Do., 02.06.2016

Bahnpause endete vor 25 Jahren Dammbruch stoppt die Züge

Die Überführung in Davensberg (oben) wurde neu gebaut. Beim Damm wurden zwei Meter abgetragen und mit neuem Material frisch modelliert (links), dann wurde das Gleis neu verlegt (rechts).

Die Überführung in Davensberg (oben) wurde neu gebaut. Beim Damm wurden zwei Meter abgetragen und mit neuem Material frisch modelliert (links), dann wurde das Gleis neu verlegt (rechts). Foto: Deutsche Bahn

Ascheberg - 

Mit dem Bus nach Münster und Dortmund - Pendler erinnern sich noch genau daran, was ein Dammbruch ihnen eingebrockt hatte. 16 Monate war die Bahnstrecke gesperrt – bis zum 2. Juni 1991, heute vor 25 Jahren.

Von Theo Heitbaum

„Wir haben mit zwei Familien einen Ausflug gemacht. Es gab eine Sonderfahrt.“ Christiane Loddenkemper gehörte mit Sohn Jan zu den ersten Aschebergern, die kurz nach 12 Uhr mittags in den Zug nach Münster stiegen. Es ist eine historische Fahrt, denn mehr als ein Jahr ist kein Personenzug zwischen Lünen und Münster verkehrt. Der 2. Juni 1991, heute vor 25 Jahren, ist insbesondere für Pendler ein markantes Datum. Am Tag nach einem großen Bahnhofsfest in Ascheberg wird die Bahnstrecke wiedereröffnet. Den Bürgermeistern Willi Lülf (Werne), Josef Wierling (Capelle) und Dieter Heineke (Ascheberg) steht die Freude ins Gesicht geschrieben.

In den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts war der Damm mit Mergel für Züge gebaut worden, die 60 Stundenkilometer fuhren. Eine optimierte Gleisgeometrie erlaubte 1968 Geschwindigkeiten von 160 Stundenkilometern. Der Unterbau wurde nicht angepasst. Weil der Mergel im Laufe der Jahrzehnte zu einem bindigen Boden verwitterte, kam es schon in den 1950er Jahren zu Problemen, die in den 1970er Jahren durch den Einbau einer Kiesschicht angegangen wurden. Das reichte aber nicht. Starke Regenfälle und heftige Orkane sorgten im Januar und Februar 1990 dafür, dass Wasser in Hohlräume einsickerte. Und so wurde der 8. März 1990 zum schwarzen Tag für die Pendler. Der Damm rutschte auf 40 Meter direkt an den Schwellköpfen ab. Die Strecke wurde sofort gesperrt, zwischen Davensberg und Lünen verkehrten nur noch Busse. Einzig Güterwagen durften mit 30 Stundenkilometern vorläufig weiter fahren.

Die Bahn plante schnell und so wurden die Aufträge für die 18 Kilometer lange sanierbedürftige Strecke im Juli vergeben. Ziel war es, die Strecke zum Fahrplanwechsel am 2. Juni 1991 wieder zu eröffnen. Notwendig war es, ständig die Zufahrt zu einem Möbellager bei Werne offen zu halten. So wurde zuerst von Lünen bis zum Abzweig Möbellager, dann von dort bis Münster gebaut. Kritisch wurde es für den Zeitplan als im Februar 1991 eine vierwöchige Frostperiode die Arbeiten stoppte. Mit mehr Personal und Geräten wurde die verlorene Zeit aufgeholt, der 2. Juni 1991 als Tag der Wiedereröffnung gehalten.

Die obersten zwei Meter des Dammes wurden abgetragen, in Ascheberg findet sich einiges Material in Lärmschutzwänden an der Autobahn wieder. Nachdem der Damm neu modelliert war, wurden 18 Kilometer Gleise und acht Weichen neu erstellt. Ein sogenannter Niemagkran verlegte zwölf Meter lange vormontierte Gleisjoche.

In zehn Monaten wurden etwa 550 000 Kubikmeter Boden ausgetauscht. 25 000 Lkw-Fahrten waren notwendig, 22 Brückenbauwerke wurden saniert, die Überführung bei Davensberg teilweise und über die L 885 komplett erneuert. Der Bahn kosten die Arbeiten rund 70 Millionen Mark.

 

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