Mi., 25.05.2016

Mordprozess vor Landgericht Täterin muss in eine Psychiatrie

Die Angeklagte (auf diesem Foto vom Prozessauftakt mit der Pflichtverteidigerin Regine Thoden) muss keine Haftstrafe im Gefängnis antreten, sondern wird in eine Psychiatrie eingewiesen. Am Tatort hält eine Tafel die Erinnerung an das Opfer wach.

Die Angeklagte (auf diesem Foto vom Prozessauftakt mit der Pflichtverteidigerin Regine Thoden) muss keine Haftstrafe im Gefängnis antreten, sondern wird in eine Psychiatrie eingewiesen. Am Tatort hält eine Tafel die Erinnerung an das Opfer wach. Foto: Peperhowe/Harhues

Münster/Senden - 

Die 18-Jährige, die ihre 17-jährige Freundin aus Senden getötet hat, muss keine Haftstrafe antreten. Das Landgericht wies die junge Frau vielmehr zur Therapie in eine Psychiatrie ein, lautet das Urteil. Die Richter halten die 18-Jährige weiterhin für gefährlich.

Von Marion Fenner

Zu sieben Jahren Jugendstrafe hat das Landgericht Münster eine 18-Jährige verurteilt, die ihre ehemalige Freundin aus verschmähter Liebe grausam getötet hatte. Ins Gefängnis muss die Frau aber nicht, die Strafkammer ordnete eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Im Maßregelvollzug soll die junge Frau, der eine schwere Persön­lichkeitsstörung attestiert wurde, therapiert werden. Wann und ob sie dort je wieder entlassen wird, hängt vom Fortschritt der Therapie ab, erklärte der Sprecher der des Landgerichts Dr. Daniel Stenner. Sollten Gutachter allerdings vor Ablauf der sieben Jahre zur der Erkenntnis kommen, dass die Täterin psychisch geheilt sei, müsste sie die verhängte Jugendstrafe dennoch absitzen, erklärt Stenner.

Das Gericht hält die Ange klagte, die auf ihre ehemalige Freundin 47 mal mit dem Messer eingestochen und sie anschließend so­lange gewürgt hatte, bis das Röcheln aufhörte, für weiterhin sehr gefährlich. Es bestehe die Möglichkeit, dass sie bei einer Enttäuschung in einer neuen Beziehung wieder genauso handeln könnte.

Fotostrecke: 17-Jährige in Senden getötet - 18-Jährige legt Geständnis ab

In seiner Urteilsbegründung ging der Vorsitzende Richter Michael Beier noch einmal auf die „desaströsen Umstände“ in der Kindheit der Täterin ein. Alkoholprobleme der Eltern, Trennungen, fehlende dauerhafte Bezugspersonen sowie Hänseleien wegen ihres massiven Übergewichts hätten zu mangelndem Selbstbewusstsein der Täterin geführt. Die Zeit, in der sie mit ihrer Freundin zusammen­ ge­wesen sei, sei die glücklichste in ihrem Leben gewesen, habe die junge Frau berichtet. Als sich die Freundin trennen wollte, sei diese Liebe in Hass umgeschlagen, die in der Tötung endete. „Sie tötete bewusst und gewollt“, sagte der Richter. Allerdings sei bei der Tat eine erheblich geminderte Steuerungsfähigkeit der Angeklagten zu berücksichtigen.

Die Täterin selbst nahm das Urteil äußerlich gelassen, fast gelangweilt, auf. Die Hand auf das Kinn gestützt, hörte sie dem Richter unbewegt zu. Manchmal lächelt sie – immer dann, wenn der Richter von der innigen Beziehung zu der getöteten Melina sprach.

Vor der Urteilsverkündung hatte die Angeklagte noch das letzte Wort. „Es tut mir leid, was passiert ist“, sagte sie leise. Der Richter schilderte die grausame Tat noch einmal im Detail. Für die Mutter der Getöteten, die als Nebenklägerin anwesend war, war das kaum zu er­tragen. „Die Täterin wollte das Opfer nicht nur töten, sondern auch entstellen“, war die Kammer überzeugt.

Zugunsten der Täterin wertete das Gericht das umfangreiche Geständnis, das die 18-Jährige während des Prozesses abgelegt hatte. Zu ihren Lasten ging das planvolle Vorgehen. Sie hatte ­zuvor mehrfach davon gesprochen, Melina töten zu wollen, und zudem aus der Wohnung einer gemeinsamen Bekannten ein Messer mitgehen lassen, mit dem sie die Tat ausführte. Mangelnde Einsichtfähigkeit führte der Richter außerdem an. Die Täterin sei der Ansicht, dass Melina ihren Tod durch die angekündigte Trennung selbst mitverursacht habe.

Eine Verurteilung wegen Mordes schied laut Ansicht des Gerichts aus. Niedrige Beweggründe lägen nicht vor, weil sich die Angeklagte durch die Tat um etwas gebracht habe, was sie eigentlich nie verlieren wollte.

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