Provinzial-Fusion im fünften Versuch
Die Vorstände sollen es wollen

Münster/Düsseldorf -

Ob es nun im fünften Anlauf klappt? Noch gibt es auf diese Frage keine Antwort. Fest steht aber, dass die Eigen­tümer der Provinzial-Ver­sicherungskonzerne Nordwest mit Sitz in Münster und der Provinzial Rheinland mit Sitz in Düsseldorf wieder einmal konkret über eine Fusion verhandeln.

Freitag, 09.02.2018, 07:55 Uhr

Münsters Provinzial-Chef Dr. Wolfgang Breuer Dr. Wolfgang Breuer 
Münsters Provinzial-Chef Dr. Wolfgang Breuer Dr. Wolfgang Breuer 

Angeblich soll bis Ende dieses Monats über eine erste konkrete Weichenstellung entschieden werden. Bestätigt wird dies in den Eigentümer­kreisen nicht – anders als in der Vergangenheit wird jede offizielle Stellungnahme untereinander abgestimmt. Auch die Herangehensweise an das Projekt unterscheidet sich dem Vernehmen nach gravierend von früheren Anläufen: Die Mitarbeitervertretungen beider Häuser sind informiert und involviert, den Machbarkeits­studien attestieren Insider ein viel höheres Maß an Gründlichkeit und Tiefe.

Treibende Kräfte einer Versicherer-Fusion sind auf der Eigentümer-Seite die Sparkassenverbände Westfalen-Lippe und Rheinland.  Als Antwort auf die anhaltende Niedrigzinsphase und die Herausforderungen der Digitalisierung sollen durch eine Fusion Synergieeffekte gehoben werden.

Veränderte Rahmenbedingungen

Die Rahmenbedingungen für den fünften Fusions-Anlauf der öffentlichen Versicherungskonzerne Nordwest (Münster) und Rheinland (Düsseldorf) unterscheiden sich wesentlich von denen der Vergangenheit.

Dem Vernehmen nach haben die Vorstände beider Häuser von den Eigen­tümern offiziell zwar den Auftrag einer „ergebnisoffenen Prüfung“ bekommen, intern ist aber wohl das Ziel einer Konzern-Fusion klar ausgegeben worden. Die Arbeitnehmervertreter sind mit im Boot, die Gesprächsatmosphäre wird als an­genehm und konstruktiv charakterisiert. Insbesondere der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hatte als schwergewichtiger Miteigentümer in der Vergangenheit die „Hinterzimmer-Politik“ kritisiert.

Andere politische Kulisse

Auch die politische Kulisse ist eine andere: Sowohl in Düsseldorf als auch in Kiel (der Sparkassenverband Schleswig-Holstein ist Miteigentümer) regieren CDU-Ministerpräsidenten; der einflussreiche rheinische Sparkassenpräsident Michael Breuer verfügt über hervorragende Kontakte in die Düsseldorfer Staatskanzlei. Im Falle einer Fusion müsste eventuell der Staatsvertrag zwischen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz geändert werden.

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Beide Häuser wollen Kosten senken

Alle Eigentümer sind sich einig, die Kosten beim Ver­sicherer erheblich zu senken und die Ertragskraft deutlich zu steigern. Diesem Zweck dienen in beiden Häusern Einsparprogramme mit durchaus nennenswerten Einsparzielen. Die Versicherer leiden, wie die Sparkassen auch, unter der anhaltenden Niedrigzinspolitik. Überdies wächst der Druck auf die elf öffentlichen Ver­sicherer, größere Einheiten zu bilden und so ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Die Digitalisierung dürfte ­Investitionen in Milliardenhöhe notwendig machen.

Der letzte Fusionsversuch der Versicherer aus Münster und Düsseldorf war 2013 gescheitert, in erster Linie am Streit über die zukünftige Rechtsform des fusionierten Konzerns. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe fürchtete erhebliche steuer­liche Nachteile.

Die größten Hürden sind die alten

Auch wenn Insider Gespräche und vorliegende Ergebnisse der Machbarkeitsstudie jetzt sehr positiv bewerten – die größten Hürden eines Zusammenschlusses sind die alten: Neben der Rechtsform und den anstehenden Bewertungsfragen geht es natürlich um den künftigen Hauptsitz und um die Zukunft und Aufteilung der Arbeitsplätze. Bei früheren Überlegungen war von einem Arbeitsplatz-Abbau von 350 bis 500 Stellen ausgegangen worden – zu er­reichen über natürliche Fluktuation. Bei diesen Zahlen könnte es sich aber auch um einen ersten Schritt handeln, dem weitere folgen müssten. Die Sorge vor einer schleichenden Erosion gut bezahlter Arbeitsplätze ist insbesondere im Münsterland groß.

Für die Provinzial Nordwest arbeiten rund 6000 Menschen, für die Provinzial im Rheinland rund 4500.

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