Mo., 05.02.2018

Defizite im Teutoburger-Wald-Netz Eurobahn wird abgemahnt

Defizite im Teutoburger-Wald-Netz: Eurobahn wird abgemahnt

Foto: Gunnar A. Pier

Verspätungen und Zugausfälle im Teutoburger-Wald-Netz, obendrein eine miserable Fahrgast-Information: Den Auftraggebern des Zweckverbandes Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) reicht es. Am Mittwoch wird die Eurobahn offiziell abgemahnt. So etwas gab es noch nie.

Von Elmar Ries

Permanent verspätete Züge, regelmäßige Zugausfälle: Der Start der Eurobahn im Teutoburger-Wald-Netz war im Dezember mehr als holprig. Der Eisenbahn-Anbieter mit französischen Wurzeln bekommt am Mittwoch dafür die Quittung: Nach Informationen unserer Zeitung wird das Unternehmen vom Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) mit Sitz in Unna abgemahnt.

Das ist der erste Schritt auf einer mehrstufigen Eskalationsleiter, an deren Ende theoretisch der Entzug der Konzession stehen könnte. Beobachter gehen aber nicht davon aus, dass es der NWL, der für die Streckenvergabe zuständig ist, die Reißleine ziehen wird.

Extreme Zunahme der Beschwerden

Der Ärger mit der Eurobahn ist alt. Schon vor einem Jahr stand die Deutschland-Tochter des französischen Keolis-Konzerns am Pranger und kurz davor, verwarnt zu werden. Damals reichte dem NWL die Androhung von Sanktionen. Der Eurobahn auch. Danach fuhren die Züge pünktlicher und auf allen Strecken mit deutlich geringeren Ausfallquoten. Darüber hinaus kündigte das Eisenbahn-Unternehmen ein eigenes Ausbildungsprogramm für Lokführer an und erklärte, in neues Personal investieren zu wollen.

Im Dezember übernahm das Unternehmen das Teutoburger-Wald-­Netz für 15 Jahre - fünf Linien, 5,3 Millionen Zugkilometer jährlich. Zur Überraschung aller gab es in den ersten Wochen kaum Probleme. Dann wendete sich das Blatt: Verspätungen, überfüllte Züge, Ausfälle und keinerlei Fahrgastinformation. Kunden beschwerten sich, Politiker liefen Sturm, beim NWL, der ja die Musik bestellt, rauften sich die Verantwortlichen die Haare.

Außerordentliche Verbandsversammlung 

Genug ist genug. Das hörte man nun allerorten. Das Fass zum Überlaufen brachte die Nachricht, dass der Grenzübertritt der RB 61 von Osnabrück ins niederländische Hengelo nicht wie angekündigt problemlos funktioniert. Die neuen Züge kamen wider Erwarten und entgegen aller Ankündigungen mit den unterschiedlichen Stromsystemen nicht klar. Die Eurobahn stellte den Zugverkehr ein und setzte bis heute auf Busse.

Der NWL berief daraufhin eine außerordentliche Verbandsversammlung ein, besagte Sitzung am Mittwoch. Und beauftragte parallel Juristen mit der Prüfung möglicher Sanktionen. Wie zu hören ist, sind die Experten damit noch nicht fertig.

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Eine denkbare Variante: Neben der Abmahnung, die angeblich schon unterschrieben vorliegt, ziehen die NWL-Vertreter die Karte einer sogenannten Auferlegung. Das ist ein juristisches Instrument der unmittelbaren Einflussnahme. Quasi die Pistole auf der Brust, um Vorgaben zu erzwingen.

Öffentliche Aussprache

Nach einem nichtöffentlichen Teil, in dem die aus Vertretern der Politik bestehende Verbandsversammlung über die Inhalte der Prüfungen unterrichtet wird, ist eine öffentliche Aussprache angesetzt. Zu vermuten ist, dass die Eurobahn-Vertreter sich hier warm anziehen müssen. Die Politiker werden mit Kritik nicht geizen.

Apropos Eurobahn-Vertreter: Dass der Konzern einen Abgesandten schickt, steht fest. Spannend ist die Frage, wer es sein wird. Kommt Eurobahn-Geschäftsführer Thomas Görtzen oder Keolis-Deutschland-Chefin Magali Euverte, die, so heißt es, Görtzen im vergangenen Jahr „zur Seite gestellt worden ist“.

Die fünf Zuglinien des Teutoburger Wald-Netzes

·        RB 61 Wiehengebirgs-Bahn (Bielefeld – Bad Bentheim – Hengelo)

·        RB 66 Teuto-Bahn (Münster – Osnabrück)

·        RB 65 Ems-Bahn (Münster – Rheine)

·        RB 72 Ostwestfalen-Bahn (Herford - Altenbeken-Paderborn) 

·        RE 78 Porta-Express (Bielefeld – Minden – Nienburg)

Mit dem neuen Verkehrsvertrag werden jährlich rund 5,3 Millionen Zugkilometer gefahren. Der Vertrag startet mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2017 und läuft über 15 Jahre. Die vier Aufgabenträger NWL, LNVG, Provincie Overijssel und Regio Twente starteten die Ausschreibung im Mai 2014. Die bisherigen Betreiber des Teutoburger Wald-Netzes sind die Westfalen-Bahn sowie auf der Linie RE 78 die DB Regio AG.

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