Mi., 04.10.2017

Rapper Metrickz aus Hörstel im Interview Im Alleingang an die Spitze

Rapper Metrickz aus Hörstel im Interview: Im Alleingang an die Spitze

Nicht nur am Mikro, auch im Fitnessstudio gibt Metrickz alles: Der 26-Jährige trainiert täglich zwei Mal. Foto: privat

Hörstel - 

Er rappt, seit er 16 ist: Metrickz alias David Orhan Hänsel aus Hörstel hat sich seit Langem ganz der Musik verschrieben. Schon 2015 feierte er mit seinem zweiten Album den Durchbruch. Seitdem ging es für den heute 26-Jährigen steil bergauf. Höhepunkt bislang: Der Neueinstieg seines Albums „Xenon“ auf Platz drei der deutschen Album-Charts.

Von Linda Braunschweig

Ein Interview mit dem viel beschäftigten Musiker zu bekommen ist gar nicht so leicht. Metrickz bleibt dem Rampenlicht meist fern. Mit Redakteurin Linda Braunschweig sprach er dennoch über seinen Erfolg, Vorbilder, den Alltag als Musiker und Neider.

Zunächst mal Glückwunsch: Ihr Album „Xenon“ ist auf Platz drei der deutschen Album-Charts eingestiegen. Ihr höchster Neueinstieg bislang. Wie fühlt sich das an?

Es ist ein tolles Gefühl, wenn man plötzlich auf der Startseite der offiziellen Charts steht und Top-3-Künstler ist. Es macht mich sehr stolz, dass ich diese starke Platzierung ohne jegliche Hilfe oder Support anderer Portale oder Künstler erreicht habe. Denn es gibt keine Feats oder Kooperationen, das haben wir ganz alleine geschafft.

Sie arbeiten hart an Ihrem Erfolg. Das meiste machen Sie dabei im Alleingang. Warum?

Ich habe früher versucht, mit vielen Labels zu arbeiten, aber niemand hat an mich geglaubt, niemand wollte mich anhören, deswegen mache ich, was ich mache, ganz alleine. Aus Prinzip.

Wie entstehen Ihre Songs? Woher nehmen Sie die Inspiration für Ihre Texte?

Was ich in meinen Songs sage, spiegelt mein Leben und meinen Lifestyle wider. Alle Songs entstehen bei mir zu Hause. Manchmal schreibe ich Skizzen, wenn ich unterwegs bin. Vieles entsteht auch im Auto. Ich fahre viel durch meine Stadt, nur um nachzudenken. Es beruhigt mich und ich brauche das irgendwie. Viele Skizzen entstehen so, die ich dann ins Handy rappe oder aufschreibe und zu Hause ausarbeite.

Ihre Bekanntheit haben Sie sich vor allem im Internet erarbeitet – wie schwer war das?

Ich mache das, seitdem ich 16 Jahre alt bin, also dementsprechend hat es schon einige Zeit in Anspruch genommen.

In der aktuellen Single „Weihrauch“ geht’s auch um Neid. Bekommen Sie den angesichts Ihres Erfolgs gerade zu spüren?

Ja, ich werde oft mit Menschen konfrontiert, die mich das spüren lassen. Ich finde das schade, weil ich selbst überhaupt nicht so bin. Wenn jemand mehr als ich hat, nehme ich das als Motivation. Ich denke mir dann: Es ist noch so viel Luft nach oben und ich muss härter arbeiten. Ich habe Respekt vor so etwas und würde selbst niemals jemanden, der etwas gerissen hat, versuchen, niederzumachen.

Der Text der aktuellen Single „Weihrauch“ ist bisweilen hart, die Klänge dazu sind dagegen eher sphärisch. Das Video zeigt Sie durchaus auch nachdenklich. Wie viel vom echten David Hänsel steckt da drin?

Das, was man dort sieht und hört, bin zu 100 Prozent ich.

In Ihren Texten geht’s ums Geld verdienen, um Frauen, Sex und Prestigeobjekte. Typisch Rap mag mancher sagen. Ist das so? Muss man dieses harte Image als Rapper pflegen?

 „Xenon“ ist ein hartes Album, weil ich zu der Zeit, als ich es geschrieben und aufgenommen habe, wütend und enttäuscht war. Ich wurde von meiner damaligen Freundin verraten, von vielen Freunden hintergangen und Menschen um mich herum haben sich als Fake entpuppt. Mein Lifestyle bestand darin, jeden Abend neue Frauen zu treffen. Ich glaube, deswegen klingt es so wütend und kalt. Aber ich glaube nicht, dass man als Rapper hart sein muss. Es ist viel wichtiger, authentisch und echt zu sein.

Wie sieht ein typischer Tag im Leben von Metrickz aus?

Ich stehe um 10 Uhr auf und fahre in mein Fitnesscenter, um Cardio auf nüchternen Magen zu trainieren. Ich bin eigentlich das ganze Jahr über auf Diät, um meine Form zu halten. Vormittags mache ich dann Papierkram oder beantworte Mails und spätnachmittags trainiere ich wieder Kraft im Fitnesscenter. Nachts schreibe ich oder fahre mit dem Auto durch meine Stadt, bis ich müde bin – das ist ein ganz normaler Tag.

Ihre Fans warten bislang vergeblich auf einen Live-Auftritt. Warum scheuen Sie die Bühne?

Das Problem bei einer Tour sind die Veranstalter. Viele schlagen einfach eklige Angebote und Verträge vor. Ich will mich nicht abziehen lassen. Am liebsten würde ich alles selbst organisieren, aber das ist nicht so einfach.

In diesem Jahr haben Sie eine Zeile für das Bushido-Album gerappt. Ist er eines Ihrer Vorbilder?

Ich habe wegen Bushido mit 16 angefangen, Musik zu machen. Er hat mich geprägt und es hat Spaß gemacht, mit ihm zu arbeiten.

Für Sie geht’s gerade steil bergauf. Bleibt noch Zeit, den Erfolg zu genießen? Wenn ja, wie?

Ich glaube, man realisiert das gar nicht so richtig. Meine Mom kann auch noch nicht glauben, dass wir auf einmal vier Häuser haben und alles bar bezahlen können. Es ist ein schönes Gefühl.

Im Internet zeigen Sie sich gerne mit Hund: Die beste Möglichkeit, um abzuschalten?

Ja, ich laufe gerne mit meinen Hunden. Sie sind einfach die besseren Menschen.

Trotz des großen Erfolgs sind Sie Hörstel als Wohnort treu geblieben. Warum? Was schätzen Sie am Leben hier?

Ich liebe meine Stadt, ich liebe alles hier, jeden Kieselstein. Ich werde niemals von hier weggehen, ich bin hier aufgewachsen und nirgendwo ist es schöner.

Blick in die Zukunft: Was wünschen Sie sich? Wo sehen Sie sich in einem oder in fünf Jahren?

Ich arbeite bereits am nächsten Projekt. Ich will auf Platz eins charten und ich möchte einfach, dass meine Mom noch glücklicher wird.

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