Di., 18.10.2016

Fedor im Allwetterzoo Der Neue in der Tiger-WG lebt sich langsam ein

Fedor auf der Außenanlage: Seit etwa acht Wochen darf der Tiger, der Anfang Juli neu in den Allwetterzoo Münster kam, raus.

Fedor auf der Außenanlage: Seit etwa acht Wochen darf der Tiger, der Anfang Juli neu in den Allwetterzoo Münster kam, raus. Foto: Gunnar A. Pier

Münster - 

Seit dreieinhalb Monaten lebt der Tiger Fedor im Allwetterzoo. Nach einigen Wochen im Haus darf er inzwischen auch auf die Außenanlage. So langsam gewöhnt er sich an die neue Umgebung - aber seine WG-Kameradin, Tigerin Nely, durfte er noch nicht treffen. Ein Besuch im Zoo.

Von Gunnar A. Pier

Als Fedor zum ersten Mal das Tiger-Haus verlässt, um das Außengelände seines Reviers zu erkunden, steht er plötzlich mit beiden Vorderpfoten im Wasser. Mit Pflanzen zugewachsene Wasserflächen kannte er offenbar noch nicht. Da schreckte Fedor zurück und blieb die nächsten Tage dem Ufer ehrfürchtig fern.

Dr. Dirk Wewers muss noch heute schmunzeln, wenn er von der Szene erzählt. Er ist Kurator im Allwetterzoo – und sehr zufrieden mit seinem prominenten Neuzugang. Am 5. Juli kam Fedor aus dem Zoo im niederländischen Amersfoort nach Münster. Gut zwei Jahre ist er alt und hatte sich an sein Umfeld in Amersfoort gewöhnt. Plötzlich war alles neu. Deshalb beschrieb Carin Fels, Leiterin des Katzenhauses, seine Stimmung bei der Ankunft als „hysterische Panik. Der ist durchgedreht.“

Fotostrecke: Fedor - Der neue Tiger im Allwetterzoo Münster

Doch das ist lange her. Inzwischen scheint Fedor in Münster angekommen zu sein. Die ersten Wochen verbrachte er im Innenbereich der Tiger-Anlage. „Am Anfang war er sehr nervös. Wenn ich da war, hat er sich gewundert, warum jemand so nah ans Gitter kommt“, erinnert sich Tierpfleger Alexander Dietrich. „Aber jetzt weiß er, dass ich nur mit dem Schlauch sauber mache – das interessiert ihn gar nicht mehr.“ Ein gutes Zeichen, finden die Fachleute. Fedor kennt seine Tierpfleger: Er reagiert auf sie anders als auf andere Menschen.

Tierpfleger Alexander Dietrich (links), Kurator Dr. Dirk Wewers und die anderen Mitarbeiter im Katzenhaus fiebern dem Tag entgegen, an dem die beiden Tiger aufeinandertreffen.

Tierpfleger Alexander Dietrich (links), Kurator Dr. Dirk Wewers und die anderen Mitarbeiter im Katzenhaus fiebern dem Tag entgegen, an dem die beiden Tiger aufeinandertreffen. Foto: Gunnar A. Pier

Deshalb darf der Neue seit einigen Wochen auf die Außenanlage. „Die ersten beiden Tage ist er alles abgelaufen“, berichtet Kurator Wewers. Jeden Stein, jeden Strauch, jede Ecke und das Bambus-Dickicht inspizierte er. „Besonders die Urinstellen waren wichtig.“

Was die Eingewöhnung schwierig macht: Da sind noch Düfte übrig von seinem Vorgänger Rasputin, der wegen eines Tumors eingeschläfert werden musste. Und überall riecht es nach Nely, dem Tiger-Weibchen im münsterischen Zoo.

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Richtig kennengelernt haben sich die beiden Bewohner der Tiger-WG noch nicht. Auf der Außenanlage wechseln sie sich ab, nur während der Fütterungen im Tiger-Haus sehen und riechen sie sich – durch ein dickes Gitter getrennt. „Nely hat ihn am Anfang nicht so toll gefunden“, sagt Pfleger Dietrich trocken. Inzwischen ist sie weniger aggressiv, Fedor bleibt sogar in Riechweite seiner künftigen Gehege-Kameradin ganz gelassen.

Fotostrecke: Herbst im Allwetterzoo Münster

Die Mitarbeiter im Katzen-Haus sehen nun mit Spannung dem Tag entgegen, an dem die beiden zum ersten Mal im Freigehege wirklich aufeinandertreffen. Mitte November könnte es so weit sein. „Das gibt auf jeden Fall einen Adrenalinschub“, gesteht Wewers. Werden sie klarkommen, werden sich sich anfreunden, werden sie gar ein Paar? Klar ist: Der Showdown findet in den frühen Morgenstunden statt – wenn noch kein Publikum durch den Zoo streift.

Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm

Nachdem im Februar 2016 der Tiger Rasputin wegen eines Tumors eingeschläfert werden musste, machte sich der Allwetterzoo Gedanken über ein neues Tier, damit die verbleibende Tigerin Nely nicht allein bleibt. Bei der Suche nach einer geeigneten Großkatze hilft das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP). Ein für Tiger zuständiger Mitarbeiter in Großbritannien kennt die Tiere in europäischen Zoos und kann passende Exemplare empfehlen.

Geld fließt für den Wechsel dieser Tiere in der Regel nicht. Sie bleiben Eigentum des Zoos, in dem sie geboren wurden, und werden – rein rechtlich – als Dauerleihgabe abgegeben.

Eine Zucht ist in Münster übrigens nicht möglich, weil sich herausgestellt hat, dass ein Vorfahre von Amurtigerin Nely nicht reinrassig war. Damit gilt auch Nely nicht als reinrassig – da sind die Regeln streng. 

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