Mi., 14.02.2018

Gutes Geschäft in 2017 Sparkassen in Westfalen-Lippe trotzen schwierigen Rahmenbedingungen

Fordert für die Regulatorik eine „Datenfabrik“, um Kosten zu senken: Prof. Dr. Liane Buchholz, Präsidentin des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe

Fordert für die Regulatorik eine „Datenfabrik“, um Kosten zu senken: Prof. Dr. Liane Buchholz, Präsidentin des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Keine Katerstimmung bei den Sparkassen in Westfalen-Lippe. Auch wenn extreme Zinssituation, Regulatorik und Digitalisierungsaufwände das Ergebnis belasten – im Schatten der guten Konjunktur machen die Institute ein ordentliches Geschäft. 

Von Wolfgang Kleideiter

Zum ersten Mal in ihrer Geschichte wuchs die aggregierte Bilanzsumme der über 60 Sparkassen in Westfalen-Lippe im vergangenen Jahr um 2,6 Prozent auf über 131 Mrd. €.

 „Das entspricht rein rechnerisch einem Zuwachs von eineinhalb Sparkassen in der westfälisch-lippischen Durchschnittsgröße von 2,1 Milliarden Euro“, berichtete Verbandspräsidentin Prof. Dr. Liane Buchholz am Aschermittwoch in Münster. Das Betriebsergebnis liege stabil bei 1,2 Mrd. €.

Buchholz und auch Vizepräsident Jürgen Wannhoff lobten die guten Managementleistung in den Sparkassen, die sich nicht nur fortlaufend um Produkti­vitätssteigerung kümmern, sondern auch im Vertrieb erfolgreich sind.

Beim Blick auf die Geschäftsentwicklung machte Wannhoff gleich mehrere, aus seiner Sicht bemerkenswerte Punkte aus: So wuchs im Firmenkundenbereich der Kreditbestand mit plus 2,1 Mrd. €  so kräftig wie seit zehn Jahren nicht mehr. Im Privatkundensektor knackte der Bestand erstmals die ­40-Mrd.-Euro-Marke. Beim Neugeschäft spürten auch die Sparkassen, dass die Kunden nach wie vor in die Immobilien drängen. ­Allerdings – so zeigt ein Rückgang im Vermittlungs­geschäft – ist das Angebot an Baugrund und Immobilien begrenzt. Dass der durchschnittliche Objektwert seit Jahren steigt, beunruhigt Wannhoff nicht: „Ich sehe keine Blasenbildung.“

Zudem haben die Spar­kassenkunden in Westfalen-Lippe 2017 „in einer noch nie dagewesenen Größenordnung“ Vermögen gebildet: Der Einlagenbestand wuchs inklusive Wert­papieren, Bausparverträgen und Lebensversicherungen um 3,8 Mrd. € . Im Wertpapiergeschäft stieg der Umsatz um 1,3 Mrd. € .

Beim Dauerthema Regulatorik hofft der Sparkassenverband Westfalen-Lippe zum einen auf eine stärkere Verhältnismäßigkeit, die kleinere Institute entlasten würde, und auf die „regulatorische Datenfabrik“. Prof. Buchholz beziffert die Ersparnisse durch eine solche Bündelung der Daten allein für Westfalen-Lippe auf jährlich 20 Mio., bundesweit auf 160 Mio. € . „Wir drehen dort an einer dicken Schraube.“

Gleiches gilt wohl auch für die Konsolidierung der Verbundunternehmen Provinzial und LBS. Buchholz bestätigte die Fusionsgespräche: „Der Sparkassenverband hat sich an verschiedenen Stellen bereits auf den Weg gemacht.“ Das Zielbild: ein Versicherer, eine Bausparkasse, eine Landesbank.

Sparkassen in Zahlen

Entwicklung der Sparkassen in Westfalen-Lippe im Jahr 2017 (in Klammern Vorjahreswerte):

Bilanzsumme: 131,2 Mrd. €  (127,9 Mrd. € )

Kreditbestand: 91,1 Mrd. €  (88,9 Mrd. € )

Einlagenbestand: 96,2 Mrd. €  (93,8 Mrd. € )

Betriebsergebnis: 1,26 Mrd. €  (1,27 Mrd. € )

Zinsüberschuss: 2,51 Mrd. €  (2,57 Mrd. € )

Provisionsüberschuss: 860 Mio. €  (818 Mio. € )

Anzahl der Filialen (inkl. SB): 1238 (1356)

► Mitarbeiter/innen: 24 746 (25 750)

Rangfolge nach Bilanz­summe gemäß Bundesbankstatistik (Auszug): 2. Münsterland Ost (9,2 Mrd. € ); 3. Westmünsterland (7,5 Mrd. € ); 9. Steinfurt (4,2 Mrd. € ); 29. Rheine (1,4 Mrd. € ); 35. Bocholt (1,1 Mrd. € ); 39. Emsdetten (936 Mio. € ); 55. Lengerich (429 Mio. € ).

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