Di., 27.02.2018

Afrikanische Schweinepest Planen für den Tag X: Landwirte und Politik bereiten sich auf Krise vor

Auf einem Parkplatz an der Autobahn A 19 warnen Aushänge des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft vor der Afrikanischen Schweinepest.

Auf einem Parkplatz an der Autobahn A 19 warnen Aushänge des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft vor der Afrikanischen Schweinepest. Foto: dpa

Düsseldorf - 

Seit einigen Monaten lässt sich beobachten, wie sich der Anblick vieler Höfe im Münsterland ver­ändert. Aus Sorge vor einem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest, übertragen durch Wildschweine, haben Schweinehalter ihre Höfe eingefriedet, damit weder ihre Schweine noch ihr Futter noch Verladestellen für Wildschweine zugänglich sind. 

Von Hilmar Riemenschneider

Es geht um Schutz vor der in Osteuropa schon ­grassierenden Tierseuche, es geht ebenso um Schutz vor Verlusten. Denn im Ernstfall zahlt die Tierseuchenkasse nur den vollen Schaden, wenn die Sicherheitsvorkehrungen stimmen. Und doch wirkt diese Vorsorge fast hilflos: Denn wenn die Afrikanische Schweinepest (ASP) ausbricht, wird sie nach Einschätzung von Experten verheerende Folgen für die Landwirtschaft und die Fleischbranche haben: Es werde Jahre dauern, bis die tückische Seuche erfolgreich bekämpft ist.

Dieses Krisen-Szenario treibt auch die Agrarminister von Bund und Ländern um, die sich am Montag zu einer ASP-Präventions­konferenz getroffen haben. Für NRW-Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking, die den Vorsitz der Agrarministerkonferenz führt, geht es um mehr als Vorsorge: Die Behörden sollen am Tag X bei Ausbruch der Seuche handlungsfähig sein, dazu fehlten ihnen aber Möglichkeiten: „Beim ersten Ausbruch der ASP im Wildbestand muss das Gebiet ­sofort abgeschottet und der betroffene Wildschweine­bestand gänzlich ausgemerzt werden“, fordert die Ministerin eine Befugnis, soge­nannte Kernzonen einzurichten.

Fotostrecke: Afrikanische Schweinepest auf dem Vormarsch

Kein leichtes Unterfangen: Denn in diesen Zonen müssten Jagdpächter Rechte an die Behörden abgeben, Waldbesitzer auf die Holzernte verzichten. Und Be­tretungsverbote beträfen sogar jeden Spaziergänger oder Jogger. Dieses durchaus ­konfliktträchtige Szenario hält Bernhard Schlindwein, stellvertretender Hauptgeschäftsführer Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, für unausweichlich: „Nur so haben wir eine Chance, wieder frei zu werden von ASP.“ Bei einem ASP-Ausbruch müssten die Behörden schnell reagieren und Sperrgebiete abriegeln, wie es Tschechien vor­gemacht hat.

Ob damit die für ganze Landstriche befürchteten Konsequenzen verhindert werden können, ist offen. „Experten rechnen damit, dass die Landwirte ­einige Jahre mit den Folgen zu kämpfen haben“, sagt Bernhard Rüb, Sprecher der NRW-Landwirtschaftskammer. „Am Ende könnte es sich vor allem für kleinere Betriebe nicht mehr lohnen, neu anzufangen.“ Die Tierseuchenkasse federt nur den ersten Verlust ab, kommt für direkte Folgekosten auf, nicht aber für Verdienstausfälle in den folgenden Jahren. „Die Tierseuchenkasse ist keine Vollkasko-Versicherung“, sagt Rüb. In welche Krise ASP die Schweinehalter stürzen würde, man kann es nur erahnen.

Google-Anzeigen


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5555011?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947630%2F