Mi., 01.06.2016

„Fixieren lehnen wir grundsätzlich ab“ Das Seniorenheim Stift Tilbeck setzt auf Sensor-Überwachung

Wer geht, kann stürzen. In Seniorenheimen wie dem Stift Tilbeck ist Sicherheit ein großes Thema.

Wer geht, kann stürzen. In Seniorenheimen wie dem Stift Tilbeck ist Sicherheit ein großes Thema. Foto: colourbox.com

Münster - 

Den Alarm bekommen die Mitarbeiter des Seniorenwohnheims „Wohnen in Pastors Garten“ vom Stift Tilbeck in Havixbeck direkt auf ihr Telefon. Sie erfahren, ob sich ein Bewohner zu ei­nem nächtlichen Spaziergang aufmacht, aus dem Bett aufgestanden und nicht wieder zurückgekehrt ist, oder sich in seinem Zimmer nicht mehr so bewegt, wie es üblich ist. Das Seniorenheim setzt auf ein bisher einzigar­tiges System, um seinen Bewohner im Falle einer Notlage oder eines Sturzes so schnell wie möglich helfen.

Von Marion Fenner

„Wer geht, kann stürzen“, sagt Bernward Jacobs, Geschäftsführer der Stift Tilbeck GmbH. Und gerade bei älteren Menschen sei das Risiko zu fallen deutlich höher als bei jüngeren. Deshalb sei Sicherheit im Seniorenheim ein wichtiges Thema.

Sicherheit bedeutet allerdings beim Stift Tilbeck keine 100-prozentige Garantie, dass Bewohner nicht fallen. Das gehöre zum allgemeinen Lebensrisiko und auch zum Älterwerden dazu, sagt Jacobs. Die andere Lösung sei das Fixieren der Bewohner, „und diese Methode lehnen wir grundsätzlich ab. Bei uns werden seit Juli 2015 grundsätzlich keine Personen mehr fixiert“, betont Jacobs.

Also wurde in dem münsterischen Seniorenwohnheim eine neue Lösung entwickelt, die Jacobs als „unsichtbares und smartes Schutzsystem“ bezeichnet. Dieses System, das Marcus Hopp, Projektleiter „Technische Unterstützung für ein selbstständiges Leben“ vom Stift Tilbeck, und Heinz Hohne von der Varia GmbH entwickelt haben, besteht aus verschiedenen Sensorkomponenten, die jede Bewegung im Zimmer wahrnehmen und durch entsprechende Programmierung einen Notfall melden können. Die „Überwachung“ werde auf die Bedürfnisse und Gewohnheiten jedes Bewohners individuell programmiert. „Die Maßnahme ist natürlich mit jedem Bewohner und den Angehörigen abgesprochen“, erklärt Joachim Brand, Hausleiter des Seniorenwohnheims „Wohnen in Pastors Garten“.

Die Sensoren sind in jedes Zimmer eingebaut worden. Es gibt einen Türkontakt, der registriert, wenn jemand den Raum betritt oder verlässt. Ein Bettsensor erkennt, wenn sich eine Person ins Bett legt oder es verlässt. Ein Kombisensor ist auf Licht-, Bewegungs- und Temperaturintensität programmiert. Anhand veränderter Parameter im Raum kann das Schutzsystem unterschiedliche Situationen erkennen. „Wenn diese als Notfall definiert sind, benachrichtigt das System automatisch einen Mitarbeiter“, erklärt Hopp.

Mobilität sei für Menschen eine wichtige Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben, betont Jacobs. Stürze seien in jedem Seniorenheim ein Problem. Durchschnittlich falle jede Person zwei Mal im Jahr – teils mit bösen Folgen. Es gebe Präventionsmaßnahmen, wie das Entfernen von Stolperfallen oder vorbeugende Gymnastik, um die Beweglichkeit zu erhalten. Doch das alles sei nicht ausreichend. Selbst wenn der Senior mit einem persönlichen Notrufmelder ausgestattet sei, sei er im Falle eines Sturzes nicht immer in die Lage, eigenständig selbst damit Hilfe zu holen, erklärt Jacobs. Das neue System, das bisher nur im Stift Tilbeck zum Einsatz kommt, gebe Bewohnern und Mitarbeitern gleichermaßen ein Stück mehr Sicherheit.

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