Mi., 25.05.2016

Unbewohntes Haus Versteigerung lässt Anwohner hoffen

Mehr als baufällig: das Haus an der Falkenstraße 39.

Mehr als baufällig: das Haus an der Falkenstraße 39.

Reckenfeld - 

Ein verwahrlostes Haus in der Falkenstraße ist den Anwohnern eine Dorn im Auge. Nun jedoch dürfen sie hoffen – das Amtsgericht hat die Zwangsversteigerung angeordnet.

Von Oliver Hengst

Vor der Haustür ein Stapel durchnässter Prospekte, am Treppenabsatz eine umgestürzte Warnbarke, der Blick durch das schmutzige Fensterglas offenbart: das reinste Chaos. Hier lebt schon lange niemand mehr. Niemand kümmert sich um das Haus (Baujahr 1930), das einst ein Munitionsschuppen war und irgendwann zu Wohnraum umgebaut wurde.

Trotz oder gerade wegen der baulichen Schäden des Hauses passiert nichts. Für die Nachbarn ein Riesen-Ärgernis. Doch jetzt könnte Bewegung in die Sache kommen: Das Haus mit der Adresse Falkenstraße 39 wird zwangsversteigert.

Das lässt in der Straße die Hoffnung keimen, dass der bauliche Schandfleck saniert oder durch einen Neubau ersetzt wird. Das würden vor allem die direkten Nachbarn des Reihenmittehauses begrüßen, die neben optischen Mängeln vor allem auf bauliche Gefahren hinweisen, die von dem baufälligen Haus ausgehen: Das Dach ist einsturzgefährdet, Wasser dringt ins Mauerwerk ein. An den Zwischenwänden zu den Nachbarhäusern hat sich stellenweise Schimmel gebildet. Familie Boga, die im Flachdachbau rechts neben dem betroffenen Haus wohnt, berichtet, dass man in direkt angrenzenden Zimmern im Winter heizen könne, soviel man wolle, ohne dass die Räume warm zu bekommen seien.

Der Besitzer des Reihenmittelhauses soll Privatinsolvenz angemeldet haben und sich nicht kümmern. Etliche Gesprächsversuche mit ihm seien erfolglos geblieben. Daher bat man irgendwann die Stadt um Hilfe. Von dort hieß es: Privatsache. Die Stadt ließ die Nutzung des Hauses untersagen und stützte die einsturzgefährdet Decke ab – mehr könne man nicht tun. Alles andere müssten die Nachbarn untereinander regeln.

Laut Amtsgericht, das auf die Versteigerung hinweist, ist das Haus im „Liquidationszustand“. Im Klartext: Eine Sanierung macht wirtschaftlich kaum Sinn. Der bauliche Zustand sei „infolge der beschädigten Erdgeschossdecke (Feuchtigkeit Wände und Decken“) und eines erhöhten Instandsetzungs- und Modernisierungsbedarfes als sehr schlecht einzustufen“, urteilt ein Sachverständiger. Für eine Nutzung sei mindestens eine Kernsanierung nötig, eventuell der Rückbau bis aufs Fundament. Statisch sinnvoll sei der Einbau einer Innenwand-Schale zu Nachbargebäuden.

Das alles kostet viel Geld – ob sich jemand findet, der bereit ist, eine solche Investition zu stemmen, muss sich zeigen. Den Verkehrswert gibt das Amtsgericht mit 25 000 Euro an. Die Zwangsversteigerung findet am 13. Juli ab 11.30 Uhr im Amtsgericht Steinfurt (Saal 6) statt.

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