum erhalten, um Kunden auch weiterhin mit speziellen Artikeln zu versorgen, so Gassel.

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