Fr., 09.02.2018

Interview mit Pastoralreferentin „Wir verkaufen hier ja auch nicht nur die schöne Feier“

Den festlichen Rahmen der kirchlichen Trauung schätzen viele Paare. Um mehr über das Sakrament Ehe zu erfahren, lädt Stefanie Eißing Paare zu einem Ehevorbereitungskurs ein.

Den festlichen Rahmen der kirchlichen Trauung schätzen viele Paare. Um mehr über das Sakrament Ehe zu erfahren, lädt Stefanie Eißing Paare zu einem Ehevorbereitungskurs ein. Foto: dpa/Mareike Meiring

Schöppingen - 

Stefanie Eißing hat Erfahrung mit heiratswilligen Paaren. Die Pastoralreferentin hat schon in Heek mehrere Ehevorbereitungskurse geleitet, nun steht das erste Seminar in Schöppingen an. Im WN-Interview sprach sie über das angestaubte Image solcher Kursen und über Paare, für die der Glaube eigentlich keine Rolle mehr spielt.

Von Mareike Meiring

Stefanie Eißing hat Erfahrung mit heiratswilligen Paaren. Die Pastoralreferentin hat schon während ihrer Zeit in der Pfarrgemeinde in Heek mehrere Ehevorbereitungskurse geleitet, nun steht das erste Seminar in Schöppingen an: Am 17. Februar laden sie und Franz-Josef Plesker Paare, die sich kirchlich trauen lassen wollen, zu einem solchen Kurs ein. Mit Redaktionsmitglied Mareike Meiring sprach Stefanie Eißing im Vorfeld über das angestaubte Image von Ehevorbereitungskursen, über den Wert kirchlicher Trauungen und über Paare, für die der Glaube eigentlich keine Rolle mehr spielt.

Ehevorbereitungskurse haben ja eher ein angestaubtes Image . . .

Stefanie Eißing: Das stimmt. Wenn man sich mal umhört, kursieren auch so manche Geschichten von früher in den Gemeinden. Ein Kaplan etwa habe damals in einem Kurs eine Stelle aus dem Epheserbrief zitiert, in der es heißt, die Frauen sollen ihren Männern Untertan sein . . . Aber das ist Gott sei Dank mittlerweile völlig anders.

Sind Ehevorbereitungskurse denn noch zeitgemäß?

Eißing: Ja, vor allem, weil das Verständnis von Ehe als Sakrament nicht mehr so groß verbreitet ist. Die Kurse sind zudem sehr unterschiedlich gestaltet. Während es auch Kurse im Kanu oder mit Sport verbunden gibt, ist unser Konzept relativ klassisch. Wir sprechen darüber, was es heißt, wenn ich mich vor Gott trauen lasse, wie ich die kirchliche Feier gestalten kann und wie wichtig die Kommunikation zwischen den Eheleuten ist. Die Paare treffen andere in der gleichen Situation und können sich mit ihnen austauschen.

Was sind es für Paare, die zu Ihnen in den Kurs kommen?

Eißing: Das ist ganz unterschiedlich. In einem meiner Kurse kam auch einmal ein älteres Paar, das bereits erwachsene Kinder hatte. Eines ihrer Kinder war vor einigen Jahren gestorben. Daraufhin hatten sich die beiden wieder mehr mit dem Glauben beschäftigt und dann für sich beschlossen, noch kirchlich zu heiraten.Ansonsten sind natürliche viele Mitte 20 oder Anfang 30 und sind oft auch in den Orten noch mit der Kirche verbunden, etwa über verschiedene Vereine.

In manchen Ländern, etwa Italien, sind solche Kurse für die kirchliche Trauung noch obligatorisch. Wie sehen Sie das?

Eißing: Meiner Meinung nach ist es ein Widerspruch in sich, unter Zwang pädagogisch arbeiten zu wollen. Ich kann niemanden dazu zwingen, sich bei einem solchen Seminar zu öffnen und etwas von sich preiszugeben.

Welche Rolle spielt eine kirchliche Trauung denn noch für Paare?

Eißing: Für viele hat sie einen anderen Wert als eine standesamtliche Trauung. Die standesamtliche Hochzeit ist für viele eher nüchtern und ein formeller Rechtsakt, die kirchliche hingegen ist persönlicher. Es geht für die Paare um das Feierliche, um den Zuspruch, um den Segen für die Ehe. So ist es nicht nur das Paar, das sich etwas verspricht. Auch Gott ist da, der seine Hand über diese Beziehung hält.

Ist das eine Chance für die Kirche, diese vor allem jüngeren Menschen anzusprechen und neu für die Kirche zu begeistern?

Eißing: Ja, und zwar eine sehr große. Menschen brauchen das Gefühl, zu wissen: Da ist jemand, der achtet auf dich. Ich glaube mit Segnungsgottesdiensten zum Beispiel können wir viele Menschen ansprechen. Damit erreichen wir auch Menschen, die sich mit den Regeln und Dogmen der Kirche ansonsten eher schwer tun.

Gleichzeitig gibt es auch jene, die sich zwar kirchlich trauen lassen, aber ansonsten wenig mit der Kirche am Hut haben beziehungsweise haben wollen.

Eißing: Das wird auch von vielen, gerade Hauptamtlichen in der Kirche, sehr kritisch gesehen. Wir verkaufen hier ja auch nicht nur die schöne Feier, uns bedeutet das etwas und da steckt etwas hinter. Wenn der Glaube für die Paare eigentlich keine Rolle mehr spielt, kann man das meiner Meinung nach auch sehr kritisch sehen. So geht es auch mir, wenn ich merke, dass es für die Paare nur um die schöne Kulisse geht. Wir müssen aber auch schauen, dass wir Paare, die suchen, nicht überfordern. Und ich sehe Paare, die sich für eine kirchliche Hochzeit entschieden, durchaus als Suchende an.

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