Mi., 01.06.2016

Beseitigen kostet viel Geld Aufkleber sind zur Plage geworden

Ein Rundgang vom Katharinenplatz über die Sandstraße, durch Frenkings Stiege und zurück zum Kirchplatz reicht für mindestens 50 Fotos von Aufklebern. Hier ist eine kleine Auswahl, bei der der Inhalt keine Rolle spielte.

Ein Rundgang vom Katharinenplatz über die Sandstraße, durch Frenkings Stiege und zurück zum Kirchplatz reicht für mindestens 50 Fotos von Aufklebern. Hier ist eine kleine Auswahl, bei der der Inhalt keine Rolle spielte. Foto: hbm

Ascheberg - 

Weil ein Schild zugeklebt war, musste die Gemeinde schon ein Knöllchen zurücknehmen. Die Klebewut sorgt auch wegen der entstehenden Kosten im Rathaus für - milde formuliert - großes Unverständnis.

Von Theo Heitbaum

1000 Stück für 60 Euro – Aufkleber drucken zu lassen, ist heutzutage einfach und günstig. Je höher die Auflage, desto geringer fällt der Stückpreis aus. Sehr zum Leidwesen der Gemeinde Ascheberg, denn die Aufkleber sind zu einer echten Plage geworden. Sie kleben überall, bevorzugt an Masten und auf Verkehrsschildern. „Das ist richtig teuer geworden“, stöhnt Rolf Kehrenberg vom Ordnungsamt der Gemeinde Ascheberg.

Besonders betroffen sind die Mitarbeiter des Bauhofes, die auf ihren Runden durch die drei Dörfer immer wieder Aufkleber entfernen müssen. „Sie haben permanent damit zu tun“, berichtet Christian Scheipers vom Bauamt der Gemeinde. Wenn die Aufkleber gerade erst angebracht wurden, lassen sie sich vergleichsweise leicht entfernen. Sitzen sie schon länger dort, wird es schwer. „Oft wird eine Folie, die auf dem Schild sitzt, beschädigt. Dann können wir es wegwerfen. Ein neues Schild kostet 70 bis 80 Euro, inklusive der Arbeit sind wir schnell bei 150 Euro“, rechnet Kehrenberg den finanziellen Schaden vor. Christian Scheipers ergänzt, dass die Bauhof-Mitarbeiter Schilder neuerdings austauschen und im Bauhof versuchen, sie mit einem speziellen Reinigungsmittel zu säubern. Wunder können aber auch die Männer dort nicht bewirken.

Seit dem vergangenen Sommer breiten sich die Aufkleber in allen drei Orten aus. Zu finden sind auf ihnen Fußballthemen, politisch motivierte Aufrufe oder Hinweise auf Musikgruppen. Dort, wo die Klebewut eskaliert, sind Verkehrsschilder teilweise nicht mehr zu sehen. „Wir mussten schon ein Knöllchen zurücknehmen. Eine Frau, die auf einem Behindertenparkplatz geparkt hatte, hat behauptet, sie habe das Schild nicht lesen können“, nennt Kehrenberg ein Beispiel, wohin der vermeintliche Spaß führen kann. Dem Ordnungsamtsleiter ist darum der Spaß vergangen: „Das ist eine massive Sachbeschädigung. Wir haben einige schon zur Anzeige gebracht.“ Kehrenberg ist nach einem Hinweis aus der Bevölkerung auch schon einmal losgefahren, um einen Kleber auf frischer Tat zu ertappen. „Ich war leider zu spät“, ärgert sich der Ordnungsamts-Chef, der die lästigen Botschaften nicht mehr toleriert. Weil die Klebewut Ärger und Arbeit bringt, dazu die Gemeinde Geld kostet, wünscht Kehrenberg sich, dass die Menschen in den drei Orten mit offenen Augen durch die Straßen gehen und dem Amt Hinweise auf Täter liefern. „Wenn man genau hinschaut, sind einige Aufkleber so hoch angebracht, dass die Leute ein Trittbrett oder eine Leiter benutzt haben müssen“, hofft Kehrenberg auf Hinweise, denn seit dem vergangenen Sommer sind die klebenden Botschaften im Ortsbild fast explodiert. Der Ordnungsamtsleiter berichtet: „Wir haben gerade eine Meldung aus Davensberg bekommen. Da hat jemand am Brabender Weg gewütet. Das ist ein ruhiger Straßenzug am Ortsrand.“

Auf ein freiwilliges Abflauen des Phänomens mag Kehrenberg nicht hoffen. Dort, wo ein BVB-Aufkleber neu ist, ist eine königsblaue Antwort nicht weit entfernt. Das gilt ähnlich für andere Bereiche.

Wie sehr die Verwaltung des Themas überdrüssig ist und wie intensiv man die Klebewut bekämpfen möchte, zeigen Überlegungen, für Hinweise Belohnungen auszusetzen.

Beim Blick auf die steigenden Aufkleber geht es übrigens weniger um den Inhalt oder die Botschaft, die bis auf Ausnahmen erträglich sind.

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