Sa., 24.02.2018

Wer darf wann wo sitzen Eurobahn: Schwangere muss Bußgeld zahlen

Wer darf wann wo sitzen: Eurobahn: Schwangere muss Bußgeld zahlen

Ostbevern - 

Eine schwangere Frau saß unrechtmäßig in der ersten Klasse und ist sich keiner Schuld bewusst. Der Kundenbetreuer der Eurobahn sieht das aber anders, und hat der Frau und ihren Ehemann ein Bußgeld aufgebrummt.

Von Sebastian Rohling

Die Probleme mit der Eurobahn scheinen eine neue Dimension erreicht zu haben, zumindest für Kulad Hasan und ihren Ehemann. Sichtlich im siebten Monat schwanger, war sie am vergangenen Freitag (16. Februar) unterwegs nach Münster. „Ich will trotz meiner Schwangerschaft weiter zu meinen Sprachkurs und auch alle anderen Termine wahrnehmen“, erklärt die vor zwei Jahren nach Deutschland gekommene Syrerin. Doch ihr Willen zum Lernen wird für die werdende Mutter einer Tochter sowie ihren Ehemann nun teuer.

Der Zug war am besagten Freitagmorgen voll. Aufgrund von Kreislaufproblemen hatte sie für die 13-minütige Fahrt nach Münster die erstbeste Sitzgelegenheit angesteuert, die sie gesehen hat, statt durch den bei der die Fahrt wackelnden Waggon zu gehen, wie sie anmerkt. „Wenn der Zug sonst auch so voll ist, setzen sich immer sehr viele Menschen in die erste Klasse – auch die, die da sonst nicht sitzen. Deswegen, und wegen meiner Kreislaufprobleme, habe ich mich dort hingesetzt“, erklärt sie.

Formal nicht für die erste Klasse gezahlt

In Begleitung ihres Mannes hatte sie deshalb bei der Fahrkartenkontrolle in dem Bereich gesessen, für den die Eheleute formal nicht bezahlt hatten. Doch statt einer Verwarnung, Belehrung oder Ausnahme für die Schwangere, bezichtigte der Kontrolleur beide um 7.55 Uhr direkt des Schwarzfahrens und erteilte den Eheleuten ein Bußgeld in Höhe von jeweils 60 Euro. „Ich verstehe das nicht. Die Bahn macht so viele Fehler. Wir sind so oft zu spät zu Terminen gekommen, weil die Bahn Verspätung hatte oder ein Zug ausgefallen war.

Das blieb für das Unternehmen immer ohne Konsequenzen. Jetzt haben wir einmal was falsch gemacht, was zuvor aber immer wieder mal erlaubt gewesen war, und schon werden wir angeklagt“, gibt sich Hasan kleinlaut, da sie nun Angst hat, dass sich das Verfahren negativ auf ihren Aufenthaltsstatus auswirkt.

Schwangerschaft als Grund in Zweifel gezogen

Auch Hildegard Helmus-Lunkebein vom Verein Wi(h)r, an die sich die Eheleute gewendet haben, versteht diese restriktive vorgehen nicht. „Es handelt sich hier doch um eine schwangere Frau. Eine Verwarnung auszusprechen und im Normalabteil einen Passagier zu bitten, der Schwangeren einen Platz freizumachen, hätte ich für wünschenswert gehalten. Wir haben uns schon an das Unternehmen gewandt, diesen die Situation erklärt und auch den Mutterpass als Beleg vorgezeigt, da die Schwangerschaft als Grund ja in Zweifel gezogen worden sei. Bis jetzt haben wir aber keine Reaktion bekommen“, was für sie unverständlich ist, zumal nach Auskunft von Naceeb Al Assad, dem Ehemann, sie in der ersten Klasse niemandem einen Platz weggenommen haben.

Das Unternehmen Eurobahn hingegen sieht die Situation nach eingehender Prüfung deutlich anders. In einer Stellungnahme zu diesem Fall heißt es, dass sich der Kundenbetreuer noch gut daran erinnere, dass die Kundin und ihre Begleitung in die vordere Tür eingestiegen seien. Er hätte weiter gesehen, wie die Kundin und ihre Begleitung nach dem Einstieg direkt in die erste Klasse gegangen seien. „Der Fahrgastraum der zweiten Klasse war zu diesem Zeitpunkt im näheren Einstiegsbereich der beiden Personen gut gefüllt, jedoch befanden sich im mittleren und hinteren Bereich noch ausreichend freie Sitzplätze“, wird der Kundenberater zitiert.

Keine gesundheitlichen Probleme ersichtlich

In der Stellungnahme heißt es weiter: „Als er seinen Kontrollgang durchführte und die Kundin fragte, aus welchem Grund sie die ersten Klasse ohne gültigen Fahrschein nutze, bekam er die Antwort, dass die Reisende einen Tisch zum Schreiben benötige. Erst nachdem der Kundenbetreuer im Rahmen des EBE-Vorgangs (Erhöhtes Beförderungsentgelt) nach den Ausweisen der Kundin und ihres Begleiters fragte, verwies die Reisende auf ihre Schwangerschaft. Ebenso verwies sie auf den vollen Zug und fehlende Sitzplätze in der zweite Klasse, die nun – durch die in der Zwischenzeit noch zugestiegenen Fahrgäste – tatsächlich besetzt waren.“

Für den Kundenbetreuer seien in der gesamten Situation keine Hinweise auf gesundheitliche Probleme der Kundin ersichtlich gewesen. Auch die Kundin habe laut Stellungnahme im Gesprächsverlauf nicht auf Kreislaufprobleme hingewiesen. „In einem Fall einer gesundheitlichen Belastung, hätte unsere Kundenbetreuer unverzüglich Hilfe angeboten und geprüft, in wieweit gegebenenfalls medizinische Versorgung erforderlich ist“, erklärt das Unternehmen weiter.

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