Do., 26.05.2016

100. Deutsche Katholikentag Viel Münster in Leipzig

100. Deutsche Katholikentag : Viel Münster in Leipzig

Tausende Gäste wohnen am 25.05.2016 der Eröffnung des Katholikentages auf dem Markt in Leipzig (Sachsen) bei. Foto: dpa

Das Bistum Münster ist auf dem Leipziger Katholikentag nicht zu übersehen und zu überhören, und zwar sowohl an der Spitze des Treffens mit seinen Protagonisten wie auch in der Breite der teilnehmenden Katholiken aus Deutschland. 

Von Johannes Loy

Prof. Dr. Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, ist Münsteraner, der neu ernannte Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers aus dem Oldenburger Münsterland zeigt ebenfalls Einsatz - wie auch viele Theologen und Experten auf Podien und in Diskussionen. Knapp 2000 Dauergäste des Treffens kommen aus dem Bistum Münster, das mit 1,9 Millionen Katholiken mittlerweile an Position zwei der 27 Bistümer steht. In Leipzig bildet die Münsteraner-Fraktion nach dem gastgebenden Bistum Dresden und der Kölner Erzdiözese die drittgrößte Teilnehmergruppe.

Nach den Gottesdienste zum Fest Fronleichnam begeben sich die Katholikentagsgäste heute in die inhaltliche Arbeit in den Foren. Dabei stehen vor allem Fragen nach der Zukunft Europas und der Gesellschaft sowie des interreligiösen und interkonfessionellen Miteinanders auf der Agenda.

Zahlen und Fakten

32 057 Dauerteilnehmer sind auf dem 100. Leipziger Katholikentag dabei. 1042 davon kommen aus dem Ausland. Die Organisatoren rechnen außerdem bis Sonntag mit zusätzlich 5000 – 10.000 zusätzlichen Tagesgästen. Das Bistum Münster ist mit knapp 2000 Dauergästen in Leipzig präsent und liegt damit hinter dem gastgebenden Bistum Dresden-Meißen und der Erzdiözese Köln auf dem dritten Rang der. Die Stadt Münster muss sich in zwei Jahren möglicherweise auf deutlich mehr Teilnehmer am Katholikentag einstellen, zumal das bevölkerungsstarke Ruhrgebiet vor der Haustür liegt und vermutlich etliche Tagesgäste anziehen dürfte. 

Der Katholikentag ist in der Überzahl weiblich: 44 Prozent Männern stehen 56 Prozent weibliche Teilnehmer gegenüber. 87,1 Prozent der Teilnehmer sind Katholiken, 10,6 Prozent Protestanten, die Sonstigen zählen 2,3 Prozent. 

Katholikentage sind seit langem schon nicht mehr ganz jung. Jeweils rund 20 Prozent der Teilnehmer sind über 40, über 50 und über 60 Jahre alt. Die zweite Lebenshälfte macht also rund zwei Drittel der Katholikentagsteilnehmer aus. Gut 18 Prozent sind unter 18 Jahre alt. Die kleinste Gruppe ist die der Teilnehmer in den Dreißigern mit nur 7,5 Prozent.     

Finanzierung

Das Budget des 100. Katholikentags beläuft sich auf 9,9 Millionen. Davon spendieren das Land Sachsen drei und die Stadt Leipzig eine Million. Das Bundesministerium des Innern ist mit 500 000 Euro dabei. Der Verband der Diözesen  ist mit 1,5 Millionen und das gastgebende Bistum Dresden-Meißen mit 600 000 Euro  engagiert. Der Katholikentag erwirtschaftet zusätzlich mit Teilnehmerbeiträgen und Shop-Artikeln drei Millionen. Rund 300 000 Euro kommen aus Zuschüssen für Einzelprojekte.  

Katholikentage sind eine Erfolgsgeschichte

Der renommierte münstersche Kirchenhistoriker Hubert Wolf hat die Katholikentage als Erfolgsgeschichte bezeichnet. Die 99 bisherigen Großereignisse hätten gezeigt, dass die katholischen Laien "selbstbewusst und eigenständig Verantwortung übernommen haben für die Kirche und für die Welt", sagte Wolf bei einem Festakt zum 100. Katholikentag in Leipzig. Wolf rief zugleich die Teilnehmer dazu auf, wieder mehr Mut zu zeigen. Zwar seien Katholikentage "lebendiger, vielfältiger offener, jugendlicher und religiöser geworden". Es bestehe aber die Gefahr, dass sie dadurch auch "beliebiger, unpolitischer und letztlich wirkungsloser werden". Wolf fordert mehr Stellungnahmen zu zentralen politischen oder innerkirchlichen Themen. "Inhaltlich mehr klare Kante entspricht der Tradition der Katholikentage", so der Historiker. 

"Was spricht eigentlich gegen ein klares Votum des Leipziger Katholikentags für die Weihe von Frauen zu Diakoninnen?", so Wolf weiter. Nachdem Papst Franziskus diese Frage überraschend für offen erklärt habe, wäre dies seiner Meinung nach ein deutliches Signal. "Dann wäre das heutige Jubiläum nicht nur ein harmloses Fest", meinte der Historiker. 

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