Fr., 17.11.2017

"Cold Water Challenge"-Prozess Gericht legt Quoten für Unterhaltsansprüche fest

Bei dem Unglück mit einem mit Wasser beladenen Teleskoplader kam ein Familienvater im Juli 2014 ums Leben.

Bei dem Unglück mit einem mit Wasser beladenen Teleskoplader kam ein Familienvater im Juli 2014 ums Leben. Foto: dpa

Hamm - 

Ein tragischer Unfall aus dem Sommer 2014 fand am Freitag vor dem Oberlandesgericht Hamm zumindest ein vorläufiges Ende. Bei dem Unglück war in Isselburg ein 34-jähriger Mann ums Leben gekommen, als bei einer sogenannten „Cold Water Challenge“ ein Teleskoplader wegen Überlast mit Wasser umkippte und den Familienvater erschlug.

Von Dierk Hartleb

Nachdem der Fall strafrechtlich bereits vom Landgericht in Münster abschließend behandelt worden war (Geldstrafe für den Eigentümer, Einstellung des Verfahrens gegen Geldzahlung bei dem Fahrer), ging es in der Verhandlung am Freitag darum, in welcher Höhe die Beklagten Schadensersatz wegen entgangener Unterhaltsansprüche an die Hinterbliebenen des Opfers – seine Ehefrau und drei Kinder im Alter von neun, sieben und vier Jahren– zu leisten haben.

Über konrete Summen entscheidet Familiengericht

Das Landgericht hatte den Schuldanteil des Fahrers mit einer Quote von 50, den des Eigentümers von 75 Prozent bemessen. Die Schuldanteile beurteilte das OLG nach Einvernahme des Sachverständigen mit jeweils zwei Dritteln anders. Über die konkreten Schadenersatzsummen muss nun ein Familiengericht entscheiden.

Der Ingenieur legte dar, dass die Überlastanzeige nicht in Betrieb war. Ein Blick auf die Anzeige hätte dem Fahrer angezeigt, dass die aufgenommenen 1700 Liter Wasser bei einer ausgefahrenen Teleskoplänge von 2,46 Meter den kritischen Punkt längst überschritten hätten.

Nicht auf Defekt hingewiesen

Zudem sah das Gericht ein erhebliches Mitverschulden des Eigentümers, indem er den Fahrer nicht auf den Defekt der Überlastanzeige hingewiesen hatte, auch wenn es sich um eine Gefälligkeit gehandelt habe. Den zunächst ebenfalls beklagten Haftpflichtversicherer machten auch die Hammer nicht verantwortlich, weil sich die Verkehrssicherungspflicht des Versicherers nur auf den Arbeitsbetrieb auf öffentlichen Verkehrsraum beziehe und nicht auf eine zweckentfremdete Verwendung auf einem Acker (AZ 7U45/16).

Unglück passierte bei Videodreh

Das Unglück war im Juli 2014 bei einem Videodreh zur "Cold Water Challenge" in Isselburg (Kreis Borken) passiert. Das Opfer hatte mit anderen Mitgliedern des Isselburger Kegelclubs auf Bierbänken gesessen und auf den Wasserschwall aus der Scaufel des Teleskopladers gewartet. Doch dann ging alles schief, der Bagger mit 1700 Litern Wasser beladen, stürzte in die Gruppe. Sechs Personen wurden erfasst, darunter der damals 34 Jahre alte Familienvater. Fünf weitere Personen im Alter zwischen 32 und 36 Jahren wurden zum Teil schwer verletzt.

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Cold Water Challenge

Die "Cold Water Challenge" ging 2014 um die ganze Welt. Dabei sollten sich Menschen mit eiskaltem Wasser übergießen, Freunde und Bekannte nominieren, die ebenfalls an dem Wasserspiel teilnehmen sollen und sich dabei filmen. Die Benannten sollten binnen 48 Stunden selbst ins kalte Wasser steigen, und den Film davon bei Youtube einstellen. Schafften sie das nicht, sollten sie denjenigen, denen sie die Nominierung zu verdanken hatten, eine "Strafe" bezahlen - die Währung waren meist Bierkisten oder Grillfeste. Viele Prominente nahmen auch an der Kaltwasser-Herausforderung teil, so zum Beispiel Microsoft-Chef Bill Gates. Er hatte eine Herausforderung von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg angenommen. Ursprünglicher Hintergrund der Aktion war, Spenden für die Bekämpfung der Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) zu sammeln.

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