27-Jähriger Berufssoldat vor Gericht
Ex-Freundin getötet: 13,5 Jahre Haft

Beckum / Münster -

Für 13 Jahre und sechs Monate muss der 27-jährige Berufssoldat aus Wadersloh ins Gefängnis. Er hatte im Juli vergangenen Jahres in Beckum seine Ex-Freundin getötet und anschließend das Einfamilienhaus in Brand gesteckt, obwohl im Erdgeschoss die Großmutter des Opfers schlief.

Dienstag, 30.01.2018, 17:48 Uhr

 
  Foto: Friso Gentsch

Die 2. Große Strafkammer verurteilte den Wadersloher wegen Totschlags und versuchtem Mord in Tateinheit mit schwerer Brandstiftung.

Der Verurteilte nahm den Richterspruch und die rund einstündige Urteilsbegründung durch die Vorsitzende Richterin Gabriele Böhner ohne offensichtliche Regungen zur Kenntnis. „Das sieht nur so aus“, sagte sein Verteidiger Jürgen Föcking, der seinen Mandanten schon auf eine Haftstrafe in dieser Höhe vorbereitet hätte.

Urteil entsprach Forderungen 

Das Urteil entsprach in etwa der Forderung der Staatsanwaltschaft und auch der Vertreter der Eltern des Opfers, die als Nebenkläger dem Prozess beiwohnten, konnte mit dem Urteil leben. „Natürlich haben sich einige aus dem Umfeld des Opfers eine höhere Strafe erhofft. Doch ich versuche, den Eltern und Verwandten das Urteil zu erläutern“, sagte Rechtsanwalt Oliver Lankes.

Mein Mandant wirkte nur so. Ich hatte ihn auf das erwartete zweistellige Strafmaß vorbereitet.

Verteidiger Jürgen Föcking

In der Urteilsbegründung erklärte Gabriele Böhner unmissverständlich, dass die Kammer der Einlassung des Täters nicht in vollem Umfang Glauben schenkte. So ging das Gericht nach der Beweisaufnahme davon aus, dass der Täter sich über den Hof und die offene Küchentür Zugang zum Opfer verschafft habe. Maximal 20 Minuten habe der Täter in der Wohnung der getöteten 22-Jährigen verbracht.

Mit Verlängerungskabel erdrosselt

Er hatte sie erwürgt. Schon früher hatte der Bundeswehrsoldat eine Freundin bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt. Als aus dem Mund des Opfers ein „zischender Laut“ kam, legte der Täter ein Verlängerungskabel um den Hals des Opfers und erdrosselte die Frau.

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Anschließend entzündete er mit Papier ein Sofa, von dem aus das Feuer auf die Decke übergriff. Der Sachschaden beträgt über 100  000 Euro. Die Großmutter wurde – vermutlich vom Lärm einer durch die Hitzeentwicklung gesprengten Scheibe – wach und konnte sich retten. In die Räume ihrer Enkelin, die wie ein Sachverständiger festgestellt hatte, schon vor dem Brand gestorben war, konnte die 74-Jährige wegen des Brandes nicht mehr. Sie verließ selbstständig ihr Haus.

Täter war in psychologischer Behandlung

Obwohl der Verurteilte häufig in psychologischer Behandlung war und früher unter Alkohol- und Spielsucht litt, sei er bei der Tatausführung voll zurechnungsfähig gewesen. Hintergrund der schrecklichen Tat, so Richterin Böhner, seien Misstrauen, Eifersucht und Kontrollwahn gewesen.

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