Mi., 25.05.2016

Briefe kamen per Post Hass-Post lässt Mimo verzweifeln

Mimo ist verzweifelt, die Hass-Post hat ihn und seine Familie getroffen. Die Polizei ist aber zuversichtlich, den Urheber zu finden.

Mimo ist verzweifelt, die Hass-Post hat ihn und seine Familie getroffen. Die Polizei ist aber zuversichtlich, den Urheber zu finden. Foto: hbm

Ascheberg - 

Die Briefe brachte die Post, den Inhalt hat ein Unbekannter geschrieben. Ein 45-jähriger Libanese und seine Familie werden darin auf übelste Weise verleumdet. Die Polizei ermittelt.

Von Theo Heitbaum

„Wer macht so etwas?“ Mimo schüttelt ratlos den Kopf, Tränen stehen in seinen Augen. Der 45-jährige Libanese ist empört, erschrocken und verzweifelt, die Kunden in „Mimo‘s Pizza + Grill“ sind entsetzt. Die Polizei ermittelt wegen Verleumdung. Wer jetzt auf eine Mobbing-Attacke im Internet schließt, der irrt. Ein Unbekannter ist ganz klassisch vorgegangen und hat seine Schreiben per Post verschickt. Ordentlich mit Briefmarke versehen, adressiert immer an die „Anwohner, Straße, 59 387 Ascheberg“. Offensichtlich haben diese Post fast alle Haushalte östlich der Altefeldstraße erhalten.

„Wir haben zuerst an ein Werbeschreiben gedacht“, berichtet eine Briefempfängerin, denn oben lächelt Mimo den Leser von einem Foto an. „Mein Facebook-Bild“, weiß der Libanese genau, wie der oder die Unbekannten an das Bild gelangt sind. Dass es sich um keine Werbung handelt, wird schnell klar, wenn von „Sozialhilfe- und Wohngeldbetrüger“ die Rede ist, wenn von „Gammelfleisch“ gesprochen wird, davon dass seine Familie die „Stadt Ascheberg“ monatlich um 2000 Euro betrüge. Im weiteren Schreiben werden der 45-Jährige, seine Frau und die drei Kinder auf übelste Weise verunglimpft. Es heißt, die Eltern leiteten die Kinder zur Kriminalität an.

„Ganz viele Kunden sind gekommen und haben mir das Schreiben gezeigt“, hält Mimo eins der Pamphlete in der Hand. 1989 ist er nach Deutschland gekommen. Mit 23 Jahren hat er sich selbstständig gemacht, seit fünf Jahren betreibt er „Mimo‘s Pizza + Grill“ an der Himmelstraße. In einem kleinen Lokal, das vorher öfter den Pächter gewechselt hat, ist der Libanese seit 2011 aktiv. „Der Laden läuft gut“, sagt Mimo, Hilfe vom Staat habe er nicht nötig. Von der Wand lächeln vier Mannschaften des TuS Ascheberg, Mimo hat den Kauf ihrer Trikots oder Shirts unterstützt.

Er bietet an, Lieferscheine zu zeigen, um zu beweisen, dass Fleisch gekühlt und den gesetzlichen Vorgaben entsprechend geliefert wird. „Ich habe keinen Stress mit den Behörden oder Ärger mit den Nachbarn“, sagt der verzweifelte Mann. Die Ungeheuerlichkeiten, die ihn als Psychopathen und Alkoholiker, seine Frau als Betrügerin darstellen, kann der 45-Jährige nicht erklären – einige Dinge aus der Post sind übrigens nicht zitierfähig an dieser Stelle. Mit dem Schreiben in der Hand rücken kleine Vorfälle aus den vergangenen Wochen in ein anderes Licht. „Christi Himmelfahrt konnte ich die Tür nicht aufschließen. Das Schloss war voller Sekundenkleber“, sagt Mimo.

Der Libanese hat gleich nach dem Auftauchen des Schreibens Strafantrag gestellt. Polizeisprecher Ralf Storcks sieht Möglichkeiten, dass die verzweifelte Frage „Wer war das?“ aufzuklären ist: „Wir werden zuerst im Umfeld ermitteln. Bezirksbeamte wissen in solchen Fällen oft, wo sie anzusetzen haben.“

Eins versichert der Angegriffene kämpferisch: „Ich werde nicht aufgeben.“

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