Di., 18.10.2016

Entscheidung der zuständigen Gremien Gemeinde gewährt Kirchenasyl

Jutta Lis vom Netzwerk Kirchenasyl aus Münster ist bereits seit einigen Tagen in den Fall eingebunden. Das Netzwerk unterstützt die Kirchengemeinde bei dem Thema.

Jutta Lis vom Netzwerk Kirchenasyl aus Münster ist bereits seit einigen Tagen in den Fall eingebunden. Das Netzwerk unterstützt die Kirchengemeinde bei dem Thema. Foto: Große Hüttmann

Telgte - 

Die Pfarrgemeinde St. Marien gewährt seit dem Wochenende einer Flüchtlingsfamilie ein vorübergehendes Kirchenasyl in einer Wohnung der Gemeinde.

Von A. Große Hüttmann

Die Pfarrgemeinde St. Marien gewährt seit dem Wochenende einer Flüchtlingsfamilie ein vorübergehendes Kirchenasyl in einer Wohnung der Gemeinde. „Nach intensiver Prüfung haben Pfarreirat und Kirchenvorstand diese Gewissensentscheidung getroffen“, heißt es in einer Stellungnahme.

Bislang war die Familie, der Vater stammt aus Syrien, die Mutter aus Marokko, in einer städtischen Unterkunft untergebracht. Ihr habe die baldige Abschiebung gedroht. Betreut würden die vier Personen von einem „namentlich bekannten Unterstützerkreis“, so Vertreter der Kirchengemeinde. Zudem ist das Netzwerk „Kirchenasyl“ aus Münster involviert.

Gesundheitliche Probleme 

„Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagt Dieter Köcher, Vorsitzender des Pfarreirates. Mehrfach hätten die zuständigen Gremien und Ausschüsse zusammengesessen und den Fall beraten. Dabei gebe es verschiedene Fakten, die für eine besondere Härte sprächen, betonen die Gemeindevertreter unisono. Unter anderem seien dies gesundheitliche Probleme bei einem Familienmitglied.

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Zudem bestehe bei einer Abschiebung nach Spanien – dort hatte die Familie erstmals europäischen Boden betreten – die Gefahr, dass Vater, Mutter und Kinder aufgrund verschiedener Staatsbürgerschaften getrennt werden könnten.

Manfred Dierkes, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes, spricht mit Blick auf das Kirchenasyl von „einer zweiten Chance für die Familie“. Mit Hochdruck sei das Netzwerk Kirchenasyl derzeit dabei, ein sogenanntes Härtefall-Dossier zu erstellen und es noch in dieser Woche den entsprechenden Behörden zukommen zu lassen.

Christliche Notwendigkeit

Darin würden noch einmal detailliert alle Aspekte aufgelistet, die die außergewöhnliche Härte dieses Falles dokumentierten. „Wir versuchen so zu erreichen, dass der Fall der Familie noch einmal aufgerollt und bewertet wird“, sagt Dieter Köcher, der in diesem Zusammenhang auch von einer christlichen Notwendigkeit spricht.

Wert legen alle Vertreter der Gemeinde darauf, dass alle zuständigen Behörden und das Bistum Münster informiert seien. Im gegenseitigen Einvernehmen solle die Angelegenheit jetzt weiter angegangen werden.

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