Mi., 30.11.2016

Diskothek "Linus" „Exotische“ Gäste mitunter unerwünscht

Happy Hour – aber offenbar nicht für alle: Ein Türsteher des „Linus“ soll Gästen offensichtlich ausländischer Abstammung den Zutritt verwehrt haben.

Happy Hour – aber offenbar nicht für alle: Ein Türsteher des „Linus“ soll Gästen offensichtlich ausländischer Abstammung den Zutritt verwehrt haben. Foto: Edler

Warendorf - 

Eine Gruppe Jugendlicher will das "Linus" in Warendorf betreten - doch dem dunkelhäutigen Tiratu wird der Zutritt verweigert. Jens und Sebastian hingegen dürfen rein. Als Begründung gibt der Türsteher an, er kenne Tiratu nicht.

Zu dritt wollten die Freunde kürzlich in Warendorf den Abschluss ihres Praktikums und damit der gemeinsamem Zeit feiern: Jens aus Dänemark, Sebastian aus Bochum und Tiratu aus Äthiopien. So weit, so gut. Als der Abend länger wird und die Auswahl an offenen Clubs kleiner, steuern die Drei das „Linus“ an. Aber die Party findet ein jähes Ende, so erzählt es der Bochumer Student Sebastian Krull.

Denn als die Gruppe das Linus betreten will, wird dem dunkelhäutigen Tiratu der Zutritt verweigert. Jens und Sebastian hingegen dürfen rein. Als Begründung gibt der Türsteher an, er kenne Tiratu nicht und müsse mit dem Geschäftsführer klären, ob Fremde hinein dürften. Den Geschäftsführer bekommt Krull nicht zu Gesicht, dieser lehnt aber offenbar ab. Tiratu muss draußen bleiben. So schildert es Sebastian Krull.Auch er und Jens sind vorher nie in dem Club gewesen. Krull vermutet hinter der Abweisung einen Grund: Rassismus. Als der Bochumer Student danach selbst mit dem Geschäftsführer sprechen will, wird auch ihm der Zutritt verwehrt.

Während sich die Verantwortlichen des "Linus" auf Anfrage der WN zu diesem Fall nicht äußerten – die Betreiberin war nicht erreichbar, ein Mitarbeiter nicht zu einer öffentlichen Stellungnahme bereit – weiß Krull von anderen Gästen, die an besagtem Abend ähnliche Erlebnisse schilderten. Personen, die offensichtlich ausländischer Abstammung sind, werde unabhängig davon, wo sie geboren sind und welche Sprache sie sprechen, häufiger der Zutritt verweigert.

Spielen Türsteher, die man sich gerne kantig und mies gelaunt vorstellt, einfach ihre Macht aus? Schließlich dürfen sie entscheiden, wer rein darf und wer draußen bleiben muss. Das ist nicht nur im "Linus" so, sondern auch in anderen Clubs. Von reiner Willkür kann allerdings wohl nicht die Rede sein. Es gibt Kriterien, nach denen Türsteher über „Rein“ oder „Raus“ entscheiden.

Im Club Bar-Barbarossa zum Beispiel gibt es für zu stark alkoholisierte Gäste keinen Zutritt. Außerdem werde auf einen gepflegten Eindruck geachtet, erklärt Inhaber Zoran Marjanovic. Diskussionen, weil sich Gäste der „Willkür“ der Türsteher ausgesetzt fühlten, gebe es auch in der Bar-Barossa, aber selten. Zwei Mal habe er die Polizei rufen müssen, weil Feierwütige für Stress sorgten. „Da mischen wir uns gar nicht ein“, sagt Marjanovic, der in fünf Jahren sonst keine Eskalationen erlebt hat.

Auch im „Mr. Ed’s“ gibt es Security-Personal, das die Kontrolle behalten soll, wenn Gäste beim Feiern ihre Kontrolle verlieren. Rein darf grundsätzlich jeder, das Sicherheitspersonal ist hauptsächlich dafür da, Ruhestörungen der Nachbarn durch Kneipen-Gäste zu vermeiden. Trinkt jemand über den Durst und wird aggressiv, ist die Party im „Mr. Ed’s“ für ihn vorbei. Da machen die Security-Leute oder Inhaber Ralf Friedrich kurzen Prozess: „Das macht keinen Sinn, herumzudiskutieren.“ Am nächsten Tag zeigten die Betroffenen meist Verständnis für den Rauswurf.

Mit einigen Flüchtlingen habe es anfänglich Stress gegeben, weil sie etwas zu aufdringlich gewesen seien, erzählt Friedrich. Er habe sie sich zur Brust genommen und eingenordet. Die Situation sei nun entspannt: „Einer der Flüchtlinge gehört mittlerweile zu den Stammgästen.“

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