Do., 26.05.2016

Energiewandel Design-Student erfindet Straßenlaterne mit Windrad

Die neue Laterne: Schlichter Mast, LED-Leuchten in der Mitte und ein Windrotor oben drauf – für dieses Design bekam Eric Notthoff die Note 1,0.

Die neue Laterne: Schlichter Mast, LED-Leuchten in der Mitte und ein Windrotor oben drauf – für dieses Design bekam Eric Notthoff die Note 1,0. Foto: Eric Notthoff

Münster - 

Eine Laterne, die ohne Stromkabel funktioniert? Diese Idee begeisterte Design-Student Eric Notthoff. In seiner Bachelor-Arbeit an der Fachhochschule Münster entwickelte er eine „autonome Straßenleuchte“, die sich ihren Strom per Windkraft selbst erzeugt. Jetzt will er seine Idee auch umsetzen.

Von Gunnar A. Pier

Manche Design-Studenten „wollen den hundertsten Stuhl entwickeln“, sagt Eric Notthoff. Der sieht dann gut aus, wenn er nicht wackelt, gibt’s eine gute Note – und die Pläne verschwinden für immer in der Schublade. Das ist nichts für Eric Notthoff. „Ich wollte Nachhaltigkeit mit Design verbinden.“ Deshalb entwickelte er als Bachelor-Arbeit eine Straßenlaterne, die sich ihren Strom per Windkraft selbst erzeugt. Jetzt will er seine Idee auch umsetzen.

Die klassische Straßenlaterne hat eine Glühbirne, sieht unauffällig aus und braucht ein Stromkabel. Auf das Thema wurde Eric Notthoff schon vor einigen Jahren aufmerksam. „Ich denke gerne visionär“, sagt er nicht ganz unbescheiden. „Da bin ich schon auf die Idee gekommen, eine Straßenlaterne mit Windkraft zu entwickeln.“

Der Clou thront oben auf dem Mast

Inzwischen studiert Notthoff, der aus Gronau-Epe stammt, Design an der Fachhochschule in Münster. Als die Bachelor-Arbeit anstand, nahm er sich endlich sein Lieblingsthema vor – und erfand eine Straßenlaterne.

„Die Form folgt der Funktion“, nennt der 25-Jährige eine alte Designer-Regel. Für eine Lampe bedeutet das: Wichtiger als der schöne Schein ist der helle Schein. „Viele finden Windräder nicht schön“, sagt Notthoff. Da hatte er seine Aufgabe gefunden.

Entstanden ist nun eine schlichte Säule, die das Licht nicht per Lampenschirm oder Glaskugel verbreitet. Stattdessen leuchten kleine, aber sehr effiziente LED-Leuchten aus der Mitte der Säule. Praktisch: Der Lichtstrahl lässt sich sehr flexibel an den Bedarf am jeweiligen Standort anpassen.

Der Clou aber thront hoch oben auf dem Mast: ein schlichter Rotor, der Windenergie erzeugt. Sieht unauffällig aus – und macht die Laterne unabhängig vom Kabel. „Die Rotoren sind keine Neuerfindung“, erklärt Notthoff. Stattdessen hat er aus Einzelteilen, die es schon gibt, ein Produkt entwickelt, das Design- und Funktions-Ansprüche erfüllt. Der Lohn dafür am Ende: Note 1,0.

Anfrage von Strom-Konzern

Aber weil Eric Notthoff die Nachhaltigkeit so wichtig ist, ruht er sich auf seiner Top-Zensur nicht aus. Jetzt möchte er, dass seine Laterne eines Tages auch am Straßenrand steht. Alleine im Münsterland sieht er viele windreiche Standorte, an denen er sich seine Erfindung gut vorstellen kann. Dafür sucht er nach Partnern. In Süddeutschland hat er bereits einen Gleichgesinnten ausgemacht, der eine ähnliche Konstruktion erdacht hat. Wie passend: Der andere Erfinder hat eher das Technik-Thema im Fokus als das Design – da könnten sich zwei Konstrukteure ideal ergänzen.

Erste Firmen haben übrigens schon angefragt, manche wollten Notthoffs Laterne in China produzieren. Auch ein Stromkonzern zeigte Interesse. Doch da war der Laternen-Erfinder skeptisch. Kauft der Strom-Riese sein Patent und lässt es in der Schublade verschwinden, damit weiter Strom verbraucht wird? Das will Eric Notthoff nicht. Das wäre nicht nachhaltig.

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