Mi., 25.05.2016

NRW-Schulministerin im Gymnasium Nottuln Markenzeichen „Polit-Café“

Hörten wie alle anderen geduldig den Schülern des SoWi-Leistungskursus der Q1 zu: Schulleiter Holger Siegler (vorne links) und daneben NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann.

Hörten wie alle anderen geduldig den Schülern des SoWi-Leistungskursus der Q1 zu: Schulleiter Holger Siegler (vorne links) und daneben NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann. Foto: Ludger Warnke

Nottuln - 

Das Polit-Café ist eines der Markenzeichen des Nottulner Gymnasiums. Das sieht auch NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann so. Sie lobte am Mittwoch bei einem Besuch in Nottuln die politische Bildungsarbeit der Schule.

Von Ludger Warnke

Bei der Frage nach ihrem Eindruck vom Gymnasium Nottuln muss Sylvia Löhrmann nicht lange überlegen. „Das ist hier eine ganz aktive Schule“, sagt die NRW-Schulministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin im WN-Gespräch. Später im Forum spricht sie von einer „ganz besonderen Schule“ und erteilt dem Gymnasium ein großes Kompliment für die politische Bildung: „Das Polit-Café ist sicherlich eines von mehreren Markenzeichen dieser Schule.“

Und eben dieses Polit-Café, das Sozialwissenschaftslehrer Werner Völlering seit dem Jahr 2007 mit seinen SoWi-Schülern immer wieder mit großem Erfolg veranstaltet, war auch der Anlass für den Besuch der Ministerin. Der Förderverein „Demokratisch Handeln“, gestern vertreten durch Geschäftsführer Dr. Wolfgang Beutel und Regionalberater Michael Ridder, hatte dem Ministerium das Nottulner Gymnasium für einen Besuch zum Thema „Politische Bildung“ empfohlen. Mit dem Polit-Café hatte sich die Schule an einem Wettbewerb des Fördervereins beteiligt.

Gut 90 Minuten nimmt sich die Ministerin Zeit für das Gymnasium. Bei einem internen Arbeitsfrühstück mit Schulleiter Holger Siegler, Vertretern der Schulpflegschaft und mit der Beigeordneten Doris Block kommt ein intensives Gespräch zustande. Leider, so Schulleiter Siegler, habe die Zeit nicht gereicht, auch das Thema der Auffangklassen für Flüchtlinge anzusprechen.

Schon folgt der Besuch beim SoWi-LK der Q1 mit Lehrer Werner Völlering. Im Schnelldurchgang lässt sich die Ministerin über die Gründung und Entwicklung des Polit-Cafés informieren und erkennt: „Dieses schulische Angebot strahlt weit in die Gemeinde hinaus.“

Danach geht es ins Forum, wo rund 200 Schüler aus den älteren Jahrgängen auf den Start des Polit-Cafés zum Thema „Turbo-Abi – G8 gute Nacht?!“ warten, das von den Schülern Luisa Thies und Lukas Wick moderiert wird. Neben der Ministerin haben die Schüler als Gesprächspartner eingeladen: Marcus Hohenstein, Sprecher der Elterninitiative „G9 jetzt in NRW“, Bernd Nestler, Lehrer für Latein und evangelische Religion am Nottulner Gymnasium, und Dr. Thorsten van Beeck-Stumpp, Ausbildungsleiter bei der LVM Münster. Er hat den einfachsten Part. Die LVM stelle je zur Hälfte G8- und G9-Azubis ein, Unterschiede seien nicht zu erkennen.

Unterschiede in der schulischen Leistung vermag auch Lehrer Bernd Nestler nicht auszumachen, doch beklagt er konzeptionelle Defizite. So fehle bei G8 ein Jahr zur Vorbereitung auf die zweite Fremdsprache, es gebe gerade für den 6. Jahrgang einen aufgeblähten Stundenplan, der schon sehr hart sei. Und in der Oberstufe führe der Zwang zu 34 Wochenstunden dazu, dass Schüler Kurse belegen, die sie eigentlich gar nicht wollten. Mehr Flexibilität wäre hilfreich.

Als klarer Verfechter von G9 präsentierte sich Marcus Hohenstein. G8 sei teurer als G9 und schränke die Lebensgestaltung der Schüler ein. Den Konsens für G8 gebe es nur in der Politik, nicht aber in der Öffentlichkeit.

„Der große Grad der Ablehnung muss doch zu denken geben“, sagte Lehrer Werner Völlering und bezog sich auf eine aktuelle, aber noch nicht veröffentliche Studie aus Bielefeld, die den Schülern als vorläufige Zusammenfassung schon vorlag, der Ministerin aber nicht.

Löhrmann wandte sich gegen übereilte Beschlüsse auf Knopfdruck. Solche habe die Vorgängerregierung gefasst. Es müsse sorgfältig abgewogen werden, ob man die Schulen immer wieder in neue Veränderungsprozesse bringe. Die Schülerleistungen von G8 und G9 seien gleichwertig. „Ob eine Schule gut ist, hängt nicht von G8 oder G9 ab.“

Eine Entscheidung in dieser Debatte hat gestern sicherlich keiner erwartet. Doch haben die Schüler des Polit-Cafés gezeigt, dass der politische Diskurs in Nottuln gepflegt wird. Und das ist ganz im Sinne der Ministerin: „Schule ist auch der Ort, in dem Demokratie gelernt und gelebt wird.“

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