Mi., 25.05.2016

Kaninchenzüchter bangen um ihre Tiere RHD-2-Virus breitet sich aus: Noch kein Impfstoff zugelassen

Bedroht sind Wild- und Hobby-Kaninchen gleichermaßen.

Bedroht sind Wild- und Hobby-Kaninchen gleichermaßen. Foto: Matthias Ahlke

Münsterland - 

Sie sind schlapp, fiebrig, fressen nicht und sterben plötzlich: Kaninchenzüchter aus dem gesamten Münsterland bangen derzeit um ihre Tiere. Dabei können ganze Bestände von der Rabbit Haemorrhagic Disease, kurz RHD, auch Chinaseuche genannt, befallen werden.

Von Achim Giersberg

Während das schon länger be kannte RHD-1-Virus durch konsequentes Impfen weitgehend unter Kon­trolle ist, taucht seit diesem Jahr vermehrt ein RHD-Virus Typ 2 im Kreis Steinfurt und darüber hinaus auf, wie Dr. Christoph Brundiers, Chefveterinär des Kreises Steinfurt, bestätigt. Bisherige Impfstoffe zeigen gegen das mutierte Virus nur wenig Wirkung.

Genaue Fallzahlen existieren nicht. Die Behörden sind weitgehend auf Berichte der Züchter und Nachfragen angewiesen, denn eine Meldepflicht für diese Tierseuche gibt es nicht und damit auch keine Statistik.

Das Problem: In Deutschland ist noch kein Impfstoff gegen RHD 2 zugelassen; Tierärzte müssen ihn über eine vom Land zu erteilende Ausnahmegenehmigung aus Spanien oder Frankreich beschaffen. Neben dem Aufwand sind auch die Kosten nicht gering. „Mehrere Hundert Euro“, so Brundiers, koste die einmalige Impfung eines Hobby-Bestandes von 50 Kaninchen – nötig sind zwei Grundimmunisierungen plus eine Nachimpfung.

Zum Thema Chinaseuche

Die Chinaseuche wurde 1984 zum ersten Mal in China beschrieben. Seit dem Ende der 80er Jahre wird sie auch in Deutschland regelmäßig nachgewiesen. Eingeschleppt wurde die Seuche aller Wahrscheinlichkeit nach durch die Einfuhr von Kaninchenfleisch und sonstigen Kaninchenprodukten aus Asien nach Deutschland. Bei den betroffenen Kaninchen bluten Organe und Schleimhäute. Deswegen nennen Wissenschaftler das Virus auch „RHDV“ („Rabbit Haemorrhagic Disease Virus“). Das bedeutet so viel wie „Virus, das beim Kaninchen Blutungen verursacht“. Der Erreger hat sich in den vergangenen 20 Jahren verändert. 

Alternativ bleibt nur, den Kontakt mit dem RHD2-Virus so weit wie möglich einzuschränken: Das Virus wird vor allem über frisches Grünfutter übertragen, das mit dem Urin von Wildkaninchen in Kontakt kam oder über den Kontakt mit Wildkaninchen selbst. Auch Feldhasen können infiziert sein. Andere Tiere und Menschen sind gegen RHD immun.

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