Do., 01.12.2016

Tierquälerei Lebenslanges Tierhaltungs-Verbot für Landwirtin

Tierquälerei : Lebenslanges Tierhaltungs-Verbot für Landwirtin

Das Amtsgericht Tecklenburg hat eine 73-Jährige zu einer Strafe von 900 Euro und einem lebenslangen Tierhaltungs-Verbot verurteilt. Foto: dpa

Lienen - 

Zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je zehn Euro hat das Amtsgericht Tecklenburg am Mittwoch eine Landwirtin aus Lienen verurteilt. Ferner belegte es die 73-Jährige mit einem lebenslangen Verbot der Haltung und Betreuung von sowie des Handels mit Nutztieren. 

Von Dietlind Ellerich

Die Frau hatte nicht nur Rinder gehalten, obwohl es ihr in einer Ordnungsverfügung im Jahr 2007 verboten worden war, sondern hatte die Tiere auch derart verwahrlosen lassen, dass eines eingeschläfert werden musste.

Zwei Tierärzte, die den Hof der Lienenerin im Mai dieses Jahres aufgrund einer Tierschutzanzeige aufgesucht hatten, schilderten vor Gericht den erbärmlichen Zustand der Rinder. Sie erinnerten sich an dehydrierte und abgemagerte Tiere. „Die Ketten um den Hals waren eingewachsen, eitrige Geschwüre hatten sich gebildet“, sagte ein 55-Jähriger aus. „Eine festliegende Kuh hatte Druckstellen“, ergänzte seine 31-jährige Kollegin. Beiden war aufgefallen, dass es keinen Wasseranschluss in der Nähe der Tiere gab, nicht einmal leere Eimer hätten darauf hingewiesen, dass die Tiere regelmäßig getränkt würden. Zudem habe sich die Tierhalterin nicht einsichtig gezeigt.

Die Angeklagte als Halterin der Rinder zeigte sich auch vor Gericht uneinsichtig und widersprach den Zeugen vehement. Sie habe die Tiere, die einem Bekannten gehörten, ordnungsgemäß gepflegt und sie mit Futter und Wasser versorgt, beteuerte sie immer wieder. Videos und Fotos, die die Tierärzte im Mai aufgenommen hatten, sprachen eine andere Sprache.

„Sie haben die Tiere so gehalten, dass diese langfristig unnötige Leiden zu ertragen hatten“, machte der Richter der Frau deutlich, dass es für die gravierende Verletzung ihrer Verpflichtung als Tierhalterin nicht mit einer geringen Geldstrafe getan sei. 50 Tagessätze hatte der Vertreter der Staatsanwaltschaft gefordert, das Gericht erhöhte auf 90. „Wichtiger ist mir aber, dass Sie in Zukunft keine Tiere halten“, begründete er das verhängte Verbot. Sie sei offensichtlich schon lange mit der Versorgung des Hofes überfordert gewesen, habe aber nicht die Konsequenzen gezogen und die Tiere abgegeben.

Dieser Schritt erfolgte erst nach dem Besuch der Amtstierärzte im Mai dieses Jahres. „Wir haben darauf gedrängt, die Tiere zu verkaufen, bevor die Behörde sie entzieht“, sagte der Tierarzt aus. Seines Wissens nach erfolgte der Verkauf der Tiere noch am selben Tag.

Der Eigentümer der Rinder, ein 81-jähriger Mann aus Lienen, schien ebenfalls überfordert mit der Situation auf dem Hof gewesen zu sein, ebenso vor Gericht. Er beteuerte, das Veterinäramt des Kreises Steinfurt habe die Haltung der Tiere auf dem Hof trotz der Verfügung gegen die Halterin in Ordnung gefunden. Das mochte indes der Richter kaum glauben.

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