Di., 31.05.2016

Deutsches Milchkontor Molkerei verweigert Gespräch mit protestierenden Milchbauern

„Runter von der Menge“ das fordern die Landwirte, die im BDM organisiert sind. Sie demonstrierten am Dienstag bei der Molkerei in Everswinkel, die den Dialog verweigerte.

„Runter von der Menge“ das fordern die Landwirte, die im BDM organisiert sind. Sie demonstrierten am Dienstag bei der Molkerei in Everswinkel, die den Dialog verweigerte. Foto: Klaus Meyer

Everswinkel - 

Jede Kuh im Stall verursacht 1000 Euro Verlust im Jahr. Kein Wunder, dass die Milchbauern die „Nothilfe“ des Bundes von 100 Millionen Euro als lächerlich einstufen. Aber knapp 100 Bauern, die am Dienstag vor den Türen des Deutschen Milchkontors (DMK) in Everswinkel demonstrierten, sind noch aus einem zweiten Grund sauer: Die Molkerei verweigert das Gespräch.

Von Beate Kopmann

Der Bundesverband der deutschen Milchviehhalter hatte NRW-weit zur Kundgebung bei der DMK aufgerufen: Aber kein Vertreter von Deutschlands größter Molkerei ließ sich blicken. Stattdessen gab es eine schriftliche Stellungnahme – mit dem Hinweis, man stehe „jedem zielführenden Dialog“ gegenüber.

Anne Schild-Budde (Coesfeld) schüttelt den Kopf: „Die Molkereien wollen billige Milch und davon viel. Und dann machen sie sich noch gegenseitig die Preise kaputt.“ Auch Ansgar Stockhoff (Glandorf) kommentiert: „Wir sollen weiter melken. Das ist doch keine Lösung. Wir müssen runter von der Menge.“ Doch den Molkereien gehe es nur um die Auslastung ihrer Werke.

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Dass das DMK in seiner Stellungnahme die Nothilfe des Bundes auch noch als „sinnvoll“ bezeichnet hatte, verursachte bei den Bauern nur Frust. Lambert Stöcker (Rösrath) verwies auf die Berge von Milchpulver, die bei den Molkereien lagern, weil sie keinen Absatz finden. „Wir müssen weiter melken, bis die in dem Zeug ersticken“, appelliert er an seine Kollegen. Aber keinem war zum Scherzen zumute. „Wir kämpfen hier für unsere Existenz“, sagte Albert Engbert (Tecklenburg) und ergänzt: „Wenn ich morgens im Stall stehe, frage ich mich, warum ich überhaupt anfange zu arbeiten.“

Fotostrecke: Das müssen Sie über den Milchgipfel wissen

Felix Brocks-Sickling (Coesfeld) prognostizierte, dass bald viele Betriebe das Handtuch werfen würden. „Dann sollen Aldi, Edeka und die Molkereien doch selbst die Kühe melken.“

Dass die Milchbauern nichts mehr zu verlieren haben, machte auch Tobias Schwakenberg (Warendorf) deutlich. Er forderte: „Wir müssen runter von der Menge. Und dafür brauchen wir ein Gesetz – europaweit.“

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