So., 25.02.2018

Angst vor der Schweinepest „Das wäre eine Katastrophe“

 

  Foto: Jens Büttner/dpa

Rinkerode - 

Was würde ein Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest für die hiesigen Mastbetriebe bedeuten? Landwirt Tobias Surmann aus Rinkerode blickt mit Sorge in die Zukunft – obwohl sein Hof alle Sicherheits- und Hygienemaßnahmen wie vorgeschrieben umsetzt.

Von Karlheinz Mangels

Die Bundesregierung verstärkt die Vorkehrungen gegen eine Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Doch was würde ein Ausbruch für die örtlichen Schweinemastbetriebe bedeuten und wie lässt sich vorsorgen?

„Das wäre eine Katastrophe für unseren Hof“, blickt Landwirt Tobias Surmann mit großer Sorge in die Zukunft. Er befürchtet, dass die Schweinepest nicht aufzuhalten ist und irgendwann auch im Münsterland auftreten wird. „Und die Wildschweine sind die Hauptüberträger der Pest. Das sind Wildtiere, die keine Ländergrenzen beachten und irgendwann auch in Deutschland einfallen werden“, ist sich Surmann sicher.

Der Schweinemastbetrieb Surmann liegt am Rande der Davert, eines großen Naturschutzgebietes. „Wir haben in diesem Jahr schon häufiger beim Frühstück Wildschweine ganz in der Nähe auf den Feldern beobachten können“, erzählen Roswitha und Theo Surmann, die Eltern des Hofbesitzers. Und alle bestätigen: Der Bestand hat in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen, und die „kommen immer näher an unseren Hof heran. Wir lassen schon seit einiger Zeit auf unseren Feldern beim Mais und Senf Schneisen, damit die Jäger die Wildschweine besser sehen können“, sagt Surmann.

Wenn man auf die wirtschaftlichen Folgen eines Ausbruches der Schweinepest zu sprechen kommt, werden beim Hofbesitzer die Falten auf der Stirn tiefer. „Das wäre wie ein Börsencrash“, meint Tobias Surmann. Wenn die Schweinepest das Münsterland erreiche, werde es kaum noch möglich sein, Schweine zu verkaufen – in Deutschland höchstens noch zu erheblich niedrigeren Preisen und ins Ausland wegen eines wahrscheinlichen Importverbots wohl gar nicht mehr.

Die Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe hat die Schweinemastbetriebe vor einiger Zeit ausführlich über die ASP informiert. Mit dem Merkblatt „Afrikanische Schweinepest in Osteuropa – eine ständige Bedrohung auch für uns“ informiert der Verband über erforderliche Maßnahmen auf den Höfen, gerade was die Hygiene betrifft. Der Verband weist unter anderem darauf hin, dass durch Fahrzeuge, die aus osteuropäischen Ländern oder auch aus Ostdeutschland kommen, der Virus verbreitet werden könnte. „Wir achten bei allen Fahrzeugen besonders auf Sauberkeit und Hygiene und darauf, dass diese nicht mit unseren Schweinen in Berührung kommen. Das gleiche gilt für die Lkw-Fahrer“, betont Tobias Surmann.

Die Landwirtschaftskammer fordert außerdem, durch „Biosicherheitsmaßnahmen“ den eigenen Betrieb vor einer Ansteckung zu schützen. Im Zuge des Betriebshygienekonzeptes soll besondere Aufmerksamkeit auf die Einzäunung, das Hoftor und auf die Hygieneschleuse gelegt werden.

„Wir hatten schon immer eine Hygieneschleuse. Diese ist bis zur Decke gefliest, hat Waschbecken mit fließend warmem und kaltem Wasser und bietet die Möglichkeit der Stiefelreinigung und der Desinfektion“, erzählt Tobias Surmann. Jeder Besucher muss vor Betreten der Schweineställe entsprechende Overalls anziehen. Ferner hat der Betrieb in den vergangenen Jahren mehrere Tore angebracht, die verhindern sollen, dass Wildschweine den Hof „besuchen“. Alle Auflagen werden in regelmäßigen Abständen vom Hoftierarzt und auch vom Veterinäramt des Kreises Warendorf überprüft.

Surmann versichert, dass alle Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen schon seit vielen Jahren für jeden Mastbetrieb gelten. „Die werden bei uns schon seit der ersten Schweinepest in den 1990-er Jahren ganz penibel beachtet“, so der Landwirt. „Noch ist die ASP nicht in Deutschland ausgebrochen. Aber es wird bestimmt noch weitere Informationen von den Behörden und Verbänden geben.“ Über die Einrichtung eines Sperrbezirkes oder gar das Keulen von Tieren mag der Rinkeroder Landwirt gar nicht nachdenken. „Und die Hoffnung, dass die Pest gar nicht erst ausbricht, stirbt zuletzt.“

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