Mi., 21.02.2018

Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen Mehr betrunkene Mädchen

Um 13 Prozent gestiegen ist im Jahr 2016 der Anteil der Mädchen im Kreis Steinfurt, die nach zu starkem Alkoholgenuss ins Krankenhaus mussten

Um 13 Prozent gestiegen ist im Jahr 2016 der Anteil der Mädchen im Kreis Steinfurt, die nach zu starkem Alkoholgenuss ins Krankenhaus mussten Foto: DAK

Tecklenburger Land - 

Die Zahl der Jugendlichen im Kreis Steinfurt, die alkoholbedingt im Krankenhaus behandelt werden mussten, ist im Jahr 2016 leicht um 3,2 Prozent gestiegen. Das liegt vor allem an den Mädchen...

Von Linda Braunschweig, Frank Klausmeyer

Mit Blick auf die vergangenen zehn Jahre allerdings ist die Entwicklung laut einer Statistik von IT.NRW insgesamt rückläufig: Im Spitzenjahr 2009 lag die Zahl der Patienten mit 229 deutlich höher.

Dennoch: Im Jahr 2016 wurden 129 Patienten zwischen 15 und 20 Jahren stationär in einem Krankenhaus des Kreises behandelt, weil sie zu viel Alkohol getrunken hatten. Davon waren 79 Jugendliche männlich und 50 Jugendliche weiblich. Damit stieg der Anteil der stark betrunkenen Mädchen im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 13 Prozent. Der Anteil der Jungen dagegen ging um 2,5 Prozent zurück. Zahlen für 2017 liegen noch nicht vor.

Stark zurückgegangen ist laut der Statistik die Zahl der Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren im Kreis Steinfurt, die betrunken in ein Krankenhaus gebracht wurden. So wurden 2015 insgesamt 18 Zehn- bis 15-Jährige eingeliefert, 2016 waren es zehn. Das ist ein Rückgang um 44 Prozent.

Und überhaupt kein Vergleich zu 2008: Damals mussten 51 Zehn- bis Fünfzehnjährige in Krankenhäusern des Kreises behandelt werden, weil sie deutlich zu tief ins Glas geschaut hatten. Landesweit stieg die Zahl der Komasäufer insgesamt nach einem längeren Rückgang 2016 zum zweiten Mal an.

Trotz des leichten Anstiegs ist das Komatrinken in unserer Region laut Polizei kein auffälliges Problem, allerdings würden diese Fälle auch eher ohne Polizeibeteiligung abgehandelt. Vor allem bei Großveranstaltungen wie dem Karneval halten die Ordnungshüter aber die Augen offen. Darüber hinaus gibt es Präventionsprogramme in den Klassen fünf bis acht zum Thema Alkohol- und Drogensucht.

Auch Kreisjugendpfleger Ludger Vorndieck hält die Entwicklung beim Alkoholkonsum derzeit für „nicht besorgniserregend“. Natürlich werde weiterhin genau hingeschaut, zum Beispiel in Form von Präventionsprogrammen zu Karneval und ähnlichen großen Veranstaltungen. Aber beim Thema Sucht etwa stehe Alkohol nicht mehr an erster Stelle. Da drehe es sich vielmehr um Drogen- und Mediensucht. Allerdings, gibt er zu bedenken, sind das alles Beobachtungen, die ihm aus Jugendzentren gespiegelt werden – und das sind eher „Orte für jüngere Jugendliche“, sagt Vorndieck.

Natürlich sei der Alkoholkonsum bei Jugendlichen gerade in ländlichen Gebieten immer noch ein Thema, in städtischen Bereichen dagegen griffen Jugendliche eher zu Cannabis, so eine Einschätzung Vorndiecks.

Marihuana ist auch bei der Beratungsstelle Sucht des Diakonischen Werkes im Evangelischen Kirchenkreis Tecklenburg immer wieder ein Thema, wie Ulla Voß-Joubert, Diplom-Sozialpädagogin und Suchttherapeutin, berichtet. Dazu gebe es häufiger Anfragen von Schulen, Eltern oder betroffenen Jugendlichen. Zuletzt hätten die Rückmeldungen sogar zugenommen. „Manchmal passiert das in einem ganzen Jahrgang.“ Im Cannabis-Konsum sieht die Expertin die Gefahr für einen Einstieg in eine Drogenkarriere, weshalb sie einen freien Verkauf auch ablehnt. „Wir haben schon genug Probleme.“

Suchtpotenzial schreibt sie zunehmend auch dem Medienverhalten junger Leute zu: Computerspiele, Smartphones, soziale Netzwerke – all das gehöre sicher heute dazu. „Es werden aber Abhängigkeitsstrukturen deutlich.“ Der richtige Umgang mit diesen Medien gehöre zur Präventionsarbeit der Beratungsstelle, die auch für Westerkappeln und Lotte zuständig ist.

Vorbeugungs- und Aufklärungsarbeit leiste das Beratungszentrum der Diakonie natürlich auch beim Alkohol. Zuletzt habe es zwar keine Fälle gegeben, wenn erforderlich arbeite die Einrichtung aber auch mit Krankenhäusern zusammen, erläutert Voß-Joubert.

Kunst gegen Komasaufen

Kunst gegen Komasaufen: Unter diesem Motto hat die DAK-Gesundheit ihre Kampagne „bunt statt blau“ 2018 zur Alkoholprävention gestartet. Auch Westerkappelner Jugendliche sind zur Teilnahme aufgerufen. Im neunten Jahr sucht die Krankenkasse die besten Plakate gegen das Rauschtrinken. Schirmherr in Nordrhein-Westfalen ist Ministerpräsident Armin Laschet. Hintergrund: 2016 kamen bundesweit 22 309 Kinder und Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus, davon 5191 in Nordrhein-Westfalen.

Alle Schulen im Kreis Steinfurt sind eingeladen, das Thema Alkoholmissbrauch im Unterricht zu behandeln und ihre Schüler bis 31. März Plakate dagegen entwerfen zu lassen. Verbunden mit der Kampagne ist die „Aktion Glasklar“, die seit 13 Jahren Schüler, Lehrer und Eltern über Alkohol aufklärt. „Bei ‚bunt statt blau‘ werden junge Künstler selbst zu glaubwürdigen Botschaftern gegen das Rauschtrinken. Das macht diese Präventionskampagne so besonders“, sagt Dirk Marker von der DAK-Gesundheit für den Kreis Steinfurt.

Bei dem Plakatwettbewerb gibt es Geld- und Sachpreise zu gewinnen. Außerdem winkt auch 2018 den Schülern, die über die sozialen Netzwerke teilnehmen, ein Instagram-Sonderpreis: Wer ein Bild von seinem Plakat oder ein Video hochlädt, kann neben einem Geldpreis eine Eintrittskarte für die re:publica 2019 in Berlin gewinnen. Einsendeschluss für den Wettbewerb 2018 ist der 31. März. Weitere Informationen und die Teilnahmebedingungen gibt es unter www.dak.de/buntstattblau

Stabil ist seit mehreren Jahren die Zahl der Jugendlichen, die wegen Alkohol-Konsum bei der Suchtberatung des Caritasverbandes Tecklenburger Land in Ibbenbüren landen. Im Jahr 2016 kümmerten sich die Berater um zwei Jugendliche unter 14 Jahren sowie 36 Klienten zwischen 15 und 17 und 43 junge Erwachsene zwischen 18 und 19 Jahren. Die meisten der Klienten kämen durch die Jugendgerichtshilfe zu ihnen, sagt Beraterin Christiane Hoke. Nur wenige Betroffene würden selbst erkennen, dass sie Hilfe bräuchten, und sich dann melden.

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