Do., 08.02.2018

Traditionsgaststätte steht zum Verkauf Generationentreff statt Gastronomie?

Anne Siemon vor dem Deutschen Herd: Das Gebäude soll veräußert werden, die künftige Nutzung ist noch offen.

Anne Siemon vor dem Deutschen Herd: Das Gebäude soll veräußert werden, die künftige Nutzung ist noch offen. Foto: Nele Pollert

Gimbte - 

Der Deutsche Herd steht zum Verkauf. Das wurde am Mittwochabend am Rande der Auftaktveranstaltung zum Dorfinnenentwicklungskonzept (DIEK) bekannt. Die Versammlung, zu der Stadt, Bezirksausschuss und Planungsbüros gemeinsam eingeladen hatten, fand eben dort statt: im Deutschen Herd.

Von Oliver Hengst

Über die Zukunft der Traditionsgaststätte war im Dorf offenbar seit langem spekuliert worden. Die volle Hütte am Mittwochabend nutzte Stephan Siemon aus der Eigentümerfamilie daher, um „etwas in eigener Sache“ mitzuteilen: „Der Deutsche Herd wird verkauft“, sagte er gegen Ende der Veranstaltung. Seine Mutter werde bald 70 und wolle den Betrieb abgeben. Dass er die öffentliche Veranstaltung wählte, hat Gründe: Er wolle die Anwesenheit der Dorfgemeinschaft nutzen, um mit Gerüchten aufzuräumen.

Bis ein möglicher Besitzerwechsel unter Dach und Fach ist solle der Restaurantbetriebe „erstmal weiterlaufen“. Für den Fall, dass sich keine gastronomische Nachnutzung ergibt, brachte Siemon eine Alternative ins Spiel: den Umbau des dorfbildprägenden Gebäudes zum Dorfgemeinschaftshaus. „Aus diesem Gebäude kann man viel machen“, sagte er. „Dies hier war früher mal ein Saal“, betonte er mit Blick auf das mit (nicht tragenden) Trennwänden aufgeteilte Erdgeschoss.

Dass es Bedarf für einen solchen Treffpunkt gibt, steht für viele Gimbter außer Frage. Zum Bespiel Theo Große Wöstmann, der für die SPD im Rat sitzt. „Das hört man immer wieder von allen Seiten, dass so etwas gewünscht wird. Ein Treffpunkt für Jung und Alt – das steht ganz oben auf der Wunschliste.“ Bislang gebe es als einzigen Treffpunkt (von Gaststätten mal abgesehen) das örtliche Jugendheim. Wenn dort aber Seniorenkarneval oder Chorproben stattfänden, „geht das zu Lasten der Jugendlichen“, so Große Wöstmann.

Wie Dr. Frank Bröckling vom Büro „Planinvent“ ausführte, könne es für derartige Projekte Zuschüsse bis zu 65 Prozent der Bausumme geben. Die restlichen 35 Prozent müssten aus Eigenmittel beigesteuert werden, denkbar seien auch Eigenleistungen am Bau – eigentlich eine Gimbter Spezialität. Er zeigte auch das Beispiel eines Dorfgemeinschaftshauses, das in Nordkirchen-Cappelle mit 850 000 Euro bezuschusst wurde.

Derartige Fördermittel für das Dorf auszuschöpfen ist nicht zuletzt eines der Ziele des DIEK. Jedoch müsse man sich an den formell vorgegeben Rahmen halten, wie Hinnerk Willenbrink („Stadtentwicklung & Kommunikation“, Gimbte) betonte. Man dürfe nicht mit dem vorformulierten Ziel „Dorfgemeinschaftshaus“ in den Prozess gehen. Vielmehr könne ein solcher Treffpunkt die logische Folge aus dem zu erarbeitenden Konzept sein.  

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