Vater erstattet Anzeige
Kind darf nicht aufs Postbank-Klo

Ahaus -

Dr. Peter Reber wollte seiner sechsjährigen Tochter im Postbank Finanzcenter an der Bahnhofstraße einen dringenden Toilettengang ermöglichen und erhielt eine Abfuhr. Jetzt befasst sich die Polizei mit dem Vorfall.

Mittwoch, 24.01.2018, 08:37 Uhr

Ein Kunden-WC zählt nicht überall zum Standard. Dr. Peter Reber wollte seiner sechsjährigen Tochter im Postbank-Finanzcenter an der Bahnhofstraße jetzt einen dringenden Toilettengang ermöglichen – und wurde abgewiesen.
Ein Kunden-WC zählt nicht überall zum Standard. Dr. Peter Reber wollte seiner sechsjährigen Tochter im Postbank-Finanzcenter an der Bahnhofstraße jetzt einen dringenden Toilettengang ermöglichen – und wurde abgewiesen. Foto: Christian Bödding

Als Reber im Postbank-Finanzcenter an der Reihe war, um ein Päckchen abzuholen, verspürte seine Tochter ein dringendes Bedürfnis. Reber fragte die Postbank-Mitarbeiterin, ob seine Tochter auf die Toilette dürfe. „Als Antwort bekam ich ein lapidares Nein“, sagt Reber. Die Mitarbeiterin habe klar gemacht, dass die Toilette in der Postbank-Filiale nicht von Kunden genutzt werden dürfe.

Kurzes Wortgefecht

Laut Reber entwickelte sich ein kurzes Wortgefecht. Umstehende hätten sich empört gezeigt, dass der Sechsjährigen die Nutzung des WCs verweigert wurde. „Wenn ein Kind muss, dann muss es.“ Das wüssten alle Eltern mit kleinen Kindern. „Auch in unsere Praxis an der Arnoldstraße kommen oft Passanten, die schnell mal auf die Toilette müssen“, berichtet der Zahnarzt Reber. „Das lassen wir doch selbstverständlich zu.“

Im Postbank Finanzcenter war allerdings nichts zu machen. Reber verließ also mit seiner Tochter schleunigst die Räumlichkeiten, um ihr anderenorts den Gang aufs stille Örtchen zu ermöglichen. „Was mich ganz besonders geärgert hat, war der letzte Satz der Mitarbeiterin. Sie wünschte mir noch einen schönen Tag.“ Verstärkt wurde sein Ärger dadurch, dass ihm hinterher berichtet wurde, dass in der Filiale die (nicht zugänglichen) Kundentoiletten der früheren Hauptpost wohl noch vorhanden seien.

Wegen unterlassener Hilfeleistung und Körperverletzung angezeigt

Reber ärgerte sich so sehr, dass er den Vorfall der Polizei meldete. Er zeigte die Postbank-Mitarbeiterin wegen unterlassener Hilfeleistung und Körperverletzung an. „Ich denke, dass die Staatsanwaltschaft eingeschaltet wird.“ So weit ist es noch nicht. Frank Rentmeister, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Borken, bestätigte am Montag den Eingang der Anzeige. „Wir ermitteln.“

Kein Zutritt aus Sicherheitsgründen

Postbank-Pressesprecher Ralf Palm bedauerte die Unannehmlichkeiten, die Reber und seiner Tochter entstanden seien. Das teilt er auf Anfrage mit. Warum der Toilettengang nicht gestattet worden sei, erklärt Palm wie folgt: „Wir bitten um Verständnis, dass wir Dritten aus Sicherheitsgründen keinen Zutritt zu Räumlichkeiten, die außerhalb des Kundenbereichs liegen, gewähren können.“ Dabei spielten auch versicherungstechnische Gründe eine Rolle. Eine separate Kundentoilette gebe es in der Bankfiliale in Ahaus nicht.

Auf gegenüberliegenden Imbiss verwiesen

„Diese Fakten hat unsere Kollegin auch erläutert und auf die Toilette im gegenüberliegenden Imbiss verwiesen“, sagt der Pressesprecher. Die Mitarbeiterin der Filiale habe Peter Reber mehrfach freundlich mitgeteilt, dass es ihr sehr leid täte und sie den Gang zur Toilette verwehren müsse. „Unsere Mitarbeiter begegnen unseren Kunden mit Freundlichkeit, Respekt und einem serviceorientierten Verhalten. Im gegenseitigen Miteinander hätten wir an dieser Stelle gehofft und erwartet, dass auch unser Kunde einen respektvollen Umgang mit unserer Mitarbeiterin pflegt.“

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