Do., 02.06.2016

Land unter am Niederrhein Katastrophenfall wurde ausgerufen: Damm in Hamminkeln bedroht

Land unter am Niederrhein  : Katastrophenfall wurde ausgerufen: Damm in Hamminkeln bedroht

Feuerwehrleute gehen in Hamminkeln auf einem vom Fluss Issel überfluteten Weg. Foto: dpa

Hamminkeln/Wesel - 

(Aktualisiert: 11.25 Uhr) Nach anhaltendem Regen musste in Hamminkeln am Donnerstagmorgen der Katastrophenfall ausgerufen werden, weil ein Damm zu brechen drohte. Die Feuerwehr war in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag im Kreis Wesel im Dauereinsatz.

Von dpa, Ludwig van der Linde

Die Bilder sind bekannt, aber die Geschwindigkeit ist dieses Mal überraschend: Innerhalb weniger Stunden hat das Unwetter weite Teile des nördlichen Niederrheins unter Wasser gesetzt. Keller liefen voll, Straßen wurden überflutet.  

In Hamminkeln musste am frühen Donnerstagmorgen der Katastrophenfall ausgerufen werden, weil der Isseldamm im Bereich Ringenberg zu brechen drohte. Die Issel erreichte in der Nacht zum Donnerstag in Hamminkeln einen Pegelstand von zirka 2,10 Metern, das sei 1,5 Meter höher als normal, sagte ein Sprecher des Krisenstabs.

Fotostrecke: Unwetterfolgen am Niederrhein

Bei einem Bruch des Dammes sei ein Gewerbegebiet betroffen. Hunderte von Rettern leisteten in der Nacht und am Morgen Schwerstarbeit. Derzeit versuchen Helfer, mit Sandsäcken den Damm zu stabilisieren. Derzeit werden 20.000 Sandsäcke für den Einsatz vorbereitet und dorthin verbracht, teilt der Kreis Wesel mit. Der Issel-Damm bei Hamminkeln soll wegen des Hochwassers angebohrt werden. In den nächsten Tagen sind die Schäden dort wohl nicht zu beseitigen.

Die starken Regenfälle hatten bereits in den vergangenen Tagen zum starken Anstieg des Flusses und zu zahlreichen Überschwemmungen geführt.

Feuerwehr-Unterstützung aus dem Ruhrgebiet

Besonders betroffen vom Starkregen seien auch die Innenstadtbereiche von Sonsbeck und Xanten. In den Einsatzgebieten seien derzeit 650 Einsatzkräfte aus dem gesamten Kreis Wesel im Einsatz; weitere 350 Einsatzkräfte sollen hinzukommen. Zur Unterstützung wurde eine Feuerwehrbereitschaft aus den Bereichen der Städte Oberhausen, Essen und Mühlheim angefordert. „Die Lage der Bevölkerung ist angespannt, aber nicht kritisch“, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Der Krisenstab tagt seit 2.20 Uhr im Kreishaus in Wesel.

Am Donnerstagmorgen entspannte sich die Lage zunächst. Der Deutsche Wetterdienst erwartete zwar weiter länger anhaltenden starken Regen, von einem weiteren Unwetter sei aber zunächst nicht auszugehen.

Polizei und Feuerwehr rückten zu etwa 400 bis 500 Einsätzen am Tag aus. Zahlreiche Keller liefen voll, Straßen waren überflutet.

Hochwasseralarm im Raum Bocholt

In der Nacht zu Donnerstag ist es vor allem im südlichen Bereich Bocholts zu Überschwemmungen gekommen. Der Schwerpunkt liegt dabei im Bereich Biemenhorst und Mussum, teilt die Stadt Bocholt mit. In Isselburg wurde am Donnerstagmorgen Hochwasseralarm ausgelöst. Der Krisenstab ist um sieben  Uhr im alten Rathaus in Isselburg zusammengekommen. In Ringenberg droht offenbar ein Damm zu brechen.

In Bocholt habe es in der Nacht zwischenzeitlich 142 Einsatzstellen gegeben, berichtet die Stadt in einer Pressemitteilung. Neben zahlreichen Kellern in dem Bereich seien vor allem die Alemannenstraße, Reiherstraße, Weseler Landweg und Zum Waldschlösschen betroffen. Die Alemannenstraße sei zum Teil unterspült.

Auch wenn das Wasser rückläufig sei, gehe die Feuerwehr davon aus, dass noch weitere Einsatzstellen gemeldet wurden.

Hinweise der Feuerwehr

Die Feuerwehr bitte die Bevölkerung in dem betroffenen Bereich die Keller zu kontrollieren, die Keller aber nicht zu betreten, sollten diese voller Wasser sein, heißt es weiter. Sollte Hilfe benötigt werden, können sich die Betroffenen unter der Telefonnummer 02871/2103-0 bei der Feuerwehr melden.

Seit sieben Uhr hat die Stadt Bocholt für die Lage zum Starkregen ein Bürgertelefon eingerichtet. Unter der Telefonnummer 2103-111 stehen Stadtverwaltung und Feuerwehr für Anfragen und Mitteilungen zur Verfügung, teilt die Pressestelle der Stadt mit.

In Anholt, Werth und Isselburg wurde kurz nach sechs Uhr Sirenenalarm ausgelöst. Alle Feuerwehren der Ortsteile, die auch schon teilweise nachts unterwegs waren, befinden sich seitdem in Bereitschaft. „Um sieben Uhr trifft sich der Krisenstab. Dort wird alles weitere besprochen“, sagte Isselburgs Löschzugführer Michael Bonnes auf Anfrage unserer Redaktion.

Laut dem Radiosender WMW bleiben die Kindergärten und die Grundschulen in Isselburg am heutigen Donnerstag geschlossen.

Regionalzug blieb im Schlamm stecken 

Der starke Regen verursachte in weiteren Teilen im Westen von Nordrhein-Westfalen schwere Schäden: Bei Xanten steckte ein Regionalzug zeitweise im Schlamm auf den Gleisen fest. Der Zug habe aber aus eigener Kraft zum nächsten Bahnhof fahren können. Die Bahnstrecke wurde gesperrt. Die Bahnstrecke Richtung Duisburg bleibt zwischen Xanten und Millingen voraussichtlich mehrere Tage gesperrt.

Ebenfalls  im Raum Xanten saßen Schüler auf einem Bauernhof fest, weil die Wassermassen die Zufahrtsstraßen unpassierbar gemacht hatte. „Es war aber weniger dramatisch, es sind alle wieder zu Hause“, sagte ein Feuerwehrsprecher am Donnerstagmorgen. In Xantens historischer Altstadt fließt das Wasser nicht ab.

Auch in Düsseldorf war  die Feuerwehr wegen des heftigen Unwetters im Dauereinsatz: Bis in die Nacht zum Donnerstag gab es rund 420 Einsätze. Die Autobahn 46 musste dort gesperrt werden. Viele innerstädtische Straßen wurden ebenfalls überflutet.

Regengüsse in NRW

Das Münsterland blieb hingegen trotz vorheriger Unwetterwarnung überwiegend verschont: So musste die Feuerwehr im Kreis Warendorf beispielsweise nur zu zehn Einsätzen ausrücken.

Die Regenmengen fielen seit Mittwochabend sehr unterschiedlich aus, hieß es beim Deutschen Wetterdienst. Die Innenstadt von Düsseldorf sowie die südlichen und östlichen Stadtteile bekamen zum Beispiel besonders viel Wasser ab. Dagegen regnete es über dem nördlich gelegen Flughafen nur mäßig.

Während in Dormagen und vielen anderen Städten Ausnahmezustand herrschte, waren Städte wenige Kilometer entfernt kaum betroffen. In Mönchengladbach gab es nach Polizeiangaben überhaupt keine Unwetterschäden.

Keine Unwetter-Opfer

Bei den schweren Regenfällen am Niederrhein sind nach Angaben von Innenminister Ralf Jäger (SPD) bisher keine Menschen zu Schaden gekommen. Es seien aber „erhebliche Sachschäden“ besonders in Hamminkeln zu erwarten, sagte Jäger am Donnerstag im Innenausschuss des Landtags. Der Issel-Damm bei Hamminkeln solle wegen des Hochwassers angebohrt werden. In den nächsten Tagen seien die Schäden dort wohl nicht zu beseitigen.Schwere Regenfälle hatten in der Nacht zum Donnerstag in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens zu Überschwemmungen geführt. In Hamminkeln musste am frühen Morgen der Katastrophenfall ausgerufen werden, weil der Damm zu brechen drohte. Hunderte Rettungskräfte waren im Einsatz.

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