Do., 22.06.2017

Olympiastützpunkt: Schieß-Sport-Club Schale setzt gewaltiges Projekt um 13 000 Sattelzüge Erde abgekippt

Aus der Höhe noch am besten erkennbar, was der Schieß-Sport-Club Schale auf die Beine stellt. Am unteren Bildrand ist der gigantische Erdwall der Ostseite zu sehen, der Richtung Westen weitergeführt wird. Bei diesen Dimensionen wirken die Lastwagen und Bagger wie Spielzeugautos in der Sandkiste.  

Aus der Höhe noch am besten erkennbar, was der Schieß-Sport-Club Schale auf die Beine stellt. Am unteren Bildrand ist der gigantische Erdwall der Ostseite zu sehen, der Richtung Westen weitergeführt wird. Bei diesen Dimensionen wirken die Lastwagen und Bagger wie Spielzeugautos in der Sandkiste.   Foto: Stefan Nieland

Hopsten-Schale - 

Wer diesen gewaltigen Erdwall zwischen Hopsten und Schale zum ersten Mal von der Landstraße aus sieht, der staunt nicht schlecht: Was kann das nur sein, was da auf platter Ebene so weit herausragt? Nach zweieinhalbjähriger Bauzeit an der neuen Schießsportanlage sind die Fortschritte nicht mehr zu übersehen. Der anerkannte Olympiastützpunkt des Westfälischen Schützenbundes nimmt Gestalt an.

Von Stephan-Beermann

Wie Spielzeugautos in der Sandkiste sehen die großen Lastwagen aus, die unablässig, Woche für Woche neues Erdreich heranschaffen und den Schallschutzwall wachsen lassen. Bis zu 200 Sattelzüge pro Woche, schätzt Tino Wenzel, der 2. Vorsitzende des Schieß-Sport-Clubs Schale. Er und Vorsitzender Rüdiger Bellersheim sind die treibende Kraft eines Großprojekts, finanziert aus Mitteln der Sportförderung von Bund und Land und aus den Erträgen der Bodenannahme. Es dürfte nicht allzu viele geben, die ehrenamtlich so eine Stange Geld in die Hand nehmen: mehr als drei Millionen Gesamtkosten, davon übernimmt der Verein mehr als 800 000 Euro.

Die Vorstände sehen das offensichtlich recht entspannt. Klar, es gab anfangs einige Verzögerungen. Aber seit Baubeginn März 2015 geht alles nach Plan, sagen sie. Die Materialanlieferung ist aus Vereinssicht entscheidend für die Kalkulation: Jeder Lastwagen, der das Material „Boden mit Stein“ anliefert, spült auch Geld in die Vereinskasse oder deckt den Eigenanteil. Rund 13 000 Sattelzüge, so schätzt Wenzel, seien bislang abgekippt worden. Das meiste komme aus dem Osnabrücker Land, darunter eine Menge Verfüllung der Nachkriegszeit.

Für die Konstruktion des Walls – eine Wissenschaft für sich – sei das Material ideal. Der Wall ist an seiner Ostseite 20 Meter hoch, steigt auf der Nordseite sogar auf bis zu 24 Meter. Hier wird nicht einfach abgekippt, das ist eine Angelegenheit für den Bauwerkstatiker. „Im Grunde ein Bauwerk“, meint Wenzel.

Vier Schießstände sind geplant, also zwei mehr als bislang. Im Sommer 2018 soll das Bauprojekt beendet sein. Aber schon ab Herbst sollen die beiden neuen Schießstände in Betrieb genommen werden. Die Wurfanlagen aus Finnland für die Tontauben sind bereits installiert. Erstaunlich, dass die Erweiterung bei laufendem Betrieb erfolgt. „Arbeit und Schießen läuft harmonisch immer in Absprache“, sagt Wenzel. Wenn die neuen Stände in Betrieb sind, wird auf der Seite der beiden alten Stände weitergearbeitet.

Schale ist bereits Bundesstützpunkt und Landesleistungszentrum. Angedacht ist auch ein Anschluss an die Sportfördergruppe der Bundeswehr in Warendorf. Trotz aller Förderung für die sportliche Disziplin Wurfscheibe Skeet und Trap ist nicht jede Investition automatisch förderfähig. Die 235 Vereinsmitglieder aus einem Umkreis von bis zu 200 Kilometer sind gefordert, etwa durch Eigenleistung.

Für Gäste, speziell für Jäger, dürfte auch der geplante Jagdparcours in vereinfachter Form des Compak-Sportings von großem Interesse sein. Es handelt sich um eine neue Disziplin des Deutschen Schützenbundes. Für die Schützen, so Wenzel, erhöht sich dadurch der Spaßfaktor.

Es bedeutet aber nicht, dass der Schießbetrieb erweitert wird: „Nicht die Nutzung, sondern die Disziplinvielfalt erhöht sich dadurch“, sagt Bellersheim

Der Schieß-Sport-Club Schale hat noch einiges vor sich. Für das geplant Funktionsgebäude, das die alte Holzbaracke ersetzen soll, sind die Fundamente gesetzt. Eine Anlage fürs Kugelschießen steht im nächsten Jahr auf dem Programm. In Schale, so scheint es, bauen sie so etwas ganz nebenbei.

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